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+++ Liveticker zur Katastrophe in Japan +++: Der Wind steht günstig für Tokio

Die Lage am AKW Fukushima ist weiter außer Kontrolle. In vier Meilern soll radioaktives Wasser bis zu 1,50 Meter hoch stehen. Das Meerwasser ist verstrahlt. Die Ereignisse im Liveticker.

+++ 14.11 Uhr: Wind weht weiter günstig für Tokio +++

Der Wind weht auch in den nächsten Tagen günstig für die Millionen-Metropole Tokio. Radioaktive Partikel aus den Unglücksreaktoren in Fukushima werden auf das Meer getragen. Nur der Küstenstreifen nördlich des Kraftwerks werde vermutlich am Dienstag geringe Mengen radioaktiven Materials abbekommen, sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach voraus. Bis dahin trägt der Nordwestwind alles aufs offene Meer hinaus, die radioaktive Fracht werde weit nach Süden und Osten geblasen. Derzeit ist es in der Region um Fukushima weiter winterlich kalt mit Werten um Null Grad am Tag und Nachtfrost. Die Schneeschauer lassen nach. In Tokio herrschen tagsüber etwa zehn Grad und nachts fünf Grad plus.

+++ 13.57 Uhr: Spuren von Radioaktivität aus Fukushima in Frankreich +++

Nach der Atomkatastrophe in Japan sind auch in Frankreich erste radioaktive Spuren aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima nachgewiesen worden. Wie das Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) in Paris am Samstag mitteilte, handelt es sich jedoch nur um eine sehr geringe Erhöhung der Konzentration von Jod 131 in der Luft. Es bestehe keinerlei Gefahr für die Umwelt oder die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Jod 131-Spuren wurden demnach zwischen Montag und Donnerstag von einer IRSN-Messstation auf dem Puy de Dôme im Zentralmassiv gemessen. Cäsium 137 sei nicht entdeckt worden, die Konzentration liege unter der Nachweisgrenze, ebenso wie die Ergebnisse aller weiteren Messstationen, teilte das Institut mit

+++ 11.14 Uhr: Unglücksreaktor seit 40 Jahren in Betrieb +++

Reaktor 1 im havarierten Kernkraftwerk Fukushima Eins ist am Samstag genau seit 40 Jahren in Betrieb. Es sei "äußerst bedauerlich", was aus dem Reaktor geworden sei, sagte der Vize-Chef des Atombetreibers Tepco, Sakae Muto, anlässlich des Jahrestages der Inbetriebnahme des Reaktors, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji berichtete. Dafür wolle er sich entschuldigen.

+++ 10.31 Uhr: Wieder Licht in Kontrollraum von Reaktor 2 +++

Im havarierten Kernkraftwerk Fukushima haben Arbeiter im Kontrollraum von Reaktor 2 die Stromversorgung wieder hergestellt. Dort brenne wieder Licht, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag. Die Arbeiter versuchen seit Tagen, die beschädigten Meiler in Fukushima wieder mit Strom zu versorgen, um das Kühlsystem wieder in Gang zu bringen. In den Kontrollräumen von Reaktor 1 und 3 ist das Licht bereits seit einigen Tagen wiederhergestellt.

+++ 9.26 Uhr: Regierung wiegelt ab +++

Die Lage im havarierte Atomkraftwerk Fukushima hat sich nach Aussagen eines Sprechers der japanischen Regierung nicht weiter verschlechtert. Es sei jedoch derzeit noch nicht möglich, genau zu sagen, wann die Atomkrise vorüber sei, sagte Kabinettssekretär Yukio Edano am Samstag. Die Einsatzkräfte versuchen derweil mit Hochdruck, ausgelaufenes radioaktives Wasser zu entfernen, um die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzen zu können. Die Reaktorblöcke 1 bis 3 wurden am Samstag wieder mit Wasser von außen gekühlt, um die drohende Überhitzung zu stoppen. Dabei wurde nun nicht mehr Meerwasser, sondern Süßwasser eingesetzt.

+++ 8.57 Uhr: Behelfshäuser werden bereit gestellt +++

In Japan läuft die Bereitstellung von Behelfsunterkünften für die Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe an. Die mit am schwersten getroffene Stadt Rikuzentakata in der Provinz Iwate begann als erste Gemeinde am Samstag, Anträge für solche Häuser entgegenzunehmen. Manche Menschen, die in den vergangenen zwei Wochen unter äußerst harten Bedingungen bei Kälte und Versorgungsmangel in Notunterkünften ausharren mussten, hoffen wegen der Behelfshäuser auf bessere Lebensbedingungen. Andere fragen sich, ob es angesichts der radioaktiven Verstrahlung überhaupt Sinn macht, noch länger in der Region zu leben.

+++ 8.50 Uhr: Tsunami überrollte 470 Quadratkilometer +++

Der verheerende Tsunami in Japan hat eine Landfläche von rund 470 Quadratkilometern entlang der Küste überflutet. Das berichtete der Fernsehsender NHK World am Samstag. Er berief sich dabei auf Angaben der japanischen Geodaten-Firma Pasco, die Satellitendaten ausgewertet hatte. Zum Vergleich: Das Bundesland Bremen ist 404 Quadratkilometer groß.

Besonders betroffen war demnach die Küste der Präfektur Miyagi (300 Quadratkilometer). Es folgt die Präfektur Fukushima (110 Quadratkilometer betroffen). In der Präfektur Iwate überrollten das Wasser entlang der Küste 50 Quadratkilometer.

Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem dadurch ausgelösten Tsunami kamen nach offiziellen Angaben mindestens 10 102 Menschen ums Leben. Als vermisst gelten in der dicht besiedelten Küstenregion noch mehr als 17 000 Menschen.

+++ 5.50 Uhr: Greenpeace unternimmt eigene Messungen +++

Experten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Samstag damit begonnen, in der Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima 1 eigene Stahlenmessungen vorzunehmen. Seit dem Beginn der Krise vor zwei Wochen hätten die Behörden offenbar ständig sowohl die Risiken als auch das Ausmaß radioaktiver Verseuchung unterschätzt, erklärte Greenpeace-Atomexperte Jan van de Putte. "Wir sind nach Fukushima gekommen, um die Auswirkungen der Krise festzuhalten und unabhängige Erkenntnisse über die radioaktive Verseuchung zu ermöglichen." Mit den eigenen Messungen solle eine Alternative zu den häufig "widersprüchlichen" Angaben der Behörden geschaffen werden, erklärte Greenpeace. Zuvor hatten die Behörden mitgeteilt, im Meerwasser nahe des Akw eine Konzentration von radioaktivem Jod 131 gemessen zu haben, die um das 1250-fache über dem zulässigen Höchstwert liegt.

+++ 5.30 Uhr: Arbeiter beginnen mit Abpumpen von verstrahltem Wasser +++

Japanische Ingenieure haben am Samstag verzweifelt versucht, radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Atomkomplex Fukushima abzupumpen. Verstrahltes Wasser wurde in vier der sechs Reaktoren gefunden. Es sei sehr wichtig, das Wasser aus den Turbinengehäusen zu entfernen, bevor die radioaktive Verstrahlung noch weiter steige, teilte die Atomaufsicht mit. Man arbeite daran, das Wasser sicher zu bergen und dabei nicht die Umwelt zu verschmutzen. Temperatur und Druck hätten sich in allen Reaktoren stabilisiert.

+++ 5.03 Uhr: Aigner gibt Entwarnung bei Japan-Lebensmittel +++

In Deutschland besteht nach den Worten von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner derzeit keine Gefahr durch radioaktiv belastete Lebensmittel aus Japan. "Für die Verbraucher in Deutschland gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Nur 0,1 Prozent unserer Import-Nahrungsmittel kommen aus Japan", sagte Aigner der "Passauer Neuen Presse". Es gehe vor allem um Spezialitäten und Gewürze für die asiatische Küche, um seltene Fischsorten, Algen, grünen Tee oder Soja-Sauce.

Deutschland hat die Kontrollen japanischer Nahrungsmittel nach der Atomkatastrophe verschärft. Produkte aus den betroffenen Regionen dürften nur eingeführt werden, wenn sie in Japan überprüft und zertifiziert worden seien, teilte das Verbraucherschutzministerium mit. "Wir arbeiten hier mit Netz und doppeltem Boden: Auch die bereits vor der Verladung in Japan getestete Ware wird in Deutschland noch einmal kontrolliert", sagte Aigner. "Sollte sich die Situation in und um die Reaktoren weiter verschärfen, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen - bis hin zu strikten Einfuhrverboten."

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums wurden bislang keine verstrahlten Waren registriert.

+++4.04 Uhr: Schnee und Kälte behindern Aufräumarbeiten +++

Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt haben am Samstag die Aufräumarbeiten im japanischen Katastrophengebiet behindert. "Es ist so kalt, dass wir nichts machen können", sagte ein Überlebender dem Fernsehsender NHK, der zusammen mit seiner Frau in sein beim Erdbeben beschädigtes Haus zurückkehrte. In einigen Orten unterstützten Freiwillige die Betroffenen, ihre Habe in zerstörten Häusern zu sichern.

Der Sender zeigte obdachlos gewordene Menschen, die in Behelfsbauten einzogen, die ihnen von der Stadt zur Verfügung gestellt wurden. Besonders schwierig ist es für alte Menschen und Kranke, die darüber klagen, dass sie von Tag zu Tag weniger Energie haben, sich um eine Verbesserung ihrer Lage zu bemühen.

+++ 3.53 Uhr: Verstrahltes Wasser in Reaktor 3 steht 1,50 hoch +++

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 ist an einer weiteren Stellen stark radioaktiv verseuchtes Wasser entdeckt worden. Das verseuchte Wasser befinde sich im Keller des Turbinengebäudes von Reaktor 1, sagte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde am Samstag. Es sei noch unklar, woher genau das Wasser stamme. Möglicherweise sei aber Wasser aus dem Reaktorgehäuse über ein beschädigtes Rohr oder Ventil zwischen Reaktor und Turbinengebäude ausgetreten. Am Donnerstag waren bei Arbeiten am Reaktor 3 drei Arbeiter hoher radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden, nachdem sie durch sehr stark radioaktiv verseuchtes Wasser gelaufen waren. Das verstrahlte Wasser am Boden von Räumen in der Nähe des Reaktorbehälters steht in Block 3 nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo 1,50 Meter hoch. In Block 2 sind es 1 Meter, in Block 4 0,80 Meter und in Block 1 wurden 40 Zentimeter gemessen.

+++ 3.24 Uhr: Hohe Strahlenbelastung im Meerwasser +++

Im Meerwasser nahe des japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 ist eine Konzentration von radioaktivem Jod 131 gemessen worden, die um das 1250-fache über dem gesetzlich zulässigen Höchstwert liegt. Das teilte die japanische Atomsicherheitsbehörde am Samstag mit. Die Probe wurde demnach vom Akw-Betreiber Tepco einige hundert Meter von dem Atomkraftwerk entfernt im Pazifik entnommen. Am Dienstag hatte der Wert bei Messungen noch um das knapp 127-fache über der zulässigen Grenze gelegen. Daraufhin hatten die Behörden eine Verschärfung der Kontrollen von gefangenem Fisch und Meeresfrüchten an der Küste angeordnet. Am Donnerstag lag der Wert laut Tepco das 145-fache über dem Grenzwert, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

+++ 2.07 Reaktorblöcke 1 und 3 werden mit Süßwasser gekühlt +++

Nach der Entdeckung von hochgradig verstrahltem Wasser haben die Einsatzkräfte damit begonnen, die Reaktorblöcke 1 und 3 mit Süßwasser zu kühlen. Außerdem werde mit Hochdruck versucht, das ausgelaufene Wasser zu entfernen, um die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzen zu können, berichtete der Fernsehsender NHK am Samstag.

Wegen der hohen Strahlenbelastung wurden die Reaktorblöcke aus größerer Entfernung als bisher mit Wasser besprüht. Dabei wurde nun nicht mehr Meerwasser, sondern Süßwasser eingesetzt. Mehrere Experten, vor allem in den USA, hatten sich besorgt über eine durch Meerwasser verursachte Verkrustung der Kernbrennstäbe mit Salz geäußert.

+++ 1.37 Uhr: UN-Generalksekretär fordert Konsequenzen +++

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat weltweite Konsequenzen aus der Atomkatastrophe in Japan gefordert. Die Staaten müssten die Lehren aus dem Unfall im Atomkraftwerk Fukushima 1 ziehen, erklärte Ban. Es müssten die angebrachten Maßnahmen ergriffen werden um sicherzustellen, dass zum Schutz von Gesundheit, Nahrungsmitteln und Umwelt die strengstmöglichen Vorgaben für die Atomkraft angewandt würden. Auch müsse die internationale Antwort auf ein solches Ereignis auf den Prüfstand gestellt werden. Zuvor hatte Ban den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukio Amano, und weitere UN-Vertreter getroffen.

+++ 1.16 Uhr: Bisher 17 Arbeiter verstrahlt +++

Seit Beginn der Krise im Atomkraftwerk Fukushima sind 17 Arbeiter verstrahlt worden, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag meldete. Dabei wurden nur diejenigen Unfälle berücksichtigt, bei denen eine Radioaktivität von mehr als 100 Millisievert gemessen wurde - dies entspricht der maximalen Belastung für AKW-Arbeiter über ein ganzes Jahr hinweg. Allerdings hat das Arbeitsministerium diesen Grenzwert für Arbeiter in Fukushima jüngst auf 250 Millisievert heraufgesetzt.

Die Leitung von Tokyo Electric Power Co. (Tepco) erklärte, jeder Beschäftigte könne selbst entscheiden, ob er unter den jetzigen Bedingungen in dem havarierten Kraftwerk weiter arbeiten wolle. Kyodo zitierte aber einen Experten mit den Worten, dass es diese Wahlfreiheit kaum für Beschäftigte von Drittfirmen gebe, die von Tepco mit der Arbeit in der Anlage beauftragt wurden. Auch die am Donnerstag in Block 3 verstrahlten Arbeiter, die ohne Schutzstiefel in Wasser mit 10 000fach erhöhter Strahlung standen, waren bei einer Drittfirma beschäftigt.

+++ 0.53 Uhr: Vor allem Caesium-137 in radioaktiven Wasser in Block 1 +++

Das verstrahlte Wasser in Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima enthält hohe Mengen von Cäsium 137, wie es auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor nahezu 25 Jahren in großen Mengen in die Umwelt gelangt ist. Die japanische Reaktorsicherheitsbehörde (NISA) veröffentlichte am Samstag eine Analyse dieses Wassers, wobei acht radioaktive Substanzen festgestellt wurden. An der Spitze der Aktivität steht Cäsium 137 mit 1,8 Millionen Becquerel. 

Cäsium 137 hat im Unterschied zu radioaktivem Jod eine relativ lange Halbwertzeit von 30,2 Jahren. Es entsteht bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken. Das untersuchte Wasser in Block 1 enthält darüber hinaus unter anderem auch die Cäsium-Isotope 134 (160 000 Becquerel) und 136 (17 000 Becquerel) sowie Jod-131 (210 000 Becquerel).

Der AKW-Betreiber Tepco hat angekündigt, das verstrahlte Wasser so schnell wie möglich zu beseitigen, um die Arbeiten zur Wiederherstellung der Reaktorkühlung fortsetzen zu können. Auch in den Reaktorblöcken 1 und 2 wurde stark verstrahltes Wasser festgestellt.

kng/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters