Schweinegrippe Erste Fälle in Hongkong und Dänemark

Die Schweinegrippe ist auch in Dänemark und Hongkong angekommen. Die Gesamtzahl der Erkrankungen stieg nach Angaben des EU-Zentrums für Seuchenbekämpfung weltweit auf knapp 500. In Deutschland wurde das Virus zum ersten Mal von Mensch zu Mensch weitergegeben.

Auch nachdem erstmals innerhalb Deutschlands die Schweinegrippe von Mensch zu Mensch weitergeben wurde, besteht nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden kein Grund zur Panik. Einer Krankenschwester, die sich in Niederbayern bei einem in Mexiko infizierten Patienten angesteckt habe, gehe es wieder gut, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Jörg Hacker, am Freitag in Berlin. Die bisher bundesweit nachgewiesenen fünf Fälle, darunter vier in Bayern und einer in Hamburg, verliefen insgesamt milde.

Trotz der Gefahr einer Pandemie bestehe weiter kein Grund zur Hysterie, obwohl es vermutlich weitere Fälle geben werde: "Wir müssen mit weiteren Ansteckungen auch innerhalb Deutschlands rechnen", sagte Hacker. Weltweit ist die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Erkrankungen nach Angaben des EU-Zentrums für Seuchenbekämpfung (ECDC) bis Freitag auf mehr als 480 gestiegen. Erstmals wurde es auch in Asien festgestellt. In Hongkong wird ein Mann aus Mexiko an der Schweinegrippe behandelt, der über Schanghai eingereist war. Die Zahl der Todesfälle war weltweit auf 13 geklettert, zwölf davon in Mexiko und einer in den USA. Die US-Gesundheitsbehörden warnten unterdessen davor, Kindern mit Grippesymptomen Aspirin zu geben. Dies könne zu schwerwiegenden Schädigungen führen.

Bei fünf Verdachtsfällen keine Infektion

Von zwölf Verdachtsfällen in Deutschland seien inzwischen durch virologische Analysen fünf widerlegt worden, sagte Hacker. Im Fall der Krankenschwester aus Niederbayern, die sich mit dem Virus vom Typ A/H1N1 infizierte, hat das Institut RKI zwei Experten nach Bayern entsandt. Sie sollen die örtlichen Behörden bei der Aufklärung des Übertragungsfalls unterstützen und das Virus untersuchen.

Dass die Krankheit in Mexiko so viel heftiger verlaufe als bei den bisherigen Fällen in Deutschland, sei vermutlich auf die Grippesaison in dem südamerikanischen Land zurückzuführen, sagte Hacker. "In Deutschland ist die Grippeperiode bereits beendet, die Menschen haben eine gewisse Immunität gegen die Influenza-Viren aufgebaut."

Beim fünften Patienten in Deutschland handelt es sich um einen Mexiko-Reisenden. Er lebt in Oberbayern und ist Mitte 20. Wie zwei weitere Patienten aus Bayern ist er bereits wieder gesund. Ein 37-Jähriger wird dagegen weiter im Uniklinikum Regensburg behandelt. Er zeigt keine Grippesymptome mehr, leidet aber an einer chronischen Grunderkrankung. Die 22-jährige Frau, die im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf behandelt wird, liegt weiter auf der Isolierstation. Sie sei aber auf dem Weg der Besserung, hieß es von den Ärzten. Ein Verdacht, dass sich auch ihr Begleiter angesteckt haben könnte, wurde nicht bestätigt.

Bayern stockt Vorräte an Medikamenten auf

Bayern stockt nach Angaben von Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) angesichts der Situation seine Vorräte an Grippemedikamenten auf. Man peile Reserven für 30 Prozent der Bevölkerung an, nachdem bisher für 20 Prozent Grippemittel zur Verfügung gehalten wurden.

Auch in Europa seien die Krankheitsverläufe bisher ausnahmslos "milde", erklärte das ECDC. Mit den deutschen Fällen sind in Europa mindestens 30 Erkrankungen bestätigt. Insgesamt sind Schweinegrippe-Erkrankungen aus den fünf EU-Ländern Spanien (13 Fälle), Großbritannien (8), Deutschland (5 einschließlich der bisher nur national erfassten neuen Erkrankung), Österreich (1), Dänemark (1) Niederlande (1) sowie aus der Schweiz (1) gemeldet worden.

Die massive Erhöhung der Krankenzahlen außerhalb Europas innerhalb von 24 Stunden von 155 auf 454 beruhe vor allem auf neuen Daten aus Mexiko, hieß es weiter. Hier seien 312 bestätigte Fälle gemeldet worden. Bei neun neuen Fällen in Kanada von Donnerstag bis Freitagmorgen stehe die Ausbreitung in einer Schule im Hintergrund, teilte das ECDC weiter mit. Am späten Mittwochabend hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals die zweithöchste Pandemie-Warnstufe 5 ausgerufen. Die WHO hatte die sechsstufige Alarmskala im Jahr 2005 eingeführt.

DPA/AP AP DPA

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