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"Scheißland" Italien: Berlusconi hat's nicht so gemeint

Italien ein "Scheißland"? So sollte ein Regierungschef wohl auch in einem nächtlichen Telefonat nicht von seinem Land sprechen. Nachdem der Skandal öffentlich wurde, beschwichtigt Berlusconi. Und macht es damit fast noch schlimmer

Es ist der jüngste böse Ausrutscher des für verbale Schnitzer hinlänglich bekannten Silvio Berlusconi: Der Milliardär und Regierungschef soll Italien am Telefon ein "Scheißland" genannt haben, das er in einigen Monaten verlassen wolle. Nachdem das abgehörte Gespräch veröffentlicht wurde, versuchte der Medienmogul zu retten, was nicht mehr zu retten war: "Das ist eine dieser Sachen, wie man sie spät abends am Telefon so sagt, wohl in einem entspannten Augenblick und mit einem Lächeln", meinte der 74-Jährige. Von der Opposition erntete er beißenden Hohn.

Der abgehörte Ausbruch des "Cavaliere" wurde an dem Tag bekannt, als ein süditalienisches Ehepaar wegen mutmaßlicher Erpressung des Regierungschefs festgenommen wurde. Der Unternehmer und seine Frau sollen von dem Medienmogul eine halbe Million Euro für Falschaussagen in einer Callgirl-Affäre von 2009 eingestrichen haben. Gefahndet wird nun noch nach dem Chef einer Online-Zeitung, der sich im Ausland aufhalten soll. Mit ihm hatte Berlusconi telefoniert.

"In einigen Monaten gehe ich weg, verlasse ich dieses Scheißland, das mich anekelt, Punkt und Schluss", zitieren etliche italienische Zeitungen am Freitag aus den Abhörprotokollen. Berlusconi, der sich seit langem von linken Richtern und Staatsanwälten verfolgt fühlt, führte das Gespräch am 13. Juli kurz nach 23 Uhr. "Ich bin so transparent, so sauber in meinen Angelegenheiten (...) Die können sagen, dass ich rumbumse, das ist auch das Einzige, was sie von mir sagen können (...) Sie spionieren mich aus", soll er gesagt haben.

Aus Trotz: Berlusconi will bleiben

Berlusconi, am Donnerstag noch in Paris auf der Libyen-Konferenz, nannte den Berichten zufolge das Abhören seiner Telefonate einen "Überfall", "unerträglich" und einen Grund dafür, warum er Italien jetzt doch nicht verlassen wolle: "Ich bleibe hier, um dieses Land zu verändern." Entschuldigt hat er sich nicht dafür, so massiv und beleidigend ins Fettnäpfchen getreten zu sein. Seit langem sucht Berlusconi gesetzliche Wege, das in Italien weit verbreitete Abhören zu Ermittlungszwecken drastisch einzudämmen.

Für die Opposition war der verbale Fehltritt des Chefs der Mitte-Rechts-Koalition in Rom ein gefundenes Fressen: Wenn er Italien ein "Scheißland" nenne, habe er "offensichtlich in den Spiegel geschaut und sich selbst beschrieben", höhnte Antonio Di Pietro, einer der schärfsten Berlusconi-Kritiker und Führer der Partei "Italien der Werte". Der Oppositionsabgeordnete Aldo Di Biagio nannte es unvermeidlich, dass sich in Italien nach 17 Jahren Berlusconi die "Jauche" ausgebreitet habe. Wenn er gehen wolle, sei das die beste Lösung. "Er möge es dann aber rasch tun."

"Scheißland"-Affäre Folge des Sex-Skandals

Der schwere Ausrutscher des 74-jährigen Medienmoguls gelangte letztlich nur durch Berlusconis Sexskandal in die Öffentlichkeit: Der festgenommene Unternehmer war 2009 als "Frauen-Beschaffer" für die Partys des Regierungschefs erstmals in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte der heute 34-Jährige aus Bari bei einer ersten Festnahme wegen Korruption, Drogenhandels und Prostitution zugegeben, zwischen 2008 und 2009 mehr als 30 junge Frauen für Feste in den Villen des Regierungschefs in Rom und auf Sardinien organisiert zu haben.

Unter den Mädchen war das Callgirl Patrizia d'Addario, das später über angebliche Tonbandaufnahmen aus dem Schlafzimmer Silvio Berlusconis berichtete. Sie wollte 10.000 Euro für ihre Dienste erhalten haben. Vor allem die Opposition forderte nach der Affäre damals den Rücktritt Berlusconis, weil er sich durch seine Skandale "erpressbar" mache. Sie sieht sich jetzt darin bestätigt. Berlusconi betritt stets, jemals in seinem Leben für Sex bezahlt zu haben.

Nach Berichten des Wochenmagazins "Panorama" ermittelt die Staatsanwaltschaft von Neapel wegen "undurchsichtiger" Zahlungen über 500.000 Euro von Berlusconi an den Unternehmer. "Ich habe nichts Unrechtes getan, sondern nur einem verzweifelten Mann geholfen, ohne irgendetwas dafür zu verlangen", habe Berlusconi kommentiert. Dem Magazin zufolge erhielt der Italiener das Geld, um den bereits in mehrere Justizverfahren verwickelten Premier mit Falschaussagen aus einem Prozess wegen Prostitution herauszuhalten.

kng/DPA / DPA
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