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TV-Kritik

Saarland-Wahl: Bei welcher Leitfrage Anne Wills Wahltalk ehrlicher gewesen wäre

Bei Anne Will waren die vier großen Bundestagsparteien eingeladen. Und es kam wie es kommen musste: Der Wahlkampf wurde eröffnet. Statt nach Martin Schulz zu fragen hätte ein anderer Titel für die Sendung wohl besser gepasst.

Von Andrea Zschocher

Anne Will

Im ARD-Talk bei Anne Will wurde das Wahlergebnis im Saarland diskutiert

"Ist der Schulz-Effekt schon verpufft?" wollte , im Hinblick auf die Landtagswahl im Saarland wissen. In die Sendung eingeladen waren Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Sahra Wagenknecht (Die Linke), Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Volker Kauder (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Markus Feldenkirchen, Hauptstadtkorrespondent "Der Spiegel".

Wahl im Saarland - Bundestag wir kommen

Diskutiert werden sollte das sehr eindeutige Wahlergebnis, bei dem Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) über 40 Prozent der Wähler_innen für sich gewinnen konnte. Während dies selbstverständlich vor allem seiner Partei zuschrieb und darin schon ein Wahlergebnis für die Bundestagswahl sah, widersprachen alle anderen Anwesenden. Natürlich, so ist das eben im Wahljahr. Und dennoch war es müßig dabei zuzusehen, wie die Politikerinnen und Politikern ihre Wahlprogramme herunterrasselten und auf Stimmenfang gingen.

Dabei hatte Malu Dreyer selbstverständlich Recht, als sie darauf verwies: "Das war kein Duell Merkel- Schulz, es ging um die Landtagswahl im ." Immerhin erinnerte sie sich noch an den Titel der Sendung, andere Anwesenden schienen den sofort vergessen zu haben. Ähnlich sah das auch der Journalist Feldenkirchen, der darauf hinwies, dass weder Merkel noch Schulz im Saarland zur Wahl standen. Man sollte, so meinte er, die Wähler_innen nicht unterschätzen, die würden durchaus verstehen, dass sie Entscheidungen für ihr Bundesland trafen und nicht für Deutschland. Und gewonnen hatte die Frau mit dem größten Charisma, die bereits die letzten Jahre regiert hatte.

Schreckgespenst rot-rot

Ob sich denn so gar nichts aus dieser Landtagswahl ableiten ließe, wollte Anne Will wissen, immerhin stand ihre Sendung ja unter diesem Deckmantel. Ja, doch, das "Schreckgespenst rot-rot", das würde noch funktionieren stellte der Journalist fest. Nichts, was Sahra Wagenknecht gern hören wollte. Die hatte auch gleich eine Erklärung parat, wieso rot-rot im Saarland eben nicht erfolgreich war. Das lag nicht an der Linken sondern an der . Deren Prognose sei höher gewesen, als letztlich für sie abgestimmt wurde, die Linke hätte die Erwartungen also erfüllt.

Außerdem problematisch, laut Wagenknecht, dass die SPD sich im nicht auf einen Koalitionspartner festlegen will. Dreyer schloss lediglich die AfD aus und wies darauf hin, dass sich die SPD auch für die Bundestagswahl nicht im Vorfeld festlegen will. Das Ziel müsse stattdessen sein, dass Martin Schulz die SPD zur stärksten Partei machen muss.

Angepiekst davon, dass die Linke plötzlich aus Koalitionsverhandlungen herausdiskutiert wurde, beschwerte sich Wagenknecht bei Anne Will. "Ich finde das eine ganz schräge Debatte" erklärte sie sichtlich angefasst. Den Rest der Diskussion versuchte Wagenknecht die anderen Parteien anzugreifen, zu zeigen, dass beide Kanzlerkandidaten kein Programm hätten. Sie biss auf Granit, denn sowohl Kauder als auch Dreyer waren bestens vorbereitet.

Jeder kämpft für sich allein

Diese Art der Politiksendung, in der es wenig um wirklich Inhalte, aber viel um eventuelle Wahlversprechen geht, ist immer etwas undankbar. Weil es den Politikerinnen und Politikern ja auch immer darum geht, die eigene Partei möglichst gut und die politische Opposition möglichst schlecht aussehen zu lassen. So wurde Katrin Göring-Eckardt auch nicht müde aufzuzeigen, dass nur die Grünen sich für Immigration und Weltoffenheit einsetzen würden. Für sie ginge es nicht darum "mit wem, sondern für was" man Wahlkampf machen würde. Und für sie steht fest, dass die Grünen nur Wahlkampf für die Grünen machen und hoffen damit möglichst viele Wähler_innen zu überzeugen.


Volker Kauder verwies darauf, dass es auch dank seiner CDU/CSU den Deutschen so gut ginge wie noch nie. Sofort widersprachen Wagenknecht und Göring-Eckardt vollkommen zu Recht, dass Alleinerziehende und auch jedes fünfte Kind statistisch in Armut leben würde. Kauder, aufmerkend, dass er hier wohl kein Land gewinnen konnte, verlagerte daraufhin die Diskussion. Dass Parteien besser für sich kämpfen und nicht bereits über Koalitionen sprechen sollen, bestätigte auch Journalist Feldenkirchen. Laut seiner Analyse sei es nicht "attraktiv mit Frau Merkel zu koalieren". Ob es am Ende aber nicht genau wieder so kommen wird, das wird sich im September zeigen. Wo Feldenkirchen aber schon in einer Runde mit Menschen saß, die Werbung für die eigene Sache machten, da musste auch der Journalist noch seine Texte erwähnen.

Hätte die Sendung den Namen "Machen Sie Werbung für Ihre Partei" getragen, sie wäre ehrlicher gewesen.


Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo