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Krieg in der Ukraine T90M Proryw – Russlands bester Panzer von Billig-Waffe abgeschossen

Der qualmende Panzer
Der qualmende Panzer
© youtube screenshot / PR
Einer von Putins "Durchbruch"-Panzern wurde bei Luhansk zerstört. Der Stolz der russischen Rüstungsindustrie wurde von einer besseren Panzerfaust getroffen. 

Russland verstärkt seine Invasionstruppen seit einiger Zeit mit dem T90M Proryw. Das ist die modernste und kampfstärkste Variante des T90 Panzers. Im Prinzip kann der T90M Proryw als bester Serienpanzer der Welt gelten. Die Nato-Staaten halten ihre Panzer zwar für überlegen, denn sie haben häufig eine höhere Feuerkraft und bessere Schutzwirkung. Doch im Vergleich zu den Westpanzern ist der T90 wesentlich kleiner und agiler. Die aktuelle Variante T90M Proryw ist zudem so umfassend modernisiert, wie kaum ein westlicher Panzer – und wurde schon in nennenswerten Zahlen gebaut.

In der Ukraine soll Russland bislang ungefähr zehn Panzer des Typs verloren haben. Einige blieben wegen technischer Defekte liegen und wurden dann entweder von den Ukrainern oder den Russen selbst zerstört. Am 15. Januar wurde einer der Superpanzer im Einsatz aber voll funktionstüchtig abgeschossen und das vermutlich mit einer sehr einfachen Abwehrwaffe – einem schwedischen AT4.

Allein auf dem Feld 

Der Kampf ist auf einem Drohnenvideo zu sehen. Zunächst fahren zwei Proryw zwischen den Orten Novoselivske und Kuzemivka in der Region Luhansk ins Gefecht. Typisch für die russische Kriegsführung ist die riskante Einsatzplanung. Die Kampfpanzer fahren ohne Begleitung eine Art von Feldweg entlang, obwohl daran unmittelbar eine bewaldete Zone angrenzt. Damit sind sie Angriffe aus Lauerstellungen ausgeliefert, denn die Besatzung der Panzer kann einen kleinen Trupp ukrainischer Soldaten, der sich getarnt im Hinterhalt befindet, nicht sehen.

Diese Form des Einsatzes wird häufig als inkompetent kritisiert. Doch würde man die Panzer von abgesessenen Schützen begleiten lassen, würde die Geschwindigkeit auf die von Fußsoldaten im knöcheltiefen Matsch herabsinken. Entsprechend lang wäre die Gruppe ein Ziel für Drohnen und Artillerie. Und auch begleitende Infanterie kann nicht den Raum sichern, der sich durch die Reichweite moderner Panzerabwehrwaffen von mehreren Kilometern ergibt.

Ungelenkter Werfer 

Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte wurde der T90M nicht durch eine Lenkwaffe wie der TOW aus der Ferne getroffen, sondern von einer besseren Panzerfaust ausgeschaltet. Der AT4 ist ein rückstoßfreier Granatwerfer im Kaliber 84 Millimeter. Der inoffizielle Spitzname lautet "Eighty-Four" – der an die deutsche "Acht-Acht" erinnert. Das Rohr wird auf die Schulter gelegt und das Ziel anvisiert. Der Gefechtskopf von 440 Gramm besitzt keinen Raketenantrieb und wird ungelenkt abgeschossen. Die effektive Reichweite gegen harte Ziele liegt bei nur 300 Metern. Generell gilt der AT4 – wie alle ähnlichen Modelle – als wenig effektiv gegen Kampfpanzer. Eine Kompositfrontpanzerung kann ein AT4 nicht durchschlagen. Auch reagiert der HEAT-Kopf empfindlich auf reaktive Panzerung. Die AT4 kann gut gegen leichter gepanzerte Fahrzeuge und Befestigungen eingesetzt werden.

Dennoch soll die Waffe einen hochmodernen T90M Proryw  ausgeschaltet haben. Auf dem Video ist zu erkennen, wie ein T90M vor einem anderen fährt. Dann schlägt der Treffer ein, der Panzer rollt noch weiter, bis es zu einer Explosion im Inneren kommt. Der Beweis, dass der Treffer die Panzerung durchschlagen hat. Dann bleibt der T90M stehen. Wie stark die Beschädigungen sind, kann man aus dem Video nicht entnehmen. Sofort als das Video auftauchte, wurde spekuliert, wie der T90M getroffen wurde. Denkbare Möglichkeiten wären die Schwachstellen direkt zwischen Turm und Rumpf und dort, wo das Rohr mit einem Schild in den Turm übergeht. Der Uploader des Videos hat inzwischen die Information geteilt, dass die Sichtgeräte des Fahrers getroffen wurden. Ein mutiger und glücklicher Schuss direkt von vorn.

Der Treffer erstaunt, denn der T90M ist zumindest teilweise mit dem aktiven Schutzsystem Arena ausgerüstet. Derartige Systeme sollen angreifende Raketen mit einer Art von Schrotschusshagel abfangen. Nur die wenigsten Panzer aus Westeuropa sind bislang damit bestückt. Bekannt ist, dass diese Systeme Probleme mit Angreifern haben, die sich senkrecht von oben auf den Panzer stürzen. Eine bessere Panzerfaust sollten sie aber abschießen können. Das passive Abwehrsystem Schtora des T90M stört dagegen den Suchkopf von Lenkwaffen, gegen eine "dumme" Waffe wie die AT4 ist es wirkungslos.

Unklar ist, ob das Arena-System versagte oder nicht eingeschaltet war. Tatsache bleibt, dass ein Panzer, der über 4 Millionen Euro kosten soll, von einer Waffe ausgeschaltet wurde, die keine 2000 Euro kostet. Wurde tatsächlich das Sichtsystem des Fahrers mit dem AT4-Werfer getroffen, war das ein glücklicher Treffer. Er erinnert an einen der ersten Einsätze der sowjetischen Scharfschützin Ljudmila Pavlichenko im Zweiten Weltkrieg, die bei einem angreifenden deutschen Panzer das gepanzerte Sichtglas des Fahrers mit zwei Treffern hintereinander durchschlagen konnte.

Hochmoderner Panzer

Der T90 stammt noch vom T72 ab. Die  Proryw-Modelle haben eine moderne neue Panzerung und einen neuen Turm erhalten. Die Hauptwaffe entspricht der Kanone aus dem T-14. Die 2A46M-4 verwendet das Kaliber von 125 Millimeter, soll aber eine größere Reichweite und Genauigkeit haben als die älteren russischen Kampfwagenkanonen. Gleichzeitig wurde im Innenraum die Munition vom Raum der Besatzung getrennt. Auch wurde eine moderne Feuerlöschanlage eingebaut. Der Schutz der eigenen Besatzung hatte zu UdSSR-Zeiten keine besondere Priorität. Neben einem leichten 7,62-mm-Maschinengewehr, das parallel zur Hauptwaffe eingebaut ist, verfügt der Panzer auf dem Turmdach über eine ferngesteuerte Waffenstation mit einem schweren 12,7-mm-Maschinengewehr. Gleichzeitig wurden die Elektronik und Zielerfassungssysteme ausgetauscht. Die größte Neuigkeit ist die Fähigkeit, Zieldaten mit anderen Fahrzeugen in Echtzeit auszutauschen. Ein stärkerer Motor beschleunigt den Panzer auf 70 km/h.

Die Bundeswehr will bis 2025 ganze 17 Leopard 2 mit dem aktiven Abwehrsystem Trophy aus Israel ausstatten. Stand jetzt verfügt kaum ein Bundeswehrpanzer über so ein System. Wegen der restriktive Politik Israels dürften mit Trophy ausgerüstete Panzer übrigens nicht in die Ukraine geliefert werden. Auch wenn Waffen wie die Panzerfaust 3 oder der AT4-Werfer von modernen Lenkwaffen deklassiert werden, können sie auf kurze Entfernung einen Kampfpanzer ausschalten.  Eben durch den gezielten Beschuss von Schwachstellen. Auch Treffer auf Kette und Laufwerk führen meist dazu, dass der Panzer bewegungsunfähig und so zum leichten Ziel wird.

Quelle: Mil.in

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