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Eurofighter: Der Jäger darf endlich in die Lüfte

Mehrfach stand das Kampfflugzeug vor dem Aus: Nach mehr als zwanzigjähriger Entwicklungszeit kann der umstrittene Eurofighter nun endlich in den Dienst gehen. Insgesamt wollen die vier beteiligten europäischen Luftstreitkräfte 620 Jets beschaffen, davon die Bundeswehr 180.

Geigen erklangen, als ein Eurofighter für die symbolische Übergabe an die Streitkräfte in die Flugzeughalle gerollt wurde. Mit grimmigen Gesicht verfolgte Bundesminister Peter Struck die Zeremonie in Manching bei Ingolstadt. "Mit 18 Milliarden Euro ist der Eurofighter mit Abstand das größte Rüstungsprojekt der Bundeswehr", sagte er anschließend bei einer Pressekonferenz. Aber der SPD-Politiker fügte gleich hinzu: "Das Geld ist sehr gut angelegt."

"Zukunft der Luftwaffe"

Auch der Inspekteur der Bundesluftwaffe, General Gerhard Back, zeigte sich begeistert von dem neuen Jagdflugzeug. Back, der die Maschine selbst schon geflogen hat, sagte: "Dieses Flugzeug wird die Zukunft der Luftwaffe sein. Unsere Forderungen werden in jeder Hinsicht erfüllt."

Die Eurofighter-Partnerländer Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien wollen insgesamt 620 Maschinen kaufen. Mit der Typenzulassung, die Struck und die Regierungsmitglieder aus den drei anderen Staaten in Manching unterzeichneten, kann die Auslieferung an die Truppe offiziell beginnen.

Aus "Jäger 90" wurde "Eurofighter"

Schon in den 80-er Jahren hatten die Bundesrepublik, Großbritannien und Italien den Jäger 90 als Nachfolger des europäischen Kampfflugzeugs Tornado geplant. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde das Projekt jedoch von Grund auf überarbeitet und, mit Spanien als viertem Partner, 1998 als Eurofighter erneut aus der Taufe gehoben.

Die 180 Maschinen für die Bundeswehr hatten insgesamt eigentlich nur knapp zwölf Milliarden Euro kosten sollen. Mit besseren Waffen stieg der Gesamtpreis jedoch um rund sechs Milliarden Euro - 100 Millionen kostet ein Exemplar nun. Abgeordnete von Grünen und SPD hatten bis zuletzt vergebens gedrängt, die Stückzahlen zu reduzieren.

Die 180 Eurofighter sollen bis zum Jahr 2015 schrittweise 250 veraltete Kampfflugzeuge der Bundesluftwaffe ersetzen. Als erste Einheit wird das Jagdgeschwader "Steinhoff" in Laage bei Rostock mit dem Eurofighter ausgerüstet, das bisher sowjetische MiG-29-Jäger aus DDR-Beständen fliegt. Alle 23 MiGs werden an den NATO-Partner Polen verschenkt. Bis zum Jahr 2015 will die Bundeswehr dann schrittweise die 30 Jahre alten amerikanischen Phantom-Jets und die ältesten Tornado-Kampfflugzeuge ersetzen.

Computer ersetzt den zweiten Mann

Der Eurofighter Typhoon ist ein Jäger und Jagdbomber mit zweifacher Schallgeschwindigkeit. Er kann bis zu 20 Ziele in der Luft gleichzeitig verfolgen und Gegner schon aus 130 Kilometer Distanz mit Lenkwaffen bekämpfen. General Back lobte seine extreme Wendigkeit. Im Unterschied zum Phantom oder zum Tornado wird der Eurofighter von einem Offizier allein geflogen. Im Cockpit sind nicht mehr so viele Instrumente: Notwendige Informationen werden während des Fluges auf die Scheibe projiziert oder vom Bordcomputer vorgelesen, wie ein Kampfpilot erklärte. Die Maschine wird zwar mit Steuerknüppel und Pedalen geflogen, aber extrem gefährliche Manöver soll der Computer korrigieren. Der Jet kann nach Angaben von EADS auf 700 Meter kurzen Pisten starten und landen und ist bei jedem Wetter einsatzbereit.

Der Eurofighter werde "das Rückgrat der Luftwaffe" in den kommenden Jahrzehnten werden, sagte Struck. Der Eurofighter erhöhe die Fähigkeit zum gemeinsamen Einsatz der Luftwaffen und stärke die Fähigkeit der NATO zur Luftraumüberwachung und zur Krisenintervention.

"18.000 Arbeitsplätze in der deutschen Luftfahrtindustrie"

Das Jagdflugzeug sei auch ein Beispiel für effektive Rüstungskooperation in Europa und sichere 18.000 Arbeitsplätze allein in der deutschen Luftfahrtindustrie, sagte Struck. Die Rumpf-Mittelteile sämtlicher Eurofighter werden bei EADS in Augsburg und Manching produziert. Die übrigen Teile kommen von BAE aus England, Alenia in Italien und EADS in Spanien. In Manching findet die Endmontage aller deutschen Eurofighter statt.

Der SPD-Politiker betonte zugleich die Exportchancen. Der Eurofighter könne "mit der amerikanischen Konkurrenz gut mithalten". Erster Erfolg: Griechenland und Österreich haben den Kauf von 78 Maschinen angekündigt.

Eurofighter - Rückgrat der europäischen Luftwaffen

Der Eurofighter Typhoon soll das Rückgrat der europäischen Luftwaffen für die kommenden 30 Jahre werden. Der Überschalljäger wurde gemeinsam von Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien entwickelt. Die Partnerländer hatten 1998 die arbeitsteilige Produktion von 620 Flugzeugen vereinbart.

Die Bundeswehr will 180 Eurofighter zum Stückpreis von 100 Millionen Euro kaufen. Sie sollen die 30 Jahre alten amerikanischen Phantom-Jäger, die von der DDR übernommenen sowjetischen MiG-29 sowie die ältesten Tornados ersetzen.

Jäger mit zweifacher Schallgeschwindigkeit

Der Eurofighter ist ein zweistrahliger Jäger und Jagdbomber mit zweifacher Schallgeschwindigkeit. Er kann bis zu 20 Ziele in der Luft gleichzeitig verfolgen und Gegner schon aus 130 Kilometern Entfernung bekämpfen. Auf Grund seiner extremen Wendigkeit setzt er auch im Nahkampf neue Maßstäbe.

Bewaffnet ist er unter anderem mit Iris-Kurzstrecken- und Meteor-Mittelstreckenraketen. Der Eurofighter wird von einem Offizier allein geflogen. Im Cockpit sind nicht mehr so viele Instrumente: Notwendige Informationen werden während des Fluges auf die Scheibe projiziert. Der Jet kann auf 700 Meter kurzen Pisten starten und landen und ist bei jedem Wetter einsatzbereit.

Reichweite von mehr als 2500 Kilometer

Der Eurofighter ist ein ein- oder zweisitziger Jet mit einer Reichweite von mehr als 2500 Kilometern. Die 15,9 Meter lange Maschine misst ein Abfluggewicht von maximal 23 Tonnen. Er wird unter anderem ausgerüstet mit Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen, einschließlich lasergesteuerter Geschosse.

Die Jungfernflüge fanden im April 2002 in Manching bei Ingolstadt, in Turin und im englischen Warton statt. Der europäische Luftfahrtkonzern EADS produziert in Augsburg und Manching die Rumpfmitte für alle Eurofighter. Die übrigen Teile werden bei BAE in England, Alenia in Italien und EADS in Spanien hergestellt.

Schrittweise Umrüstung bis 2015

Die Bundesluftwaffe will als erste Einheit das Jagdgeschwader 73 "Steinhoff" in Laage bei Rostock, das bisher die MiG-29 fliegt, mit dem Eurofighter ausrüsten. Bis zum Jahr 2015 sollen dann schrittweise die Geschwader "Mölders" in Neuburg, "Boelcke" in Nörvenich, "Richthofen" in Wittmund und das JaboG 33 in Büchel umgerüstet werden.

Griechenland hat inzwischen die Bestellung von 60 Eurofightern angekündigt. Österreich will 18 Maschinen kaufen.

Roland Losch / DPA