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Verbreitung: Wo leben Braunbären?

Braunbären leben in vielen Ländern Europas und auch in Kanada. In manchen wird für die Tiere, in anderen gegen sie gekämpft. Häufig sind Bären zum Abschuss freigegeben.

Der Braunbär ist die einzige in Europa verbreitete Bärenart. Heute leben auf dem Kontinent nach Angaben der Umweltstiftung WWF etwa 50.000 Exemplare, die meisten von ihnen in Osteuropa. Auch in den Pyrenäen und Alpen ist "Meister Petz", wie der Bär in Deutschland genannt wird, vereinzelt zu finden. Der Braunbär gehört zu der Familie der Großbären und damit zu den größten Landraubtieren der Welt. Er ist zwischen zwei und drei Metern lang und wiegt zwischen 150 und 780 Kilogramm.

Früher gab es Braunbären in ganz Europa. Aber die Zunahme der Bevölkerung, die großräumige Entwaldung und die direkte Verfolgung haben die Tiere fast verschwinden lassen. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Braunbären in Mitteleuropa durch den Einsatz von Umweltschutzorganisationen wieder gewachsen. 1989 startete WWF die Wiederansiedlung der Braunbären in den österreichischen Alpen. Heute leben etwa 25 bis 30 Exemplare in Österreich.

Der Braunbär ist auch in Nord- und Mittelasien, in Japan, Kanada und in den Vereinigten Staaten verbreitet. Die größten Braunbären gibt es in Amerika: Der Kodiakbär ist drei Meter hoch, wenn er auf den Hinterbeinen steht. Der schwerste je erlegte Kodiak wog nach WWF- Angaben 751 Kilogramm.

Österreich

In Österreich wurde der Braunbär vor mehr als 160 Jahren ausgerottet. Heute leben wieder bis zu 20 Tiere verstreut über Gebiete in der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich. Die heutigen Bestände stammen aus Slowenien und Kroatien, wo die Bärenpopulation zusammen auf mehr als 1000 geschätzt wird. In Österreich wanderte der erste Braunbär Anfang der 70er Jahre wieder ein. Er wurde Ausgangspunkt eines Wiederansiedlungsprojekts. Experten setzten 1989 eine Bärin aus, mit der er Nachwuchs bekam. 1994 wurden zwei aus Slowenien zugewanderte Bären geschossen, die eindeutig nicht aus dem Wiederansiedlungsprojekt stammten. Laut WWF drangen sie in Kaninchen- und Schafställe ein, wanderten durch Ortschaften und ließen sogar Wasser aus Fischteichen aus, um an die Forellen zu kommen.

Polen

Abendliche "Ausgangssperren" auf vielen Hütten während der Sommersaison sollen Urlauber in Polen vor einer Begegnung mit einem Bären schützen. Ein Spaziergang in der Dämmerung oder in sternklarer Nacht ist schließlich wenig ratsam, wenn draußen Bären auf der Suche nach Futter unterwegs sind. In der Vergangenheit wurde der Zugang zum Nationalpark Hohe Tatra, wo Schätzungen zufolge 15 bis 20 Braunbären leben, sogar von zehn Uhr abends bis sechs Uhr morgens für Wanderer gesperrt. Zumindest Bärenspuren sind für Polen-Urlauber schon Alltag: Rund um die Hütten der Bergwanderer werden immer wieder Hinweise auf Bären gefunden - die Tiere finden Abfallkörbe unwiderstehlich. Allein in den Bieszczady Bergen in den südostpolnischen Karpaten sollen etwa 35 Exemplare leben.

Kanada

Der Grizzly, die in Kanada lebende Unterart des Braunbären, ist in den meisten Provinzen zur Jagd freigegeben. Für etwa 6000 Euro wird eine Grizzly- und Wolfsjagd in British Columbia angeboten. In der Provinz Alberta wurde die Jagd auf Grizzlys in diesem Frühjahr jedoch bis einschließlich 2009 ausgesetzt. Die Behörden fürchten, dass die Zahl der Tiere inzwischen bis auf 700 geschrumpft ist. Im vergangenen Jahr wurde eine junge Frau am Stadtrand von Canmore in Alberta von einem Grizzly getötet. Die Frau war beim Joggen von ihm überrascht worden und hatte sich auf einen Baum geflüchtet. Der Bär folgte ihr jedoch.

Skandinavien

Berichte über Angriffe durch Braunbären auf Menschen waren in Nordeuropa in den vergangenen Jahren wieder zunehmend zu lesen. Die Zahl der Tiere hat sich deutlich erhöht. Zuletzt hatte im Oktober 2004 ein Bär nahe der nordschwedischen Stadt Jokkmokk einen Elchjäger getötet. Das war der erste Fall in Schweden seit mehr als einhundert Jahren. Hier wie auch in Finnland, wohin immer wieder Bären über die Grenze zu Russland kommen, werden für Menschen gefährlich gewordene Bären erlegt. In Schweden und anderen Teilen des nördlichen Skandinaviens leben derzeit zwischen 1600 und 2800 Braunbären.

Slowakei

Die Vorliebe hungriger Braunbären für Honig lässt in der Slowakei Bienenzüchter um ihre Existenz bangen. In den vergangenen Jahren haben sich die Bären zwar von menschlichen Siedlungen meist fern gehalten. Wegen des knapperen Nahrungsangebotes verlieren sie aber immer mehr ihre Scheu. Allein beim mittelslowakischen Dorf Klenovec (Region Banska Bystrica) sollen Mitte Mai mehrere dutzend Bären innerhalb weniger Tage rund 50 Bienenstöcke völlig zerstört haben, berichten örtliche Bienenzüchter. Schätzungen zufolge leben in der Slowakei 300 bis 600 Bären in freier Wildbahn.

Spanien

Zwei Braunbärpopulationen leben in Spanien, in den Pyrenäen und im Kantabrischen Bergland. Der Bestand von etwa 90 Bären in Kantabrien gilt als ein gelungenes Beispiel von Arterhaltung. Die Tiere leben in einem unzugänglichen Gebirge, ihre Zahl nimmt zu. In den Pyrenäen war der Braunbär vor kurzem so gut wie ausgestorben. Im spanisch-französischen Grenzgebiet gibt es noch 15 bis 18 Exemplare.

Frankreich

Seit Paris den auf 14 bis 18 Bären geschrumpften Bestand in den Pyrenäen mit fünf Bären aus Slowenien auffrischen will, gibt es in Frankreich einen erbitterten Kampf. 2004 war die letzte "reinrassige" französische Pyrenäenbärin von Jägern illegal erschossen worden. In den vergangenen Wochen wurden drei Bären in Slowenien gefangen und in den Pyrenäen ausgesetzt. Während Künstler Patenschaften für die Tiere übernahmen, legten Schäfer vergifteten Honig als Bärenfallen aus.

Italien

Nach Angaben des WWF gibt es in Italien zwei Populationen von Braunbären. Zwischen 40 und 50 Tiere leben im und um den Abruzzen-Nationalpark. Dort kommt ein Bär auf 25 Quadratkilometer, eine vergleichsweise beruhigende "Bärendichte", die das Überleben garantieren dürfte. Weitere etwa 20 Bären gibt es im Naturpark Adamello-Brenta und Umgebung im Trentino. In den vergangenen Jahren hätten sich "einige individuelle Tiere" aus Slowenien und Österreich bis ins Friaul und Venetien und in die Gegend um Belluno (Dolomiten) ausgebreitet. Der WWF kritisiert, dass rund 36 Prozent der Todesfälle von Bären auf Wilderei zurückzuführen sei.