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Myanmar-Geberkonferenz: Militärjunta lässt Hilfe zu

Auf der Geberkonferenz für die Katastrophenopfer in Myanmar ist es zu einem entscheidenden Durchbruch gekommen. Nach Angaben des deutschen Delegierten lässt die Militärjunta nun endlich internationale Helfer ins Land. Doch noch immer steht nicht fest, wie viele Milliarden Dollar Hilfe das Land benötigt.

Erstmals nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" vor rund drei Wochen sind Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW) mit Wasseraufbereitungsanlagen in die Katastrophengebiete durchgelassen worden. "Das ist ein echter Durchbruch", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), in Rangun. Die THW-Helfer hätten ohne Probleme in das besonders betroffene Irrawaddy-Delta reisen können. Schon sehr bald werde dort sauberes und trinkbares Wasser fließen. Erler nimmt in Rangun an einer Geberkonferenz teil.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat großzügigere Spenden für die Opfer des Wirbelsturms in Myanmar angemahnt. Jede Hilfe, die nicht an Bedingungen geknüpft sei, sei sehr willkommen, sagte Ban auf der Konferenz. Bislang seien 30 Prozent der von den UN erbetenen 201 Millionen Dollar eingegangen, weitere 20 Prozent seien versprochen. Diese Summe dürfte sich wohl erst erhöhen, wenn ausländische Hilfsorganisationen im verwüsteten Irrawaddy-Delta den genauen Bedarf ermittelt haben. Ban betonte zudem, die Regierung Myanmars scheine sich nun zu bewegen, nachdem bürokratische Hindernisse eine effektive Hilfe zuvor beträchtlich behindert hätten.

Ban hofft auf Wendepunkt

Ban erklärte, er hoffe, dass dies ein Wendepunkt in der Bewältigung der Krise sei. Die regierende Militärjunta hatte Ban zuvor zugesagt, dass Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen nun ungehindert ins Land könnten. Der US-Vertreter bei der Geberkonferenz machte deutlich, dass Myanmar zuerst den ungehinderten Zugang in das Katastrophengebiet sicherstellen muss, wenn es von den USA weiteres Geld bekommen will. Denn noch fehlten konkrete Informationen, wie viel Hilfe genau benötigt werde, sagte der stellvertretende Ministerialdirektor im US-Außenministerium, Scot Marciel.

Drei Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" haben den Vereinten Nationen zufolge nur ein Viertel der 2,5 Millionen Menschen in Not Hilfe erhalten. 134.000 Menschen sind tot oder gelten als vermisst. Experten befürchten noch mehr Opfer, wenn in den kommenden Monaten nicht Lebensmittel, Medizin und andere Hilfsgegenstände in ausreichender Menge bereitgestellt werden.

Junta bittet um über zehn Milliarden Dollar

Die Militärjunta wollte bei der Konferenz vermutlich um 10,7 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau bitten. Sie hatte UN-Generalsekretär Ban zugesagt, alle ausländischen Helfer ins Land zu lassen. Ministerpräsident Generalleutnant Thein Sein erklärte, es könnten aber nur zivile Schiffe anlanden. Dies betrifft amerikanische, britische und französische Kriegsschiffe, die mit Tonnen an Hilfsgütern vor der Küste liegen und seit Tagen auf die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen von Rangun warten. Die Junta hat dies unter Hinweis auf eine befürchtete US-Invasion abgelehnt.

Auch die internationalen Hilfsorganisationen warteten noch darauf, wie von der Junta zugesagt ihre Helfer ins Land schicken zu können. Die Generäle ließen zunächst völlig offen, ob und wann Ausländer ins vom Zyklon "Nargis" am schwersten verwüstete Irrawaddy-Delta vordringen dürften. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", erklärte die britische Organisation Oxfam und forderte, der Ankündigung der Junta müssten nun rasch Taten folgen. Die deutsche Welthungerhilfe erklärte, man bleibe nach den bisherigen Erfahrungen mit den Generälen zunächst skeptisch. Auch die Gruppe Save the Children warnte vor zu früher Erleichterung. Bei der von den UN und dem südostasiatischen Staatenbündnis Asean organisierten Konferenz trafen in Rangun 500 Vertreter aus mehr als 50 Ländern zusammen, um finanzielle Hilfen für das seit Jahren abgeschottete Land zu koordinieren.

Im birmanischen Katastrophengebiet fand unterdessen das umstrittene Verfassungsreferendum statt. Die Abstimmung, mit der die Junta nach Ansicht ihrer Kritiker langfristig ihre Macht sichern will, wurden in weiten Landesteilen schon am 10. Mai durchgeführt. Am Samstag folgten Rangun und das Irrawaddy-Delta. Die Abstimmung war weitgehend bedeutungslos, da nach offiziellen Angaben zuvor schon 92,4 Prozent die neue Verfassung gebilligt hatten.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters