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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Mein Mann hat eine Affäre mit einer Bekannten und will sie nicht beenden"

Irene ist am Ende: Ihr Mann hat eine Affäre mit einer Bekannten - und will diese nicht aufgeben, sondern zweigleisig fahren. Irene leidet darunter, körperlich wie seelisch. Wie soll sie mit dieser grausamen Situation umgehen?

Affäre im Bekanntenkreis

Affäre im Bekanntenkreis - wie soll der Partner damit umgehen?

Liebe Frau Dr. Peirano,

ich bin seit drei Wochen in einer furchtbaren Situation. Mein Mann hat mir gestanden, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat. Er hat sie ein paar Mal heimlich getroffen und die beiden haben sich auch geküsst und es ging wohl auch weiter. Er meinte, dass die beiden sich sehr ähnlich sind und er große Gefühle für sie hat und erst einmal schauen möchte, was mit ihr ist. Er will sie weiter treffen. Ich habe geweint und ihn angefleht, das zu lassen. Ich meinte, wir könnten eine Paartherapie machen, mehr ausgehen, was auch immer. Aber er will die Frau weiter treffen. Ich muss dazu sagen, dass ich die Frau auch noch kenne. Es ist eine andere Mutter aus der Klasse unseres Sohnes, die ich sogar bis dahin gerne mochte und einige Male zum Kaffee getroffen habe. Ich habe ihn gefragt, ob er sich von mir trennen will, aber das will er auch nicht.


Ich habe furchtbar geweint und kann nachts nicht mehr schlafen und kriege kaum einen Bissen runter. Mir ist schwindelig und ich bin einmal nach der Sauna schon fast in Ohnmacht gefallen. Ich bin mit den Nerven völlig fertig, kann nur mit Mühe und Not arbeiten und mache Fehler. Ich will unsere Ehe unbedingt retten, aber ich halte es nicht aus, dass er sich mit der anderen Frau trifft und mit ihr womöglich noch Sex hat. Das war immer meine Horrorvorstellung. Ich selbst bin sehr treu. Noch zu meiner Situation: Wir haben zwei Jungs, 6 und 2 Jahre alt. Ich will auf keinen Fall, dass die Kinder ohne Vater aufwachsen müssen.
Was kann ich machen, um meinen Mann zurück zu gewinnen?

Irene B.

Liebe Irene B.,

Sie stecken in einer schrecklichen Situation! Die Hilfeschreie Ihres Körpers und Ihrer Seele sprechen eine deutliche Sprache, nämlich: "Ich kann das hier nicht aushalten!" Es wäre schädlich für Sie, wenn Sie diese Situation so weiterführen! Dazu kommt, dass ein Ende nicht in Aussicht ist. Ihr Mann trifft sich mit der anderen Frau und schaut einmal, was sich daraus ergibt. Freiwillig wird er diese Affäre nicht beenden. Auf der anderen Seite möchte er sich anscheinend auch nicht von Ihnen trennen. Erfahrungsgemäß dauern solche Situationen Monate bis Jahre, bis sie sich einigermaßen geklärt haben. Denn Ihr Mann wird immer verwirrter werden, je länger er zweigleisig fährt. War der Sex mit seiner Geliebten toll, will er sich von Ihnen trennen. Kommt er dann zu Ihnen nach Hause und isst mit Ihnen und den Kindern Abendbrot, will er wieder die Familie nicht verlieren. Da er sich nicht entscheiden kann, wird er versuchen, Sie hinzuhalten und möglichst den jetzigen Status Quo zu erhalten.
Für ihn ist es doch wunderbar, wie es ist: Er kann dann die Familie behalten, hat Aufregung und intensive Gefühle für eine andere Frau nebenbei und ist zu allem auch noch ehrlich.


Ich finde das Ihnen gegenüber sehr unfair! Er sieht, wie Sie leiden, aber macht mit der Situation weiter. Er hat Ihnen davon erzählt, und eigentlich ist er jetzt in der Verantwortung, eine Lösung für Sie beide zu finden. Doch das tut er nicht: Er hat sich entlastet, und jetzt können Sie die Kröte schlucken. Sie haben eindeutig das schlechtere Blatt in der Hand. Sie können scheinbar nur sorgenvoll abwarten, was er macht, und in der Zwischenzeit die Kinder betreuen. Ihr Mann spielt mit Ihnen ein übles Spiel: Er will sich alle Freiheiten offen lassen und in Ruhe entscheiden, ob er Sie verlässt oder seine Affäre beendet. Das ist nicht partnerschaftlich. Wenn er in Ihrer Beziehung Probleme hat, sollte er versuchen, sie mit Ihnen zu lösen, anstatt noch weitere zu erzeugen.

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Schon jetzt können Sie die Situation nicht mehr ertragen, Sie sind schlaflos und magern ab, weinen viel und sind aufgewühlt. Sie bräuchten eine schnelle Entscheidung oder am besten eine Beendigung dieses unerträglichen Zustandes. Wenn das noch einige Monate so weiter geht, kann man Sie gleich in eine Burn-Out-Klinik einweisen. Dazu kommt, dass Ihre Kinder noch sehr klein sind und darunter leiden, wenn Sie sich nicht um sie kümmern können.

Ich will darauf hinaus, dass Sie aus der Hilflosigkeit herauskommen sollten und wieder die Zügel in die Hand nehmen. Bisher dulden Sie die Situation, obwohl sie ganz klar gegen die Spielregeln verstößt, die Sie und Ihr Mann vereinbart haben. Wie wäre es, wenn Sie von sich aus die Situation beenden und es für Ihren Mann unattraktiv machen, Familie und Affäre zu vereinbaren? Sie könnten ihn vor die Tür setzen und die Schlösser austauschen. Wenn Ihnen das zu hart erscheint, stellen Sie sich mal vor, dass er sich zum Beispiel in einem Jahr noch nicht entschieden hat und jede Woche dreimal zu seiner Freundin fährt und danach zu Ihnen zurückkommt. Wenn Sie das verhindern wollen, machen Sie ihm unmissverständlich klar, dass er beides nicht haben kann. Wenn er die andere Frau treffen möchte, muss er ausziehen. Da er das auch nicht möchte (er möchte ja beides!), wird die Situation für ihn deutlich schwieriger, und damit auch die neue Beziehung belastet. Es gibt dann gute Chancen, dass er seine Affäre aufgibt. Auch hier würde ich Ihnen raten, dass Sie ihn nicht sofort wieder einziehen lassen, sondern fordern, dass Sie beide eine Paartherapie machen und herausfinden, warum es zu dieser Affäre kam. Auf der anderen Seite kann es sein, dass er sich nicht entscheiden kann oder gegen Sie entscheidet. Dann wäre es für Sie auch besser, dass Sie jetzt Ihren Gefühlen treu bleiben und die Reißleine ziehen. Denn was wollen Sie von einem Mann, der sich nicht für Sie entscheiden kann?
Sie brauchen jetzt starke Nerven, und ich denke, dass Sie die eher haben, wenn Sie mit Ihren Kindern alleine wohnen. Wenn Ihr Mann nach seinem Belieben ein- und ausgeht und Sie nächtliche Diskussionen haben, können Sie bald Ihre Alltagspflichten nicht mehr erfüllen und werden über kurz oder lang richtig krank.
Holen Sie sich am besten alle soziale (und auch psychologische) Unterstützung, die Sie für sich und die Kinder bekommen können. Erzählen Sie auch Eltern und Schwiegereltern offen, was läuft. Das erhöht den Druck auf Ihren Mann.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft für die kommende Zeit.
Herzliche Grüße Julia Peirano

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