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Aldi Nord: Genreis im Angebot

Nach dem Gammelfleisch droht nun ein weiterer Lebensmittelsskandal: In den Verkaufsregalen von Aldi-Supermärkten ist - nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace - nicht zugelassener Genreis aufgetaucht.

Nach dem Gammelfleisch-Skandal ist in Deutschland nun auch eine Debatte um illegalen genmanipulierten Reis in Lebensmitteln entbrannt. Untersuchungen der Industrie haben ergeben, dass Reislieferungen aus den USA mit genmanipuliertem Reis verseucht gewesen seien, teilte die Europäische Kommission in Brüssel mit. Mehr als jede fünfte Probe Langkornreis in Europa enthält den verbotenen Genreis LL601. Dieses Ergebnis von Testreihen der Industrie hat die EU-Kommission nach einem Treffen von Lebensmittelexperten aller 25 Mitgliedstaaten in Brüssel veröffentlicht. Die Firmen des europäischen Verbands der Reismühlen hatten 162 Proben auf den gentechnisch veränderten Reis aus den USA untersucht. In 33 Fällen sollen sie fündig geworden sein. Daraufhin wurden die verunreinigten Lieferungen gestoppt und die Ladungen vom Markt genommen. so gelangten sie nur teilweise in den Verkauf. Sie solle nun entweder zerstört oder in die USA zurückgeschickt werden.

Amtliche Bestätigung steht noch aus

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist der Reis jedoch in die Verkaufsregale der Supermarktkette Aldi Nord gelangt. Das Unternehmen hielt dem entgegen, dass bislang keine derartigen Funde nachgewiesen worden seien. Auch das Bundesverbraucherschutzministerium hat nach eigener Auskunft bisher keine amtliche Bestätigung für Genreis bei Aldi. Bislang ist in der EU keine Genreis-Sorte zum Import oder Verkauf zugelassen. Die europäischen Verbraucher stehen gentechnisch veränderten Lebensmitteln besonders skeptisch gegenüber.

In der Greenpeace-Mitteilung hieß es, die bei Aldi Nord erhältliche Langkornreismarke "Bon-Ri" sei mit Genreis verunreinigt. Der Reis stamme aus den USA, Hersteller sei die Reiskontor Handels GmBH, eine Tochter der Euryza GmbH. Eine Aldi-Sprecherin sagte demgegenüber: "Laut unseren Untersuchungen gibt es bei Aldi Nord bislang keine Befunde auf Genreis." Aldi untersuche die Situation weiter und werde nötigenfalls beanstandete Produkte aus den Regalen nehmen. Von den 35 Regionalgesellschaften von Aldi Nord seien überhaupt nur acht von dem von Greenpeace genannten Lieferanten beliefert worden. Von Euryza war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums sagte, die Behörden der Länder seien Ende August zu verschärften Kontrollen auf der Suche nach Genreis aufgefordert worden. Bislang seien aber keine Funde an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet worden. "Wenn die Länderbehörden etwas gefunden hätten, dann hätten sie das weitergeben müssen und wir wüssten es", sagte die Sprecherin.

Laut Greenpeace soll es sich bei dem Genreis nach Laboranalysen wahrscheinlich um die Sorte "LL Rice 601" von Bayer handeln. Eine Sprecherin der Bayer-Pflanzenschutztochter CropScience äußerte sich dazu zurückhaltend. Um die Angaben der Umweltorganisation bewerten zu können, seien mehr Informationen nötig. "Wir wissen nicht, ob Greenpeace die Funde mit von der EU zertifizierten Testmethoden in dafür designierten Labors entdeckt hat", ergänzte sie. Behörden in den USA, Großbritannien und Kanada hätten bestätigt, dass die genannte Reissorte bei einem Verzehr sicher sei.

Bayer-Genreis gelangte in die USA

Mit dem Genreis wurden in den USA von der Vorgängerfirma Aventis CropScience Feldversuche unternommen, die aber nach Bayer-Angaben im Jahr 2001 beendet wurden. Bayer CropScience selbst vermarktet in den USA keine Reissorten.

Die Genreis-Sorte "LL Rice 601" war unlängst in den USA in Reiscontainern entdeckt worden, die für den Lebensmittelmarkt bestimmt waren. Der Genreis enthält ein Protein, das ihn gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel resistent machen soll. Es war der erste derartige Fund bei Reis in den Vereinigten Staaten. Die EU-Kommission hatte daraufhin beschlossen, US-Langkornreis nur noch zum Import zuzulassen, wenn er nachweislich keine Anteile der Sorte der Bayer-Tochter CropScience enthält. Mehrere US-Reisbauern reichten inzwischen Klage gegen Bayer ein. Sie wollen eine Entschädigung wegen gefallener Reispreise erstreiten.

In diesem Jahr werden US-Reisbauern voraussichtlich Reis im Wert von rund 1,9 Milliarden Dollar ernten. Europa hat im vergangenen Jahr 300.000 Tonnen Reis aus den USA importiert. 85 Prozent davon waren Langkornreis. Die EU-Kommission hatte sich bereits bei der US-Regierung über deren Informationspolitik beschwert und bemängelt, dass es mehrere Wochen gedauert habe, bis sie über den Fund von Genreis-Spuren benachrichtigt worden sei.

Reuters/DPA / DPA / Reuters

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