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Nach Erdbeben in Neuseeland: Helfer in Christchurch befürchten 200 Tote

Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens in der neuseeländischen Stadt Christchurch hat sich auf 98 erhöht. Die Helfer rechnen jedoch mit noch mehr Toten. Während die Rettungskräfte unermüdlich nach Überlebenden suchen, nutzen andere Menschen die Notlage vieler Opfer schamlos aus.

Bei dem schweren Erdbeben in Neuseeland befürchtet die Polizei inzwischen rund 200 Todesopfer. 98 Leichen waren bis Donnerstag geborgen, aber allein in den Trümmern des eingestürzten Canterbury Television-Gebäudes in Christchurch wurden bis zu 120 Tote vermutet. "Es gibt keine Hinweise, dass da jemand überlebt hat", sagte Polizeichef David Cliff. Die Suche nach Überlebenden ging aber unvermindert weiter. Helfer mit Spezialgerät aus Japan, Taiwan, Singapur und den USA unterstützten die Neuseeländer und Australier vor Ort. "Wir sind immer noch auf Rettungsmission. Sollte irgendjemand noch leben und eingeklemmt sein - wir tun alles in unserer Macht stehende", versicherte Cliff.

Vor den Ruinen des Canterbury-Gebäudes harrten auch Elizabeth (15) und Kent Manning (18) aus. Ihre Mutter Donna arbeitete dort bei einem Fernsehsender, als das Beben der Stärke 6,3 am Dienstagmittag passierte. Während die beiden dort verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihrer Mutter hofften, brachen Diebe in ihr beschädigtes Haus ein. Polizei und Familie waren empört. "Wir haben alle Schlimmes erlebt, und manches kann man nicht ändern", sagte der Onkel der Kinder, Maurice Gardiner, im Fernsehen. "Aber diese kriminellen Elemente - sie könnten wenigstens Respekt zeigen."

Außer Donna Manning waren mindestens 14 weitere Mitarbeiter des Fernsehsenders in dem Gebäude. Eine dort auch untergebrachte Sprachschule meldete knapp 100 Mitarbeiter und Schüler als vermisst. Darunter ist auch eine größere Gruppe Japaner.

Zwei japanische Journalisten festgenommen

Zwei japanische Journalisten wurden bei dem Versuch festgenommen, in ein Krankenhaus einzudringen. Die beiden wollten dort Opfer befragen. Die Polizei hat die Innenstadt, in der auch das Krankenhaus liegt, abgeriegelt. Niemand darf dort ohne Genehmigung rumlaufen.

Auch unter dem eingestürzten Turm der Kathedrale werden etwa 20 Tote vermutet. Pfarrer Peter Beck hatte das Beben in der Kathedrale selbst miterlebt und gesehen, dass etwa zwei Dutzend Menschen unter dem Turm standen. "Ich glaube, da hat keiner überlebt", sagt er.

Insgesamt ging die Polizei am Donnerstag von 238 Vermissten aus. Einige von ihnen dürften die Stadt nach den Beben am Dienstag aber einfach verlassen haben. Genauere Informationen dazu wollte die Polizei im Laufe des Tages veröffentlichen.

Mit der Unterstützung der frischen Rettungsteams aus den USA, Großbritannien, Japan, Singapur und Taiwan konnte die Suche nach Opfern im besonders schwer zerstörten Zentrum von Christchurch intensiviert und auch auf weitere Stadtbereiche ausgeweitet werden. Zwei Tage nach dem Beben schwanden jedoch die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden. Zuletzt war am Mittwochnachmittag ein Mensch lebend gefunden worden.

zen/DPA / DPA