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Angriffe: Briten attackieren Basra

Britische Truppen kämpfen in den Vororten von Basra. Bagdad wurde erneut bombardiert. Es mehren sich die Zeichen für eine Unterbrechung der alliierten Offensive.

Britische Truppen, die seit Tagen die südirakische Stadt Basra belagern, haben am Sonntag einen neuen Vorstoß in die südöstlichen Stadtteile unternommen. Dies berichtete der amerikanische TV-Sender CNN. Der britische Militärsprecher Al Lockwood sagte, die Operation sei als "Signal" an die Einwohner gedacht. Die Bevölkerung solle dadurch erkennen, dass die britischen Streitkräfte sie nicht im Stich ließen. Ziel sei es, die vornehmlich schiitischen Einwohner zu einem Aufstand gegen das Regime von Saddam Hussein zu bewegen. "Wir werden die Stadt Stück für Stück einnehmen", sagte Lockwood gegenüber CNN.

Militär: "Es gibt keine humanitäre Katastrophe"

Ein anderer britischer Militärsprecher sagte am Sonntag in Kuwait, die humanitäre Situation im Südirak habe sich durch die Kriegshandlung nicht wesentlich verschlechtert. "Es gibt keine humanitäre Katastrophe", sagte er. Das größte Problem stelle die Wasserversorgung dar. Britische Pioniere hätten eine Wasserleitung von Kuwait bis zu der Stadt Umm Kasr gelegt. Das Wasser würde am Montag ankommen.

US-Luftwaffe fliegt weitere Angriffe auf Bagdad

Die irakische Hauptstadt Bagdad ist am Sonntag weiter bombardiert worden. Im Stadtzentrum und in den südlichen Vororten waren am Morgen zahlreiche Explosionen zu hören. Schwarzer Rauch von brennendem Öl hing über dem Süden der Stadt. Dort haben die Iraker Gräben mit Öl gefüllt, das sie anzünden, um die Angriffe zu erschweren.

Schwere Explosionen im Stadtzentrum

Die Telefonleitungen in Bagdad waren am Sonntag nach den Angriffen stark gestört. Im Stadtzentrum gab es Übernacht vier schwere Explosionen, wie Reuters-Korrespondent Hassan Hafidh berichtete. Auch aus den Außenbezirken Bagdads waren bei Morgengrauen wieder Explosionen gemeldet worden. Reuters-Fernsehjournalisten berichteten, Ziel der Angriffe sei ein Komplex innerhalb des Präsidentenpalastes gewesen, der von Kusai, Präsident Saddam Husseins Sohn, genutzt werde.

Schon kurz vor Mitternacht hatten rund 30 Detonationen die Innenstadt und die Außenbezirke erschüttert. In den südlichen Außenbezirken Bagdads haben sich nach Vermutungen der Alliierten Einheiten der Republikanischen Garden verschanzt. In Washington erklärte ein US-Militärvertreter die Angriffe hätten einem Ausbildungslager der Fedajeen von Saddam Hussein gegolten, das im Osten Bagdads vermutet wird. Zudem seien ein Präsidentenpalast, ein Gebäudekomplex des Geheimdienstes und eine Raketenstellung bombardiert worden. Die US-amerikanischen und britischen Streitkräfte hatten am Samstag einen ihrer bislang schwersten Luftangriffe auf Bagdad geflogen.

Saddams jüngerer Sohn ist Befehlshaber der Elitetruppe Republikanische Garde. Ihm unterstehen Bagdad und die Stadt Tikrit, aus deren Umgebung Saddams Familie stammt. Beide Städte gelten zudem als Machtbasis Saddams.

Explosionen in Mosul und in Basra

Der arabische Fernsehsender El Dschaseera meldete Explosionen aus Mosul in Nordirak und aus Basra im Süden. In Nadschaf, wo am Vortag bei einem Selbstmordanschlag vier amerikanische Soldaten getötet worden waren, griffen US-Truppen am Sonntagmorgen irakische Stellungen an, wie Reuters-Korrespondent Andrew Gray, der bei den dort kämpfenden US-Einheiten ist, berichtete. Das Gefecht habe in der Nähe einer Brücke über den Euphrat stattgefunden, nördlich von Nadschaf. Die Stadt liegt rund 160 Kilometer südlich von Bagdad.

Myers: US-Streitkräfte nicht unter Zeitdruck

Die Streitkräfte der USA und Großbritanniens können sich nach Einschätzung von Generalstabschef Richard Myers im Irak-Krieg durchaus Zeit lassen. Der härteste Teil des Krieges stehe noch bevor, sagte Myers dem britischen Fernsehsender BBC am Sonntag auf die Frage nach der Dauer des Krieges.

Taktikänderung wegen Selbstmordanschlägen

Myers sagte weiter, die britischen und amerikanischen Streitkräfte würden angesichts der Gefahr von Selbstmordanschlägen ihre Taktik ändern. Am Vortag waren vier US-Soldaten bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kontrollpunkt bei Nadschaf getötet worden. US-Soldaten in Zentralirak sagten unterdessen, ihnen sei erklärt worden, der Vormarsch der Bodentruppen auf Bagdad könnte einige Wochen pausieren. Am Vortag war aus Militärkreisen verlautet, die alliierten Truppen hätten wegen einiger Nachschubprobleme und des irakischen Widerstands ihren Vormarsch für bis zu sechs Tage unterbrochen. Dies war von der Armeeführung aber zurückgewiesen worden.

Soldaten graben sich ein

Reuters-Reporter, die bei den US-Streitkräften in Zentralirak sind, berichteten unter Berufung auf Unteroffiziere, es sehe so aus, als lasse man sich für mindestens zwei Wochen nieder. Die Soldaten hoben Schützengräben aus, verminten die Zugänge zu den Camps und tarnten ihre Fahrzeuge, sagten diese Offiziere. Die Luftangriffe gingen aber unverändert weiter. Ein weitere Reuters-Reporter meldete, ihm sei gesagt worden, die Unterbrechung könnte bis zu 35 oder 40 Tage dauern.