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Deutsche Bahn AG: "Dauer Spezial" ist "Dauer vergriffen"

Offensiv bewirbt die Deutsche Bahn ihren Tarif "Dauer Spezial": Damit sollen Bahnkunden ab "29 Euro" deutschlandweit alle Züge und Strecken nutzen können. Wirklich verfügbar sind allerdings meist nur Tickets zu deutlich höheren Preisen. Doch was die Kunden ärgert, freut die Bahn.

Von Tonio Postel

Das Angebot ist allgegenwärtig. In Bahnhofshallen, am Schalter und am Automaten prangen Aufkleber und Schilder in Weiß, Rot und Grün, mit dem Slogan: "Wir haben die Niedrigpreise fixiert!" Ab 29 Euro soll man in dem Tarif "Dauer Spezial" mit allen Zügen der Deutschen Bahn zwischen Flensburg und Freiburg verreisen dürfen. Einzige Bedingung: Man muss bis zu drei Tagen vor der Abreise buchen. Und ja, das Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht, und nur für die einfache Fahrt in der 2. Klasse.

Tolles Angebot, aber meist vergriffen

Wer allerdings das Angebot nutzen will - sei es im Internet, am Schalter oder an einen der Automaten, kommt ins Grübeln. Denn egal ob man von Hamburg nach Berlin, Frankfurt oder Nürnberg möchte, von 29 Euro-Angeboten kann keine Rede sein. Zwar kann man als Nicht-Bahncard-Besitzer bei dem "Dauer-Spezial-Tarif" immer noch Geld sparen, dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack: Denn die Preise von 49 Euro für eine Fahrt nach Frankfurt, 69 Euro nach Nürnberg oder 78 Euro für die Hin- und Rückfahrt nach Berlin sind im "Dauer Spezial"-Tarif erhältlich, aber eben nicht zum angepeilten Preis von 29 Euro.

Außerdem reicht das Angebot offenbar hinten und vorne nicht, wie Andreas Frank vom Fahrgastverband Pro Bahn bestätigt: "Wir kriegen viele Beschwerden rein, dass das Angebot nie buchbar ist - selbst auf wenig nachgefragten Strecken nicht." Ein weiterer Kritikpunkt an dem Billig-Tarif sei, dass Kinder unter 15 Jahren nicht, wie bei normalen Tickets üblich, umsonst mitfahren dürfen, sondern ein eigenes Ticket lösen müssen. Auch besteht bei den Angeboten eine feste Zugbindung, die Tickets kann man nicht umtauschen und am Schalter zahlt man fünf Euro mehr als im Internet.

Lockangebot für Neukunden

Dabei ist der Vorrat der Billig-Tickets sogar aufgestockt worden. Waren es zum Start des Angebots am 10. Juni noch 750.000 Tickets monatlich, "gibt es seit Anfang September eine Millionen Dauer-Spezial-Tickets pro Monat", sagt Bahn-Sprecher Achim Stauß. Und die Bahn ist mit der Resonanz des bis Jahresende laufenden Tarifs zufrieden. In erster Linie richte sich das Angebot an Neukunden, die das Auto zu Gunsten der Bahn stehen ließen. In Zukunft wolle man sogar noch mehr Kunden der Billigflieger auf die Schiene locken, so Stauß.

"Natürlich wollen wir mit dem Angebot auch Züge auf wenig frequentierten Strecken füllen", gibt Stauß unverhohlen zu. Aber man kriege durchaus auch für lange, beliebtere Strecken Tickets für 29 Euro: "Sonntagmorgens von Hamburg nach München zum Beispiel." So rät Stauß auch zum frühen Buchen - dies sei bis zu drei Monaten vor Reiseantritt möglich.

Mangelnde Transparenz sorgt für Unmut

Dem widerspricht Melanie Schliebener von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Selbst drei Monate im Voraus sind die Tarife oft nicht verfügbar" lauteten Beschwerden der Bahn-Kunden. Generell sieht Schliebener ein Problem wegen der mangelnden Transparenz des Angebots: "Das Angebot kann sich ja immer auf die Strecke Rostock-Greifswald beziehen."

Zwar hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) schon in der Vergangenheit erfolglos gegen die undurchsichtige Kontingentierung der Billigflieger geklagt, doch bei bei der Verfügbarkeit der Tickets sehe das anders aus. Durch Angebote beworbene tickets müssten dann auch in einer entsprechender Stückzahl vorrätig sein, so Schliebener. Doch habe man diesbezüglich nichts gegen die Bahn in der Hand. Um das Tarif-Kontingent tatsächlich transparenter zu machen, gäbe es laut Verbraucherschützerin Schliebener nur einen unkonventionellen Weg: "Im Grunde müsste man durch die Züge gehen und fragen, wer den Tarif nutzt."

Dass selbst Mitarbeiter der Bahn manchmal an dem Angebot verzweifeln, zeigt der Fall eines Kunden, der sich am Schalter über das Dauer Spezial-Angebot beschwerte und die verzweifelte Antwort "wenden Sie sich damit an die Verbraucherzentrale" erhalten habe. Insgesamt, kritisiert Frank, sei das Angebot zu unübersichtlich und kompliziert: "Jemand, der sich vorher nicht informiert hat, ist sehr enttäuscht, wenn er kein 29 Euro-Ticket erhält und fühlt sich bei jedem Preis ab 30 Euro über den Tisch gezogen", sagt Frank.

Wer allerdings ein wenig Zeit und Geduld mitbringe, könne beim Ticketkauf laut Frank tatsächlich "bis zu 50 Prozent" vom Normalpreis einsparen: "Wenn man Umwege fährt oder ein Billet für eine längere, aber weniger befahrene Strecke löst und vorher aussteigt", könne man die 29-Euro-Fahrscheine tatsächlich häufiger ergattern.

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