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Jakarta-Konferenz: Das Tsunami-Warnsystem kommt

Die Anrainer-Länder des Indischen Ozeans bekommen ein Flutwarnsystem. Das wurde auf der Krisenkonferenz im indonesischen Jakarta beschlossen. Außerdem will die USA ihre Hilfsaktion nun doch über die UN koordinieren.

Als erste große Konsequenz aus der Flutkatastrophe sollen die Staaten am Indischen Ozean ein Tsunami-Frühwarnsystem erhalten. Das beschloss ein internationaler Krisengipfel in Jakarta. Die Europäische Union (EU) kündigte auf dem eintägigen Treffen die Aufstockung ihrer Hilfe auf 1,5 Milliarden Euro an. Am Freitag wollen die zuständigen Minister in Brüssel über Einzelheiten beraten. Außerdem reist Außenminister Joschka Fischer (Grüne) nach Asien. Zugleich wächst angesichts von Berichten über Menschenhändler die Sorge um die Kinder in den Katastrophengebieten. Das Schicksal von rund 1000 deutschen Urlaubern bleibt weiter im Ungewissen.

Adoptionen nicht sinnvoll

Bei ihrem Hilfseinsatz rücken viele Organisationen den Schutz und die Hilfe für Kinder in den Mittelpunkt. "Wir sind gewarnt und müssen sehr wachsam sein, welche Menschen sich in den Kinder-Notunterkünften herumtreiben", sagte Claudia Berker von terre des hommes. Die Organisation riet von Adoptionen aus den Katastrophengebieten Asiens ab. "Es mag gut gemeint sein, Kinder durch eine Adoption in Sicherheit zu bringen", sagte terre-des-hommes-Referentin Maria Holz. Eine intensive Prüfung des persönlichen Hintergrunds sei aber in der derzeitigen Lage kaum möglich.

Aus mehreren Notunterkünften in Sri Lanka sollen nach Angaben der Kindernothilfe in Duisburg Kinder verschwunden sein. "Wir machen uns große Sorgen und befürchten, dass die Kinder von der tamilischen Rebellenarmee zwangsrekrutiert werden sollen", sagte der Sprecher der Kindernothilfe, Sascha Decker. UNICEF will alle Kinder in der indonesischen Provinz Aceh zu ihrem Schutz registrieren lassen.

Auch die US-Regierung zeigte sich tief besorgt über Entführungen oder Misshandlungen von Kindern. "Es gibt genügend glaubhafte Berichte, die uns zu der Schlussfolgerung gebracht haben, dass hier eine echte Gefahr besteht und sofort eingeschritten werden muss, um Missbrauch zu verhindern", sagte Außenministeriumssprecher Adam Ereli.

Kaum veränderte Vermisstenzahlen deutscher Touristen

Die Zahl der vermissten deutschen Touristen hat sich nur unwesentlich verändert. "Wir haben offizielle Vermisstenanzeigen von 751 mit dem heutigen Tag, aber natürlich noch sehr viel mehr Hinweise auf weitere Vermisste, so dass wir mit der Zahl um Tausend (...) rechnen müssen", sagte Außenminister Fischer dem ZDF "heute journal". Es bleibt bei 60 bestätigten Todesfällen. Berichten über anonyme Massengräber im thailändischen Khao Lak werde nachgegangen, hieß es aus Berlin. Medien hatten berichtet, darin könnten auch deutsche Opfer begraben liegen. Fischer will in die Krisenregion ansehen, wie Hilfsgelder eingesetzt werden.

Finanzierung des Frühwarnsystem muss sichergestellt werden

In der Abschlusserklärung der Geberkonferenz in der indonesischen Hauptstadt Jakarta wird die Staatengemeinschaft aufgerufen, die Finanzierung des Frühwarnsystems gegen die Riesenwellen sicherzustellen. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, es müsse alles unternommen werden, um künftig ähnliche Folgen einer Flutwelle zu verhindern. Für den Pazifik gibt es seit 40 Jahren ein Tsunami- Warnsystem. Die Menschen an den Küsten um den Indischen Ozean waren dagegen am 26. Dezember von die Fluten überrascht worden.

Die EU-Ministerrunde in Brüssel unter dem Vorsitz des luxemburgischen Außenministers Jean Asselborn wird am Freitag voraussichtlich eine finanzielle Unterstützung für den Aufbau des Frühwarnsystems gegen Flutwellen nach Erdbeben im Meer ("Tsunamis") beschließen. Außerdem will sie Vorschläge zur Schaffung eines "Katastrophen-Corps" diskutieren, mit dem die EU schneller als bisher in Katastrophengebieten Hilfe leisten könnte.

Die EU plant neben der Aufstockung der Hilfe um 450 Millionen Euro eine Sonderkreditmöglichkeit bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von einer Milliarde Euro sowie Gespräche über einen möglichen Schuldenerlass, sagte Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf der Konferenz.

Annan forderte die internationale Gemeinschaft in Jakarta auf, zugesagte Hilfsgelder zügig zu überweisen. Innerhalb der nächsten sechs Monate würde knapp eine Milliarde Dollar gebraucht. Zuvor hatte der UN-Chef gemahnt, es könnte zahlreiche weitere Tote infolge der Flutwelle geben, sollten die Hilfsmaßnahmen zu kurz greifen. Die UN befürchten, die Flut könnte 200.000 Opfer gefordert haben, bisher wird die Zahl von rund 140.000 Toten genannt. Ziel der Konferenz, an der Vertreter von mehr als 20 Ländern und internationalen Organisationen teilgenommen hatten, war die Abstimmung der Hilfe.

EU will den aisatischen Staaten beim Flutwarnsystem helfen

Rekordspendensumme steigt weiter

Die Rekord-Spendenbereitschaft der Deutschen hat auch am Donnerstag weitere Mittel in die Kassen der Hilfsorganisationen gespült. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) erklärte, die - für eine internationale Katastrophe - klare Rekordsumme von mehr als 130 Millionen Euro, die bis Mittwoch gesammelt worden waren, sei weiter angewachsen. Genaue Zahlen sollten am Freitag vorliegen. Deutschland hatte am Mittwoch 500 Millionen Euro Hilfe für die Krisenregion zugesagt.

Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hatte als Gastgeber der Konferenz die Welt zu der größten Hilfsaktion aller Zeiten aufgerufen. "Unsere Antwort auf diese beispiellose Katastrophe muss genauso beispiellos sein, um das Leiden der Menschen zu beenden", sagte der Staatschef. Indonesien ist mit 94.200 offiziell bestätigten Fluttoten das am schwersten getroffene Land. Die Regierung fürchtet, dass die Zahl noch auf 100.000 steigen könnte.

DPA / DPA