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Andreas Petzold: #DasMemo: Mit Trump und Co. bricht ein neues Zeitalter für Putin an

Donald Trump hofft als neuer US-Präsident auf gute Beziehungen mit Wladimir Putin. Auch in Frankreich könnte die Anti-Russland-Front einbrechen. Für den auf der Weltbühne bislang eher geächteten russischen Präsidenten scheint ein neues Zeitalter zu beginnen.

Wladimir Putin dürften die aktuellen Entwicklungen in den USA und einigen Ländern Europas gefallen

Wladimir Putin dürften die aktuellen Entwicklungen in den USA und einigen Ländern Europas gefallen

Das Treffen fand im Hotel Ritz statt, in Paris, im Oktober. Donald Trump war noch nicht der neue gewählte US-Präsident, trotzdem schickte er schon mal seinen Sohn Donald Trump Junior nach Frankreich, um dort mit syrischen Gruppen zu sprechen, die von Russland unterstützt werden. Eingeladen hatte ein Think Tank, der für eine Friedenslösung mit Baschar al-Assad an der Spitze des syrischen Staates plädiert. Der Junior habe sich "pragmatisch und flexibel" gezeigt, freute sich eine Teilnehmerin nach dem Meeting. Ganz der Vater, könnte man hinzufügen.

Diese Anekdote, die Auswahl seiner Berater und Donald Trumps Äußerungen über Russland und Putin in den vergangenen zwei Jahren geben Hinweise darauf, dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Kreml-Herrscher Wladimir Putin ziemlich beste Freunde werden könnten. "Ein starker Führer" sei Putin, lobpreiste der Immobilien-Mogul, "wäre es nicht wunderbar, wenn wir uns mit den Russen gut verstehen würden?" Damit das von Anfang an gut klappt, behauptete Trump beispielsweise, es gäbe immer noch nicht genügend Beweise, dass pro-russische Kämpfer die Malaysian Airlines Maschine über der Ost-Ukraine abgeschossen hätten. Und auf die Reporterfrage im Juli 2016, ob er die Annexion der Krim anerkennen und die Sanktionen gegen Moskau aufheben würde, antwortete er gleichmütig: "Ja. Wir werden uns das ansehen." Zum Vergnügen Moskaus übte Trump auch noch eine Art Schulterschluss mit dem Diktator und Kriegsverbrecher Assad. Der würde ja schließlich auch den islamischen Staat bekämpfen. Als der "president-elect" auch noch die Sicherheitsgarantien der Nato für Europa infrage stellte, knallten im Kreml die Sektkorken.

Neues Zeitalter für Wladimir Putin

Für den auf der Weltbühne bislang eher geächteten Putin scheint jedenfalls ein neues Zeitalter zu beginnen. Seine Auferstehung zum neuen Dominator der globalen Politik steht unmittelbar bevor, es läuft derzeit bestens: Die emsigen rechts-nationalistischen Bewegungen in Frankreich, Deutschland und Österreich huldigen dem Kremlchef unverblümt. In Bulgarien gewann ein russlandfreundlicher Oppositionskandidat, General Rumen Radev, gerade die Präsidentenwahl und kündigte "pragmatische Beziehungen" zu Russland an. Und nach der Präsidentschaftswahl im April nächsten Jahres könnte mit Frankreich sogar eine der tragenden Säulen der europäischen Anti-Russland-Front einstürzen. Den Umfragen zufolge dürfte der von Russland sogar finanziell unterstützte Front National mit Marine Le Pen an der Spitze in die Stichwahl gelangen.

Sollte sie gegen ihren mutmaßlichen Kontrahenten François Fillion verlieren, ist das für Putin auch kein Beinbruch, im Gegenteil: Der frisch gekürte Spitzenkandidat der konservativen Partei Frankreichs ist ein alter Bekannter des russischen Präsidenten. Die Kritik am menschenverachtenden Syrien-Krieg des "lieben Wladimir" teilt Fillion natürlich nicht. Putin würde dort nur die Interessen seines Landes verteidigen. Und: "Natürlich brauchen wir eine Koalition mit Russland. Und es wäre schon ein starkes Stück, wenn jetzt, nachdem Frankreich zuletzt eine sehr kontraproduktive Haltung zu Russland hatte, wenn es jetzt zu einer Annäherung zwischen Russland und den USA käme - ohne unsere Beteiligung." Da jubelten Moskaus linientreue Medien, nach Trumps Wahlsieg zeichne sich mit einem möglichen französischen Präsidenten Fillion "eine für Russland außerordentlich nützliche Tendenz" ab.

Donald Trump: Respektvolle Signale nach Moskau

So ist es. Nachdem Barack Obama Russland noch als Regionalmacht verhöhnt hatte, was alles andere als eine diplomatische Meisterleistung war, senden Trumps wichtigste Berater respektvollere Signale nach Moskau. Das neue Prinzip heißt "auf Augenhöhe". Der designierte Sicherheitsberater Michael Flynn wird in russischen Medien schon als die "wahrscheinlich wichtigste Verbindung Trumps mit Putin" bezeichnet. Im Dezember 2015 reiste Flynn zum zehnten Geburtstag des staatlichen Auslands-Senders Russia Today (RT) nach Moskau, um bei der Jubiläumsgala neben Putin zu sitzen und eine bezahlte Rede zum Thema "Naher Osten" zu halten. "Machtspielchen zwischen den USA und Russland werden nichts bringen außer noch mehr Konflikte", beschied der Ex-General und zog damit wohl auch die künftige politische Linie der Trump-Administration.

Schon nach dieser unvollständigen Bestandsaufnahme wird es niemand überraschen, wenn der künftige US-Präsident mit Putin und Assad an einem Strang zieht. Dass er sich damit gemein macht mit Kriegsverbrechern und Diktatoren und den Unterschied zwischen westlichen Demokratien und totalitären Regimen nivelliert, wird ihn vielleicht nicht weiter interessieren. Dass sich ein Mr. President, bis dato geschmückt mit dem Etikett "Führer der freien Welt", mit diesem wertfremden Pragmatismus ad absurdum führt und angreifbar macht – wen schert es noch im Weißen Haus?

Als letztes Korrektiv, allerdings mit begrenztem Einfluss, könnten nur noch Teile der Republikaner wirken. Russland klein zu halten gehörte immer zu ihrer DNA, manche ihrer Kongress-Politiker entwickelten gar eine regelrechte Kreml-Phobie. Und Deutschland bildete mit Frankreich den diplomatischen Median zwischen den beiden Großmächten. Damit ist es nun vorbei. Seinen Zielen, Europa zu spalten, die freiheitlichen Demokratien zu destabilisieren und als rehabilitierte Großmacht den Ton anzugeben, dürfte Putin im nächsten Jahr einen großen Schritt näher kommen.