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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Meine Frau macht sich ein nettes Leben - und ich bin nur der Zahlemann"

Niklas arbeitet schwer, um seiner Familie etwas zu bieten. Seine Frau genießt das Leben - und ignoriert ihren Mann. Die Kinder lungern vorm TV rum, einen gemeinsamen Familienalltag gibt es kaum. Wie können sich Niklas und seine Frau aus dieser Schieflage befreien?

Er ackert, sie lebt im Luxus: Julia Peirano hilft bei Beziehungsproblemen

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Liebe Frau Peirano,

ich, 47, bin erfolgreicher Unternehmer, verheiratet. Wir haben eine gemeinsame Tochter (8) und leben mit dem 14-jährigen Sohn meiner Frau aus erster Ehe zusammen. Seit ungefähr vier bis fünf Jahren läuft das Familienleben nicht so, wie ich es mir vorstelle. Meine Frau macht mit den Kindern ihr Ding, ohne Rücksicht auf mich. Wir haben uns geeinigt, dass sie nicht arbeiten muss, weil es finanziell nicht nötig ist. Sie hat ihren Traum von eigenen Pferden verwirklicht und verbringt mit unserer Tochter viel Zeit im Stall, "natürlich" dreht sich auch die Wochenendplanung darum. Ich interessiere mich nicht für Pferde. Ohne mich zu fragen hat meine Frau sich zwei Berner Sennenhunde angeschafft – obwohl sie weiß, dass ich Hunde nicht ausstehen kann.

Wenn ich früher nach Hause komme und mit meiner Familie zusammen Abendbrot essen möchte, finde ich meine Frau und Tochter gemütlich mit belegten Broten vor dem Fernseher vor, wo die beiden ihre tägliche Vorabendserie schauen. Wenn ich meiner Frau sage, dass mich die Serie nicht interessiert und ich gerne als Familie am Tisch sitzen und mich normal unterhalten möchte, wirft meine Frau mir gereizt vor, dass sie den ganzen Tag auf den Beinen waren und ja wohl mal vor dem Fernseher entspannen dürfen. Meine Frau war schon immer sehr auf sich bezogen und hat ihre eigenen Interessen verfolgt. Sie nimmt sich abends selten Zeit, um mit mir zu reden oder etwas gemeinsam zu machen, sondern ist ständig am Computer oder am Handy (Facebook etc.).

Den Haushalt erledigt sie so, wie es ihr passt: viele Fertiggerichte oder etwas zum Aufwärmen von unserem Nobelitaliener, zweimal die Woche kommt die Putzfrau. Vielleicht klingt das in heutiger Zeit konservativ, aber ich benötige pro Woche mindestens 7 frische Oberhemden. Meine Frau kümmert sich nicht darum, obwohl sie den ganzen Tag Zeit hat und die Sachen nicht einmal selbst waschen muss, sondern sie in die Reinigung bringen könnte. Ich komme mir ehrlich gesagt verarscht vor, wenn ich abends um 21 Uhr meine Hemden selbst waschen und bügeln muss. Als ich meiner Frau mal etwas gesagt habe, gab es endlose Diskussionen und Tränen. Das ist ein weiteres Problem mit meiner Frau: Sie erträgt keine Kritik, sondern fängt erst einmal a zu weinen. Ich habe mir angewöhnt, nichts zu sagen und mich selbst um alles zu kümmern.


Der Sohn meiner Frau ist zur Zeit schwierig und extrem verwöhnt. Natürlich bezahle ich auch klaglos für ihn alles: Urlaube, Segeln, Markenkleidung etc., weil sein Vater sich nicht kümmert. Aber wenn ich ihn mal bitte, mir abends ein Glas Wasser zu bringen, gibt er mir eine freche Antwort. Meine Frau ruft ihn nicht zur Ordnung, und von mir lässt er sich kaum etwas sagen.

Im Urlaub läuft es besser, weil meine Frau sich dann nicht um die Tiere kümmert und wir als Familie Zeit zusammen verbringen. Aber der Alltag frustriert und verärgert mich, und ich frage mich immer öfter, ob meine Frau sich einfach nur ihren Luxusalltag von mir finanzieren lässt.

Viele Grüße Niklas O.

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Lieber Niklas O.,

ich kann gut nachfühlen, dass Sie verärgert sind und sich ausgenutzt fühlen. Es klingt auch so, als wenn Sie mit der jetzigen Aufgabenteilung ein saftiges Minusgeschäft machen: Sie bezahlen alles und ermöglichen Ihrer Familie ein komfortables Leben – aber im Gegenzug werden Sie kaum beachtet oder versorgt und haben kein Mitspracherecht.

Sie schreiben, dass dieses Problem erst vor einigen Jahren entstanden ist. Wie war es vorher zwischen Ihnen und Ihrer Frau – und wodurch hat sich die Situation so verändert? Ich kann Ihnen aus meiner Erfahrung eine Arbeitshypothese anbieten – und Sie können für sich entscheiden, ob das für Sie passt. Sie schreiben, dass Ihre Frau sich jetzt hauptsächlich um sich, die Tiere und die Kinder dreht. Von Ihnen hat sie sich zurückgezogen, Ihre Bedürfnisse beachtet sie wenig und Entscheidungen – auch zum Beispiel über die Anschaffung zweier Hunde – trifft sie alleine. Zum einen denke ich, dass Sie beide sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem Familienleben haben. Ihre Frau möchte vor dem Fernseher essen, Sie möchten am Tisch sitzen und sich unterhalten. Für Ihre Frau sind die Tiere ein Lebensmittelpunkt (und sehr zeitintensiv), Ihnen bedeuten die Tiere wenig. Meine Hypothese ist die, dass die Tiere für Ihre Frau ein Partnerersatz geworden sind und sie sich innerlich von Ihnen abgewendet hat. In vielen Familien geschieht das, wenn der Mann sich intensiv im Beruf engagiert und möglicherweise wichtige Schritte im Familienleben (Kind macht die ersten Schritte, Kindergartenverabschiedung, Begleitung bei täglichen Aktivitäten) nicht miterlebt. Gab es auch bei Ihnen eine solche Phase, in der Sie häufig abwesend waren und den Kopf nicht so frei hatten für die Sorgen Ihrer Frau? Wenn es so wäre, hätte Ihre Frau sich oft allein gelassen gefühlt und sich angewöhnt, ihr eigenes Ding zu machen und Entscheidungen alleine zu treffen. Zu dieser Arbeitshypothese würde es passen, dass Ihre Frau Sie wie einen Gast behandelt, der kein Mitspracherecht hat.


Ich möchte das Verhalten Ihrer Frau nicht entschuldigen (das steht mir nicht zu), sondern es erklären. Genau hier setzt auch mein Lösungsansatz an: Es wäre wichtig, dass Sie Ihrer Frau zu verstehen geben, dass Sie mit dem Ehe- und Familienleben nicht zufrieden sind und Dinge verändern möchten. Aus meiner Sicht befindet sich Ihre Ehe in einer tiefen Krise, weil Sie beide nicht miteinander reden können, wenig Bezug zueinander haben und wenig gemeinsame Vorstellungen über ein gelungenes Familienzusammenleben haben. Deshalb herrscht dringender Handlungsbedarf. Ich empfehle eine Paartherapie, um auch das Gesprächsverhalten zu verbessern. Denn anscheinend werden viele Unterhaltungen abgeblockt, indem Ihre Frau zu weinen beginnt oder aufbrausend wird – das könnte in einer Paartherapie angesprochen und verändert werden.

Themen für eine Paartherapie wären aus meiner Sicht unter anderem: Die Art, wie Sie über Wünsche und Konflikte sprechen und Entscheidungen treffen. Es wäre wichtig, dass Sie einander wieder zuhören und Gefühle und Wünsche äußern können. Dabei geht es auch um die Aufgabenteilung (z.B. was mit den Hemden geschieht), aber auch um konkrete Absprachen über gemeinsam verbrachte Zeiten. Es wäre hier wichtig, eine Regelung über das Familienabendessen, die Wochenendplanung und Urlaube zu treffen, so dass sich nicht mehr alles um die Tiere dreht.

Bestimmt wäre es für Ihre Frau und Sie auch hilfreich, wenn Sie wieder öfter zusammen ausgehen oder sich auch zu Hause Zeitinseln schaffen. Ein weiteres Thema wäre die Erziehung Ihrer Kinder: Welche Haltung haben Sie beide dazu, was Kinder im Haushalt beitragen oder zurückgeben müssen? Welche Rolle wollen oder können Sie gegenüber dem Sohn Ihrer Frau einnehmen? Aus meiner Sicht ist es nicht stimmig, dass Sie zwar alle Kosten tragen und somit Verantwortung übernehmen, aber ihn nicht erziehen dürfen.

Ich hoffe, dass Sie und Ihre Frau die anliegenden Themen für sich klären können und wieder zu mehr Zusammenhalt und Harmonie finden können

Herzliche Grüße, Julia Peirano 

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