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Virus-Epidemie: Kubas Ärzte-Armee im Kampf gegen Ebola

Ein sozialistisches Land trumpft auf: Der arme Karibikstaat Kuba leistet mehr Hilfe im Kampf gegen Ebola in Afrika als viele Länder der ersten Welt.

Kubanische Ärzte und Helfer entladen Material aus einem Flugzeug in Freetown. Medizinische Hilfe im Ausland hat eine lange Tradition für das sozialistische Kuba.

Kubanische Ärzte und Helfer entladen Material aus einem Flugzeug in Freetown. Medizinische Hilfe im Ausland hat eine lange Tradition für das sozialistische Kuba.

Ein solches Lob gab es für Kuba schon lange nicht mehr: Im Kampf gegen Ebola stemmt die kleine Karibikinsel einen Großteil der internationalen Hilfe - und die ganze Welt nickt anerkennend zu. Über 250 medizinische Helfer hat das Land bereits nach Westafrika gesendet, Dutzende sollen folgen.

Die Hilfe für arme "Brüderländer" in Not hat Tradition in dem sozialistischen Staat, der ansonsten vor allem mit der Verfolgung von Oppositionellen Schlagzeilen macht. Nur wenige Länder sind wohl in der Lage, so schnell auf den Hilferuf aus Afrika zu reagieren.

"Kuba hat eine Tradition von über 50 Jahren mit seiner Arbeit in Afrika", erklärte der Vertreter des Regionalbüros der Weltgesundheitsorganisation, José Luis Di Fabio, in Havanna. Auch in Lateinamerika sei Kuba seit langem für seine medizinische Entwicklungshilfe bekannt.

Export der Revolution

In vielen Ländern Lateinamerikas eilt den kubanischen Medizinern der Ruf voraus, sogar in die entlegensten Regionen zu kommen – auch dorthin, wo der jeweils eigene Staat kaum Präsenz hat.

Es sind stolze Zahlen, die Staatschef Raúl Castro in Havanna Mitte Oktober präsentiert. Sein Land habe zurzeit mehr als 4000 Helfer in 32 afrikanischen Ländern, sagte er. Seit der Revolution von 1959 seien insgesamt 76.000 Helfer in diese Region geschickt worden.

Im Mittelpunkt der kubanischen Hilfe standen immer Afrika und Lateinamerika. In den 1960er Jahren versuchte Kuba seine Revolution noch durch militärische Unterstützung für befreundete Guerillagruppen zu exportieren, heute konzentriert es sich auf medizinische Missionen. So war das Land Anfang 2010 eines der ersten, die Haiti nach dem verheerenden Erdbeben zur Hilfe eilten.

Die Kubaner können dabei aus dem Vollen schöpfen: Nach eigenen Angaben verfügten die rund elf Millionen Einwohner des Landes dieses Jahr über mehr als 580.000 Mediziner - weitere 50.000 sollen im Ausland tätig sein.

Ärzte flüchteten in die USA

Die Entwicklung ist vor allem mit einem Namen verbunden: dem von Revolutionsführer Fidel Castro. Ausgangspunkt war ein Streit mit den USA. Nach 1959 flüchtete rund die Hälfte der damaligen 6000 kubanischen Mediziner ins Nachbarland, Castro beschuldigte Washington der gezielten Abwerbung. Und erklärte im Anschluss trotzig den Ausbau des Gesundheitssystems zur Chefsache.

Das Ergebnis sei nun ein "Heer weißer Kittel, das einen Ehrenplatz in der Geschichte des Kampfes gegen Ebola einnehmen wird", sagte der inzwischen 88-jährige Fidel Castro im Oktober, als die ersten 165 kubanischen Helfer nach Sierra Leone aufbrachen.

35.000 kubanische Mediziner in Venezuela

Vor Ort profitieren sie von einer langjährigen Erfahrung. Und zu Hause verfügt der Karibikstaat über ein straff organisiertes Gesundheitswesen, das trotz Wirtschaftsmisere als eins der besten in der Region gilt.

Den Erfolg seiner Hilfsmissionen nutzt die Regierung in letzter Zeit auch dazu, um Geld in die klammen Staatskassen zu spülen. Die Entsendung medizinischer Helfer soll auch zum Export-Schlager werden. Rund 35.000 kubanische Mediziner leisten geraden Dienst in Venezuela, der sozialistische Bruderstaat verkauft Kuba im Gegenzug Erdöl zu Billigpreisen. Im Rahmen der Sozialprogramme von Präsidentin Dilma Rousseff lässt sich auch Brasilien seit 2013 die Arbeit von über 11.000 kubanischen Ärzten in ländlichen Regionen viel Geld kosten.

Isaac Risco, DPA / DPA

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