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Warnung der WHO: Ebola in Westafrika außer Kontrolle

Sie ist eine der gefährlichsten Seuchen für Menschen: Ebola ist bereits mehrfach ausgebrochen, doch nun scheint die Epidemie außer Kontrolle zu geraten. Die WHO warnt vor katastrophalen Folgen.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle geraten. Allerdings könne der Ausbruch der Krankheit gestoppt werden, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Freitag bei einem Krisentreffen mit den Regierungschefs der am stärksten betroffenen Staaten laut Redemanuskript. "Dieser Ausbruch entwickelt sich schneller als unsere Maßnahmen, ihn zu kontrollieren", sagte die WHO-Chefin. Wenn sich die Situation weiter verschlechtere, könnten die Folgen katastrophal sein. Viele weitere Menschen verlören ihr Leben, die Gefahr einer Ausweitung auf andere Länder wachse. Die Seuche könne zur Zerrüttung von Wirtschaft und Gesellschaft führen.

An dem Treffen in Guineas Hauptstadt Conakry sollten die Regierungschefs von Guinea, Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste teilnehmen. Das Treffen müsse einen Wendepunkt im Kampf gegen die Seuche markieren, forderte Chan. Die Regierungen müssten die Bewegung der Bevölkerung einschränken und öffentliche Zusammenkünfte verbieten. Die Polizei müsse zudem die Sicherheit der internationalen Hilfsgruppen garantieren.

Für den 6. und 7. August berief die WHO einen Krisenstab ein. Dieser solle darüber entscheiden, ob Ebola als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite erklärt werden solle, was internationale Maßnahmen nach sich ziehen würde.

Am Vortag hatte die WHO ein Sofortprogramm für die betroffenen Länder im Volumen von 100 Millionen Dollar angekündigt. Das Auswärtige Amt stellte am Donnerstag 500.000 Euro zur Bekämpfung des Virus zur Verfügung, mit dem die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt werden solle.

Bundesregierung stellt weitere 500.000 Euro zur Verfügung

Das Auswärtige Amt stellt nach eigenen Angaben weitere 500.000 Euro zur Bekämpfung des Virus zur Verfügung, mit dem etwa die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt werden solle. Zudem riet das Amt im Internet "von nicht notwendigen Reisen" in die drei Länder ab. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Ausbreitung nicht abzusehen, heißt es dort zur Begründung. Ein Überspringen der Krankheit in Nachbarländer sei zudem nicht auszuschließen.

Ein Lufthansa -Sprecher sagte, derzeit gebe es keine Notwendigkeit die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. Die Lufthansa stehe aber engen Kontakt mit den zuständigen Behörden wie der WHO. Auch ein Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sieht keinen Grund zur Panik. Die WHO stuft ebenso wie Wissenschaftler die Gefahr einer Ansteckung während eines Flugs als gering ein. Allerdings besteht laut Wissenschaftlern eine Gefahr für Mitreisende, wenn bei einem Infizierten etwa während eines Flugs die Krankheit akut ausbrechen würde.

US-Regierung will Impfstoff an Menschen testen

Nach neuen Angaben der WHO sind seit Februar mindestens 729 Menschen an der Seuche gestorben, darunter 60 medizinische Kräfte. Mehr als 1300 Menschen haben sich infiziert. Das Virus führt in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod. Eine Übertragung geschieht durch sämtliche Körperflüssigkeiten eines Kranken.

Am Donnerstag hatte Sierra Leone den Notstand ausgerufen. Die besonders betroffenen Regionen wurden unter Quarantäne gestellt. Das Nachbarland Liberia hat ebenfalls mehrere Regionen unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden die meisten Grenzübergänge geschlossen. An den Hauptgrenzübergängen sowie an den Flughäfen werden Reisende auf Anzeichen einer Ebola-Erkrankung untersucht. Auch Nigeria und Ghana verschärften die Einreisekontrollen.

Die US-Regierung will nach Medienberichten im September erstmals einen Ebola-Impfstoff an Menschen testen. Das Präparat habe bereits positive Ergebnisse an Primaten gezeigt, berichteten der Sender CNN und die Zeitung USA Today. Seit längerem forschen Biotechfirmen und Universitäten an Impfstoffen gegen den tödlichen Erreger.

amt/Reuters / Reuters