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Umstrittene Motorrad-Tour: Polen stoppt "Nachtwölfe", Moskau protestiert

Die umstrittenen Moskauer Rocker "Nachtwölfe" wollten mit ihren Motorrädern nach Berlin fahren. Doch ihre "Siegestour" endet an der polnischen Grenze - vorerst. Russland kritisiert das Einreiseverbot.

Alexander Zaldostanow ist Präsident des russischen Motoradclubs "Night Wolves" (Nachtwölfe) (Archivbild vom Mai 2014)

Alexander Zaldostanow ist Präsident des russischen Motoradclubs "Night Wolves" (Nachtwölfe) (Archivbild vom Mai 2014)

Polen hat Teilnehmer der umstrittenen Motorradtour des russischen Rockerclubs "Nachtwölfe" nach Berlin an der Grenze gestoppt. Ihnen sei die Einreise verweigert worden, teilten die als kremlnah geltenden Biker am Montag in einem Internet-Blog mit. Die polnische Nachrichtenagentur PAP meldete, die Gruppe habe nicht die formellen Kriterien zur Einreise erfüllt. Zuvor seien die rund 20 Motorradfahrer von den polnischen Beamten am Grenzübergang Terespol-Brest stundenlang gefilzt worden, beklagte der Anführer des Trosses, Andrej Bobrowski. "Sie nehmen uns ganz schön in die Mangel, durchsuchen alle Sachen bis zu jedem T-Shirt, Schlüssel und Schraubendreher", sagte er der russischen Agentur Interfax. "Jeder von uns wird einzeln befragt."

Die "Nachtwölfe" wollen Medienberichten zufolge am Dienstag einen weiteren Versuch unternehmen, nach Polen einzureisen und ihre "Siegesfahrt" nach Berlin fortzusetzen. Möglicherweise komme es auch zu einer Routenänderung etwa über die baltischen Staaten und Finnland, berichtete der Nachrichtensender "TVN 24".

Kritik aus Moskau

Das russische Außenministerium rügte das Einreiseverbot nach Polen. Die Motorradfahrer hätten gültige Schengen-Visa gehabt, seien aber von den polnischen Beamten stundenlang durchsucht worden, beklagte das Ministerium am Montagabend. Moskau verlangte eine Erklärung der Regierung in Warschau.

In Terespol hatten dutzende Mitglieder des polnischen Motorradclubs "Rajd Katynski" vergeblich auf die Russen gewartet, denen sie angesichts von Protestaufrufen in sozialen Medien Schutz und Begleitung anbieten wollten. Der polnische Biker-Chef Wiktor Wegrzyn sagte, Mitglieder seiner Gruppe würden nun stellvertretend für die Russen in Warschau und Breslau (Wroclaw) Kerzen zum Gedenken an im Krieg gefallene Rotarmisten anzünden.

Sympathisanten der prorussischen Separatisten

Polen wie auch Deutschland hatten den "Nachtwölfen" mit einem Einreiseverbot gedroht. Die Rocker waren dennoch am Wochenende zu ihrer Tour aufgebrochen, mit der sie an die Erfolge der Roten Armee im Kampf gegen Hitler-Deutschland erinnern wollen. Die Nachtwölfe gelten als Sympathisanten der prorussischen Separatisten in der Ostukraine.

Einige bereits ausgestellte Visa für Führungsleute der Nachtwölfe waren annulliert worden, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin am Montag mitteilte. Deren Zahl sei an einer Hand abzuzählen. Nach internen Beratungen sei die Bundesregierung zu dem Schluss gelangt, "dass es einige Personen gibt, die wir in der Führungsetage der Nachtwölfe verorten, von denen wir nicht glauben, dass sie mit ihren Aktionen in Deutschland ein legitimes Ziel verfolgen". Das zeigten Äußerungen der Betroffenen zur völkerrechtswidrigen Annexion der Krim.

tkr/DPA / DPA