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EU-Verbot für Glühbirnen: Die Deutschen und der Mythos Glühbirne

Mit dem 1. September endete die Ära der 100-Watt-Glühbirne. Politiker regen die Hamsterkäufe auf, Lichtdesigner bauen neue Birnen und Mediziner warnen vor Krankheiten. Bericht aus einem fassungslosen Land.

Von Axel Hildebrand

Hans-Josef Fell ist bereits auf dem Weg in den Urlaub als er sich noch einmal aufregen muss. Es geht um zwei Zahlen, die die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt hat.

In der ersten Jahreshälfte ging der Absatz von Glühlampen in Deutschland um satte 34 Prozent nach oben, so die GfK. Das Geschäft mit den Energiesparlampen blieb dagegen nahezu stabil, es wuchs gerade mal um zwei Prozent.

Verbot ab dem 1. September

Dass die Deutschen waschkörbeweise Glühbirnen horten, sabotiert Fells jahrelanges Werben für ein Verbot. Fell und seine Öko-Freunde sehen aus, als würden sie dem Volk nehmen, was es liebt.

Seit dem 1. September sind 100-Watt-Glühlampen in der EU verboten. Sie dürfen nicht mehr produziert werden. Doch die Deutschen scheinen die Lampe zu lieben, sie ziehen zu Hamsterkäufen aus.

"Nein, das Verbot geht nicht hinten los", verteidigt sich der Umweltexperte der Grünen und empört sich über das "kurzsichtige Denken". Ihm bleibe nur "Unverständnis".

Die Deutschen wehren sich, soweit es möglich ist, gegen die EU-Regulierung. Die besagt, dass ab September neben den 100-Watt-Lampen alle matten Glühbirnen in der gesamten EU verboten sind. Ein Jahr später folgt die zweite Stufe: Klare 75-Watt-Glühlampen dürfen ab September 2010 nicht mehr verkauft werden, ein Jahr später auch keine 60-Watt-Glühlampen mehr. Im September 2012 folgt dann das faktische Verbot aller herkömmlichen Glühbirnen. Wer nicht spurt, muss im Zweifel 50.000 Euro zahlen. So hoch ist das Bußgeld für Händler, die nach dem 1. September 100-Watt-Glühbirnen ordern.

Fidel Castro hatte die Idee schon vorher

Einzelne Länder haben sich bereits vor der Entscheidung als leuchtende Beispiele hervorgetan. In Neuseeland, Australien, Kalifornien, Kanada und Irland ist das Verbot ebenfalls beschlossen. Norderney erklärte der Bürgermeister zur glühbirnenfreien Zone.

Zur realexistierenden Avantgarde bei der Befreiung von der Leuchte gehörte allerdings Fidel Castro. Weil Kubas Stromnetze regelmäßig zusammenbrachen, ließ das damalige Staatsoberhaupt Tausende Glüh- durch Sparlampen ersetzen. In Venezuela ersetzte eine "Energie-Armee" die gelben Leuchten, und in Panama verteilt die Regierung sechs Millionen Energiesparlampen ans Volk.

Hintergrund des umweltpolitischen Eifers ist, dass ein Großteil des von Glühbirnen verbrauchten Stroms als Wärme verpufft. Manche sagen, Glühlampen seien Heizkörper, die nebenbei leuchten. Tatsächlich werden nur fünf Prozent der Energie in Licht umgesetzt - bei Energiesparlampen sind es bis zu 25 Prozent. Die neuen Modelle verbrauchen rund 80 Prozent weniger Strom - und funktionieren mit 15.000 Stunden bis zu 15 Mal länger. Das Ziel der Kommission: EU-weit könne mit dem Austausch der Lampen der Stromverbrauch von 23 Millionen Haushalten eingespart werden. Der Ausstoß des klimaschädlichem Kohlendioxid soll jährlich um 32 Millionen Tonnen sinken.

Mieser Ruf der Energielampen

Aber die vermeintlichen Umweltretter haben einen miesen Ruf. Kaltes, bläuliches Licht, gepresst in eine sperrige Form, die bei häufigem An- und Ausschalten auch noch schnell kaputt ist. Sicher, die Energielaternen sind besser geworden. Und die Hersteller wie Osram legen sich kräftig ins Zeug, um das Image ins rechte Licht zu rücken. Die Lichtfarbe gleiche inzwischen herkömmlichen Birnen, heißt es hier. Auch die Verzögerung beim Einschalten sei passé. Und die Unförmigkeit: längst Geschichte.

Ingo Maurer arbeitet seit Jahrzehnten mit Licht und er hat eine ganz andere Meinung als die Lobbyisten der Hersteller. Der 77-Jährige Lichtdesigner, vielfach ausgezeichnet und Ehrendoktor des Royal College of Art in London, ruft zum Protest gegen das Verbot, zivilem Ungehorsam und rechtzeitiger Bildung von Vorräten gegen die "so genannte Energiesparlampe" auf. "Durch ihr unausgeglichenes Farbspektrum überzieht sie ihre Umgebung mit einem fahlem Schleier, unter dem sich viele Menschen nicht wohlfühlen", sagt Maurer, der unter anderem das Atrium des Pariser Kaufhauses Lafayette Maison beleuchtet hat.

Energiesparlampen haben tatsächlich vielfach einen hohen Blauanteil im Licht. Das unterdrücke die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, befürchtet Dieter Kunz, Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik der Berliner Charité gegenüber dem Wirtschaftsmagazin "Brand Eins". Im Extremfall gerate die innere Uhr aus dem Takt, was auf die Dauer zu Herzerkrankungen und Depressionen führen könne. Andere fürchten schon einen Boom für Psychiater.

Eine fehlgesteuerte hormonelle Anpassung könnte zu weitreichenden Folgen führen, sagt der Mediziner Alexander Wunsch. "Bei falschem Umgang kann das Auftreten fast aller zivilisatorischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes, Osteoporose und Störungen des Immunsystems begünstigt werden", warnt der Mediziner in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch könnte das Licht das Risiko für Brust - und Prostatakrebs erhöhen.

Qualität ist umstritten

Doch nicht nur die Gesundheitsrisiken, auch die - streng messbare - Qualität ist umstritten.

"Energiesparlampen - das Ende einer Erfolgsgeschichte" titelte die Zeitschrift Ökotest im September vergangenen Jahres. Jede vierte der 16 getesteten Lampen wurde mit "ungenügend" bewertet. Die Öko-Lampen würden viel weniger Energie sparen, als die Hersteller behaupten. Sie würden Elektrosmog verursachen und schnell kaputt gehen. Fazit: "Energiesparlampen sind kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative."

Doch die Stunde der großen Verbote ist auch die Chance für neue Ideen. Lichtdesigner Maurer will nicht abwarten, bis alle Glühlampen aus den Regalen verschwunden sind. "Die Designer sind jetzt gefordert, um die Vielfalt zu erhalten", sagt sein Mitarbeiter Thomas Happel. Das Unternehmen entwickelte deshalb den Prototyp einer Glühbirne in traditioneller Form und mit ähnlicher Qualität. Für den Laien sieht sie aus wie eine normale Glühlampe. Nur steckt statt des Glühdrahtes eine LED im Gewinde. Die Produktion soll demnächst anlaufen.

Eine Baumarktkette erhöhte Glühlampenabsatz um 180 Prozent

Solange solche Alternativen nicht vorhanden sind, profitiert der Handel von den Brüsseler Verboten. Das Öko-Diktat wirkt wie ein kleines Konjunkturprogramm für deutsche Baumärkte, wo Kunden häufig Lampen kaufen. Die Kette Praktiker setzte im ersten Halbjahr rund 180 Prozent mehr 100-Watt-Glühbirnen ab. "Munter und mit großem Elan" würden die Kunden einkaufen, berichtet Sprecher Harald Günter. "Wir haben reichlich geordert und sind gut bestückt." Hintergrund der Horterei sind Planungen zu einem - juristisch umstrittenen - Kaufmanns-Coup. "Wenn sich herausstellt, dass nur Herstellung und Einfuhr verboten sind und nicht der Abverkauf bereits produzierter Glühbirnen, werden wir auch nach dem 1. September noch 100-Watt-Glühlampen verkaufen " sagt Günter. Für wie lange die Lager reichen, will er nicht verraten.

Haben die Baumärkte zufällig ein extrem gutes Exemplar im Regal, könnten Glühlampen noch generationenlang in Deutschland brennen. So leuchtet in einem Feuerwehrgebäude im kalifornischen Livermore bereits seit 1901 eine mundgeblasene 4-Watt-Lampe über den Einsatzfahrzeugen. Sie brennt Tag und Nacht und hat ihren Dienst außer bei Stromausfällen und Umzügen noch nicht aufgegeben. Die Webcam, die seit Jahren Wache hält, gab ihren Dienst dagegen schon nach drei Jahren auf.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.