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Staatsbesuch: Royale Charme-Botschafter: Darum reisten William und Kate nach Schweden

Offiziell sind Königshäuser unpolitisch, aber wenn die Staatenlenker in den europäischen Monarchien Akzeptanz-Probleme mit ihrer Politik bekommen, schicken sie gerne mal Royals auf Reisen. So waren William und Kate im Auftrag von Theresa May in Schweden und Norwegen.

Das Herzogspaar von Cambridge und das norwegische Kronprinzenpaar auf dem Festbankett in Oslo

Königliche Verwandte mit bürgerlichen Bräuten, die sich gut verstehen: Prinz William und Kronprinz Haakon. Die britischen Royals wurden in Oslo vom Kronprinzenpaar sowie von dessen Tochter Ingrid Alexandra (hier nicht im Bild) zu den Programmpunkten des Norwegen-Besuchs begleitet.

Und weiter geht’s mit der Pre-Brexit Charme-Offensive von William und Kate. Was die Politiker in Brüssel zur Zeit bei den Austrittsverhandlungen immer wieder an Porzellan zerschlagen, sollen die jungen Royals seit Monaten auf ihren Reisen in ganz Europa ein wenig wieder gut machen und die Menschen für das nach Unabhängigkeit vom europäischen Kontinent strebende Vereinigte Königreich einnehmen. 

Denn gute Handelsbeziehungen zu den anderen (nord-) europäischen Staaten sollen trotz EU-Austritt möglichst beibehalten werden. Zu diesem Zweck schickte das britische Außenministerium schon letzten Sommer die 1A-Besetzung in Sachen Glamour und Beliebtheit nach Polen und Deutschland: das ebenso schmucke wie sympathische Paar von Cambridge, damals sogar mit ihrem süßen Nachwuchs George und Charlotte. Die Kinder mussten diesmal zuhause bleiben, trotzdem wurden die britischen Royals in Schweden und Norwegen in beiden Gastgeber-Ländern begeistert empfangen. 

Auf dem Programm stand in Stockholm unter anderem ein nordisches Eishockey-Match im Vasa Park, bei dem nicht nur der Prinz sondern auch seine Frau  - trotz Sechsmonats-Babybauch – ein paar Bälle schlug (Merke: "Bandy Hockey" wird mit dem Ball und nicht mit dem Puck nach fußballspielähnlichen Regeln gespielt!), der Besuch des Nobelpreis-Museums und des Ark Des Centers für Architektur und Design.

Kate hat Ikea-Möbel daheim

Dass die Cambridges auch eine sparsame Ader haben, verrieten sie übrigens, als im Designmuseum die Sprache auf das schwedische Einrichtungshaus Ikea kam: "Ein paar von diesen Möbeln haben wir auch bei uns in den Kinderzimmern!" strahlte Kate, und die weltweiten Twitter-Accounts des Möbelhauses liefen heiß, als sie die PR-trächtige Kunde verbreiteten.

Kronprinzessin Victoria von Schweden und Prinzgemahl Daniel nahmen sich der fast gleichaltrigen Gäste an und spielten sichtbar gerne Touristenführer. Die Stimmung bei den beiden königlichen Paaren schien fröhlich, ein Treffen mit den Kindern der schwedischen Royals, Estelle und Oscar, wirkte besonders familiär. Natürlich darf man nicht vergessen, dass Prinz William und Kronprinzessin Victoria tatsächlich miteinander verwandt sind, wenn auch nur weitläufig: eine Ur-Enkelin von Queen Victoria hatte einst einen schwedischen Thronfolger geheiratet, beide sind Ur-Ahnen von Victoria Bernadotte.

In der schwedischen Hauptstadt traf das Herzogspaar beim Lunch und Dinner natürlich auch auf König Carl Gustaf und Köngin Silvia, und es gab sogar ein Meeting mit dem schwedischen Verteidigungsminister, ein deutlicher Hinweis auf die politischen Aspekte der königlichen Skandinavien-Visite. Nur die geplante Inaugenscheinnahme einiger Militär-Jets und Hubschrauber auf dem Militärstützpunkt Uppsala (besonders interessant für William, den ausgebildeten Hubschrauberpiloten) kam es nicht mehr, weil das nordische Wetter mit heftigen Schneefällen einen Strich durch die Rechnung machte.

Die Royals kamen zu früh

Dafür kamen die royalen Charme-Botschafter etwas eher auf dem Flughafen in Oslo an, in einer gecharterten Privatmaschine, was bei Umweltschützern sofort zu heftiger Kritik führte, da insbesondere William sich sonst sehr für Nachhaltigkeit und Schutz der Umwelt einsetzt. Allerdings muss man zugestehen, dass ein offizieller Besuch mit größerer Entourage, der massive Sicherheitsvorkehrungen einschließt, mit Linienflügen kaum planbar gewesen wäre, selbst auf kurzen innereuropäischen Strecken.

In der norwegischen Hauptstadt ging es fröhlich-familiär weiter: auf dem roten Teppich wartete trotz Schneeverwehungen das Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit von Norwegen zum Empfang, gemeinsam ging es direkt zum Mittagessen mit König Harald und Königin Sonja ins königliche Schloss in der Innenstadt.

Für den Nachmittag hatten die Norweger sich etwas Besonderes einfallen lassen: die erst 14-jährige Prinzessin Ingrid Alexandra, Tochter und Thronerbin nach ihrem Vater Kronprinz Haakon, übernahm die Führung bei einem Spaziergang durch den Palastgarten und insbesondere durch den von ihr betreuten Skulpturenpark. Das Gelände war nicht abgesperrt, Kontakt mit den Osloern erwünscht und da die Norweger als kleines Volk mit nur rund fünf Millionen Einwohnern alle durchweg des Englischen mächtig sind, entstanden beim “Royal Walkabout“ nette Kontakte zwischen den Besuchern und den Einheimischen.

Norwegerpullis für die Familie 

William scherzte mit einem Osloer am Wegesrand über die Architektur-Leidenschaft seines Vaters Prinz Charles und ließ sich später sogar von einem besonders begeisterten Fan ausnahmsweise überzeugen, bei einem Selfie mitzumachen - sonst ein absolutes No-Go bei den Windsors. Kate plauderte erstaunlich offen über die Schwächen in ihrem Schulabschluss und ihr Studium an der Universität von St. Andrews in Schottland, wo sie einst William kennengelernt hatte.

Als Geschenke gab es wechselseitig gerahmte und signierte Porträts des norwegischen Königspaares beziehungsweise des Herzogspaares, Norwegerpullis für die Familie Cambridge (für alle fünf, das Baby, das im April kommt, mit eingerechnet!) und diverse landestypische Literatur.

Höhepunkt des Aufenthalts in Oslo war das Festbankett im Königlichen Schloß zu Oslo, bei dem König Harald die in ein zartrosafarbenes Schwangerschaftsabendkleid gehüllte Herzogin von Cambridge zu Tisch führte und eine außergewöhnlich persönliche und herzliche Rede hielt. Darin betonte er die vielfältigen historischen und familiären Verbindungen zwischen beiden Ländern – auch hier gibt es einen gemeinsamen Vorfahren in Edward VII. von Großbritannien, da seine Tochter Maud den norwegischenn König Haakon VII. geheiratet hatte. Deren Enkel wies auch auf die wichtigen Handelsbeziehungen zwischen sein Land  und Großbritannien hin, in dem er mit feiner Ironie formulierte: „70 % Eurer Erdgasimporte kommen aus unserem Land, daher habt ihr allen Grund, jedes Mal  beim Einschalten Eures elektrischen Teekessels an uns zu denken!“.

Norwegens Wirtschaft wird vom Brexit aber vergleichsweise weniger berührt werden, als Schweden oder Deutschland, da das Land selbst kein EU-Mitglied ist, sondern nur Teilnehmer am Schengen-Abkommen. 

Vier Tage ohne Kinder

Am letzten Tag des Skandinavienbesuchs verbrachten die britischen Royals Zeit in der Hartvig Nissen Schule in Oslo, dem Original-Schauplatz der international erfolgreichen norwegischen TV-Serie "Skam", in der es unter anderem auch um das Thema psychische Probleme bei Jugendlichen geht, eines der wichtigsten Anliegen von William und Kate bei ihrem Mental-Health-Projekt "Heads Together".

Nach einem Lunch im kleinen Rahmen in der Privatresidenz des Kronprinzenpaares Skaugum schauten sie sich trotz der eisigen Außentemperaturen auf dem wegen seiner Skischanze berühmte Holmenkollen-Berg bei Oslo nicht nur im Warmen das Skisport-Museum an, sondern sahen auch Junioren der norwegischen Nationalmannschaft beim Skispringen zu. 

Bei aller Herzlichkeit der Gastgeber waren die Cambridges sicher froh, als sie abends nach bravourös absolvierter Charme-Offensive in Skandinavien wieder in ihrer Privatmaschine mit Ziel London saßen, weil sie ihre Kinder vier Tage nicht gesehen hatten. Bei allem königlichen Pomp sehen sich die beiden – anders als früher die Queen und Prinz Philip und teilweise auch als Prinz Charles - doch sehr viel stärker als Eltern, die sich selbstverständlich gerne persönlich um ihre Kinder kümmern und sie nie zu lange allein lassen möchten. Und praktischerweise hatten sie mit den hübschen Norwegerpullis und einigen Kinderbüchern von den Verwandten aus Oslo ja auch tolle Mitbringsel im Gepäck. Nun ist erstmal vor allem Familienleben angesagt, da mit der im April anstehenden Geburt des dritten Kindes vor dem Sommer auch keine Auslandsreisen mehr zu absolvieren sind!

Herzogin Kate mit Fans