Am Timmendorfer Strand liegt weiter ein gestrandeter Buckelwal in der Ostsee, sein Schicksal ist ungewiss. Experten kämpfen um sein Leben. Alle Entwicklungen im stern-Newsblog.
An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste kämpfen Dutzende Helferinnen und Helfer um das Leben eines Buckelwals. Das Tier ist auf einer Sandbank gestrandet und kann sich aus eigener Kraft nicht befreien.
Verfolgen Sie die Rettungsaktion im stern-Newsblog:
Wichtige Updates
Daniel Wüstenberg
Während am Timmendorfer Strand die Rettungsarbeiten laufen, ein wenig Small-Talk-Wissen über Buckelwale für Sie:
- Die Meeressäuger leben in polaren Meeren und ziehen zum Kalben bis in tropische Gewässer. Auf ihrem Weg von der irischen Küste in Richtung nördlicher Gewässer bei Norwegen nehmen die Buckelwale Abkürzungen durch die Nordsee, heißt es vom ITAW in Büsum.
- Die Beute der Buckelwale besteht aus Krill, also kleinen Krebsen, und Plankton sowie kleinen Fischen. Die Wale nutzen beim Fressen lamellenartige Hornplatten im Oberkiefer, mit denen sie die kleine Beute aus dem Wasser filtern. Zähne haben sie nicht.
- Bekannt sind Buckelwale zudem für ihre erstaunlichen Fangtechniken. Sie lassen so etwa gezielt Atemluft in Blasen hochperlen, wenn sie einen Schwarm Fische oder Krill ausgemacht haben und diesen umkreisen. Die Beute durchschwimmt diesen Blasenvorhang nicht – und wird von den mit weit geöffnetem Maul von unten nahenden Walen verschlungen.
- Die Sangeskunst der Giganten ist legendär: Die langen Lieder der Bullen zählen zu den komplexesten Gesängen im Tierreich überhaupt. Die Tiere gelten zudem als die Akrobaten unter den Großwalarten: Sie zeigen spektakuläre Sprünge und schlagen oft mit Brust- und Schwanzflossen auf die Meeresoberfläche.
- Bis in die 1960er Jahre wurden Buckelwale kommerziell gejagt und stark dezimiert. Mittlerweile haben sich mehrere Populationen deutlich erholt. Das ist mit ein Grund dafür, dass sich solche Tiere vermehrt in Regionen finden, in denen sie in den Jahrzehnten zuvor kaum mal zu sehen waren.
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Daniel Wüstenberg
Hier noch einmal ein Blick auf die Karte. Der Wal liegt nur etwa 50 bis 75 Meter vom Ufer entfernt.
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Kai Müller
Die Schiffe hier vor Ort sind übrigens dafür da, um eine Art Spalier für das Tier zu bilden. Für den Fall, dass die Rettung klappt, soll der Wal so aus der Bucht geleitet werden und nicht wieder auf der nächsten Sandbank aufliegen.
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Martin Thiele
Schon mehr als drei Tage liegt der Buckelwal auf der Ostsee-Sandbank in der Lübecker Bucht. Nun soll der Amphibienbagger „Waterking“ helfen, das Tier zu befreien. Experte Lars Hoppe erklärt im Video, wie der Spezialbagger funktioniert.
Schwimmpontons für den Amphibienbagger „Waterking“ werden an den Strand bei Niendorf gefahren. Foto: Marcus Brandt / DPA
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Kai Müller
Vor Ort und im Einsatz sind übrigens zwei Schwimmbagger, drei normale Bagger, fünf Boote und zwei Feuerwehrfahrzeuge.
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Daniel Wüstenberg
Wie gehen die Helfer jetzt vor? Die Bagger beginnen in einiger Entfernung von dem auf einer Sandbank festsitzenden Tier damit, eine Rinne zu graben. Sie wollen sich dem zwölf bis 15 Meter großen Meeressäuger langsam nähern, auch damit dieser sich an die Geräusche gewöhnen kann, sagt der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Bei den Arbeiten sei höchste Konzentration gefragt. Man müsse sich bis auf einen Zentimeter an den Kopf des Tieres heranarbeiten. Dies sei auch für den Buckelwal nicht ganz ungefährlich.
Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff hatte der Nachrichtenagentur DPA gesagt, dass mit insgesamt zwei Baggern eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden soll. Besonders herausfordernd seien bei der Rettungsaktion Wind und Strömung.
Pontons und Bagger standen am Morgen am Strand bereit. Marcus Brandt / DPA
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Kai Müller
Stand jetzt ist dies der letzte Rettungsversuch, den die Helfer unternehmen werden. Gelingt er nicht, ist davon auszugehen, dass der Buckelwal vor Niendorf sterben wird.
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Ein paar Eindrücke vom Timmendorfer Strand im Video:
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Kai Müller
Der Taucher berichtet uns Journalisten vor Ort, dass der Wal zwar gut drauf sei, aber schlecht liege. Wie auf einer Rampe. Das Wasser mit dem geringen Salzgehalt setze ihm zu. Die Chance auf eine Rettung schätzt der Taucher leider als gering ein. Gleichwohl könne es jederzeit passieren, dass der Wal losschwimmt.
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Kai Müller
Rettungsaktion startet
Die Maschinen werden angeworfen. Die Rettungsaktion startet. Sie soll mehrere Stunden dauern.
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Kai Müller
Die Helfer versuchen seit Tagen, einen an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwal zu befreien, einen Rückblick gibt es auch im morgenstern:
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Kai Müller
Die meisten der Menschen hier vor Ort gehen sehr behutsam mit der Situation um. Mir fallen kaum Menschen auf, die dem Wal zu nahe rücken.
Das bestätigt uns auch Dr. Stephanie Groß vom Institute for Terrestrial and Aquatic Wildlife Research (ITAW): „Der Wal wurde durch die örtlichen Behörden gut abgezäunt und abgesichert, sodass er tatsächlich relativ störungsfrei im Wasser liegt. Lärm, ob von einer Menschenmenge oder einer Maschine, bedeutet zusätzlichen Stress für das Tier, das sich ja bereits in einer stressigen Situation befindet.“
Das bestätigt uns auch Dr. Stephanie Groß vom Institute for Terrestrial and Aquatic Wildlife Research (ITAW): „Der Wal wurde durch die örtlichen Behörden gut abgezäunt und abgesichert, sodass er tatsächlich relativ störungsfrei im Wasser liegt. Lärm, ob von einer Menschenmenge oder einer Maschine, bedeutet zusätzlichen Stress für das Tier, das sich ja bereits in einer stressigen Situation befindet.“
„Der Wal wurde durch die örtlichen Behörden gut abgezäunt und abgesichert, sodass er tatsächlich relativ störungsfrei im Wasser liegt“Dr. Stephanie Groß, ITAW
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Der vor Niendorf gestrandete Buckelwal kämpft weiter um sein Leben. Doch wir lassen ihn weiter sinnlos leiden, statt uns um die Wale zu kümmern, die wir noch retten könnten – meint stern-Wissensredakteur Helmut Broeg:
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Kai Müller
Der Wal sei vergangene Nacht recht aktiv gewesen und habe öfter seinen typischen Brummton von sich gegeben, berichten die Kollegen des NDR aus einem Gespräch mit dem für Niendorf zuständigen Bürgermeister.
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Kai Müller
Wie stehen denn nun die Chancen für den Wal, ganz realistisch betrachtet? Carsten Manheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepard schätzt das dem stern gegenüber so ein:
„Meiner Meinung nach können die Rettungsmaßnahmen durchaus funktionieren. Einen Graben zum Wal auszuheben, würde dem Tier den Weg in tiefere Gewässer wesentlich erleichtern und im Gegensatz zum aktiven Ziehen, Schleppen oder Drücken verhindern, dass das Tier ungewollt in tiefes Wasser gelangt. Wenn das Tier ausreichend Kraft hat, kann es durch den Kanal selbstständig hinausschwimmen.“Carsten Manheimer
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DPA
wue / epp / km / lw