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Anti-Terror-Experte: "Bush hat keine Ahnung!"

Richard Clarke war ranghöchster Anti-Terror-Experte des Präsidenten. Er trat zurück, um Amerika über dessen Propaganda-Lügen aufzuklären. Und sagt: Der Irak-Krieg hat die Terrorgefahr nur verschärft.

Herr Clarke, seit zwei Monaten werden Sie von der US-Regierung scharf attackiert. Dafür sehen Sie recht entspannt aus.

Ich wusste ja, was mich erwartet. Ich habe lange genug für diese Regierung gearbeitet. Sie haben tatsächlich alles probiert - Vizepräsident Dick Cheney, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Hunderte Bundesbeamte, die in einer koordinierten Aktion versuchten, die Medien zu manipulieren und mich zu zerstören.

Wir zitieren: Sie seien ein "Lügner", "ein Ahnungsloser", einer, "der versucht von der Tragödie des 11. September zu profitieren"...

... ja, und "unverantwortlich", "schlecht informiert", dann wieder "besessen" - sie widersprechen sich obendrein. Sie wurden einfach auf dem falschen Fuß erwischt und haben die Wirkung meines Buches unterschätzt. Ihr Dilemma ist: Sie müssen von den Aussagen des Buches ablenken. Die Fakten sprechen für mich.

Sind Sie nicht überrascht von der Vehemenz dieser Kampagne gegen Sie?

Nein, überhaupt nicht. Ich war der ranghöchste Anti-Terror-Experte von Präsident George W. Bush, hatte schon für vier Präsidenten seit Carter gearbeitet. Wenn einer wie ich öffentlich erklärt, der Präsident mache einen schlechten Job im Kampf gegen den Terrorismus, ist das eine große Geschichte.

Sie galten ja nicht nur als der führende Al-Qaeda-Fachmann, sondern vor allem auch als loyal. Warum haben Sie sich entschieden, diese Regierung so bloßzustellen?

Wir haben hier in Amerika eine Tradition: Jeder hat das Recht, den Präsidenten zu kritisieren. Ich fühlte, dass ich aus persönlichen und historischen Gründen die Pflicht hatte, Dinge geradezurücken. Bush war auf bestem Wege, auch die nächsten Wahlen zu gewinnen, weil er angeblich den Terrorismus effektiv bekämpft. Das Gegenteil ist der Fall. Es trieb mich um, dass das keiner sagte.

Sie sind aber nicht der einzige Insider, der mit Enthüllungen an die Öffentlichkeit geht.

Richtig, und jedes Mal fährt das Weiße Haus die gleiche Hetzkampagne. Als das Buch des ehemaligen Finanzministers Paul O'Neill herauskam, sagten sie: Wir starten eine Untersuchung, um herauszufinden, ob er geheime Dokumente stahl. Die Botschaft war: Wenn du es wagst, den Präsidenten anzugreifen, wird gegen dich ermittelt. Der Vier-Sterne-General Anthony Zinni wurde still und leise gefeuert, nachdem er es gewagt hatte, Bush wegen dessen Nahost-Politik zu kritisieren. Und Armee-General Shinseki hatte bezweifelt, dass Rumsfeld den Irak mit 30 000 Soldaten besetzen kann. Jetzt ist er im Ruhestand. Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die Kritik nicht duldet.

Das muss sie wohl lernen: Bushs Symphathiewerte sind auf dem Tiefpunkt, und auch die US-Medien knöpfen sich den Präsidenten vor. Warum so spät?

Nach dem 11. September haben die Medien in Amerika ihre kritische Haltung aufgegeben. Alle haben sich um die Flagge versammelt, es gab diese unglaubliche Welle des Patriotismus, was zunächst ja nichts Schlechtes ist. Aber es wurde impliziert, dass Kritik unpatriotisch sei. Es gab den besonders haarsträubenden Fall des Senators Max Cleland. Er war gegen die Gründung des Heimatschutz-Ministeriums. Die Republikaner beschuldigten ihn daraufhin, unpatriotisch zu sein. Man muss dazu wissen: Cleland kämpfte in Vietnam und verlor dort beide Beine und einen Arm. Und dieser Mann wird als unpatriotisch stigmatisiert, nur weil er eine andere Meinung vertrat? Das sagt doch einiges über das Klima in diesem Land.

Sie haben für fünf verschiedene US-Regierungen gearbeitet. Ist diese wirklich so anders?

Sie ist engstirniger. Bushs Vorgänger haben vor einer wichtigen Entscheidung immer einen rigorosen analytischen Prozess in Gang gesetzt. Alles wurde hinterfragt, Geheimdienstinformationen, Methoden, Ziele. Wir waren frei darin, Kritik zu äußern. Wir wurden sogar dazu ermutigt. So machten es alle, von Henry Kissinger bis Brent Scowcroft. Nichts von dem tut diese Regierung. Ihr Handeln beruht vielfach auf Intuition. Und dann investieren sie all ihre Arbeit darin, dieses Handeln zu rechtfertigen. Sie analysieren nicht, was es bedeutet, ein fremdes Land zu besetzen. Ihre Analyse passt gerade mal auf einen Autoaufkleber. Und als das Außenministerium zehn Aktenordner voller Vorschläge zur Nachkriegsordnung im Irak anbrachte, haben sie das einfach ignoriert.

Wann ist Ihnen diese Engstirnigkeit bewusst geworden?

Schon vor der Regierungsübernahme. Was wusste Bush über Nationale Sicherheit? Nichts. Er war zweimal im Ausland gewesen, einmal in Israel, wo ihn Sharon die ganze Zeit an der Leine herumführte, und einmal in Mexiko. Alles, was er wusste, hatte ihm eine kleine Gruppe Berater eingeflüstert, die es sich seit Jahren zum Ziel gesetzt hatten, Saddam zu stürzen. Und das haben sie auch in sein Hirn gepflanzt. Clinton und sein Sicherheitsberater Samuel Berger hatten Bush beim Regierungswechsel gesagt: Es gibt drei Dinge, auf die ihr achten müsst - al Qaeda, der israelisch-palästinensische Konflikt und Nordkorea. Bush hat alles ignoriert.

Woher wissen Sie das?

Ich war bei den Sitzungen dabei.

Wenn Sie so nah dran waren, dann sagen Sie uns doch, wann der Präsident den Entschluss fasste, den Irak anzugreifen?

Einen Tag nach den Anschlägen, am 12. September 2001, ging Bush durch das Lagezentrum des Weißen Hauses. Er sah mich und mein Team und zog uns in den Konferenzraum. Dann schloss er die Tür. Er sagte: "Ich will, dass ihr herausfindet, ob der Irak das getan hat." Ich war überrascht und ungläubig und habe ihm gesagt: "Wir haben das schon untersucht, immer wieder. Saddam steckt nicht dahinter." Da wurde er ärgerlich und sagte: "Macht schon. Irak. Saddam. Der Anschlag. Findet es heraus." Er wollte, dass ich Beweise für eine Verbindung bringe.

Das Weiße Haus bestritt diese Begegnung im Konferenzraum.

Aber ich präsentierte drei Zeugen. Daraufhin argumentierten sie: Oh, das Treffen fand doch statt, aber der Präsident wäre missverstanden worden. Er hätte nur sicherstellen wollen, dass ich jede Möglichkeit ins Kalkül ziehe. Doch genau das hat Bush nicht getan. Er fragte mich nicht, ob die Saudis hinter dem Anschlag steckten oder der Iran. Nein, er sagte Saddam. Irak. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Regierung hat die Tragödie des 11. September als Rechtfertigung benutzt, um das zu tun, was sie schon vorher tun wollte.

Im Juli veröffentlicht die 9/11-Kommission ihren Bericht, der auch die Versäumnisse der Regierung vor den Anschlägen offen legen wird. Warum ist es Ihnen nie gelungen, Präsident Bush von der Gefahr einer solchen Attacke zu überzeugen?

Ich habe es ja versucht. Gleich am Anfang seiner Regierungszeit hatte ich darum gebeten, ein Kabinettstreffen zum Thema al Qaeda durchzusetzen. Er wollte das nicht. Er wollte das auf Stellvertreter-Ebene halten. Bei diesem ersten Treffen begann ich zu erklären, warum al Qaeda die größte terroristische Gefahr ist. Da widersprach Paul Wolfowitz: "Sie überschätzen al Qaeda. Es muss einen Staat hinter al Qaeda geben, den Irak." Ich antwortete ihm: "Komm schon, wir haben das alle untersucht, auch FBI, CIA, die Medien - al Qaeda bekommt weder Training noch finanzielle Unterstützung vom Irak." Wolfowitz wollte es nicht wahrhaben.

Sie kennen Wolfowitz, Rumsfeld und Cheney gut. Woher rührt diese Irak-Obsession?

Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Viele dieser Leute hatten hohe Positionen unter Bush senior und fühlten sich schuldig, dass sie Saddam nach dem ersten Golfkrieg im Amt gelassen hatten. Außerdem betrachten sie sich als große Strategen. Sie glaubten wirklich, sie könnten das Saddam-Regime abschaffen und durch eine Demokratie ersetzen, was dann einen Domino-Effekt auf andere Länder in Gang setzen würde. Sie dachten, wir sind die einzig verbliebene Supermacht und können tun, was wir wollen. Nun stellt sich heraus, dass es auch für die einzige Supermacht Grenzen des Machbaren gibt.

Welchen Einfluss hat die Situation im Irak auf den Krieg gegen den Terrorismus?

Er wird einen enorm negativen Einfluss haben. Für die religiösen islamischen Fanatiker war die Invasion des Irak ein Geschenk. Nichts anderes haben sie doch über die Jahre gesagt: dass die Vereinigten Staaten die ölreichen Länder des Nahen Ostens besetzen wollen; dass unsere Soldaten die modernen Kreuzritter sind; dass wir keinen Respekt vor Muslimen und Arabern haben. Und nun sehen sie Bilder, wie wir Frauen aus ihren Häusern treiben, wie wir auf Moscheen schießen, wie amerikanische Soldaten irakische Gefangene misshandeln. Der Gefängnisskandal von Abu Ghreib geht weit über das hinaus, was sie je zu träumen wagten. Perfekt für sie...

... weil sie politisches Kapital daraus schlagen können?

Natürlich. In dreierlei Hinsicht sogar: Diese Bilder motivieren Muslime auf der ganzen Welt, sich entweder dem Dschihad anzuschließen oder ihn zu unterstützen. Zum Zweiten: Die Irak-Invasion führte dazu, dass Truppen aus Afghanistan abgezogen wurden, die al Qaeda bekämpfen sollten. Dort sind jetzt gerade noch 10 000 Soldaten - lächerlich. Und drittens macht uns der Krieg im Irak auch zu Hause anfälliger. Nationalgardisten und Armee-Reservisten, die jetzt in Übersee dienen, fehlen in den Vereinigten Staaten. So eine Attacke wie die in Madrid könnte auch hier passieren.

Halten Sie auch einen weiteren Anschlag in der Größenordnung des 11. September für möglich?

Ich mache mir darüber seit dem 12. September 2001 Sorgen. Man kann zwar in diesem Land kein Flugzeug mehr mit einer Nagelschere besteigen. Aber man kann Wasserstoffbomben in Züge schmuggeln oder Chemiefabriken angreifen. Ich möchte gar nicht in die Details gehen. Die großen Städte sind keineswegs sicherer geworden. Um sie sicherer zu machen, muss Geld investiert werden. Und dieses Geld fehlt. Es wird für einen unnötigen Krieg im Irak ausgegeben.

Ist der Krieg überhaupt noch zu gewinnen?

Nein, ich glaube nicht, dass wir "hearts and minds", Herzen und Verstand der Iraker, gewinnen können. Weder im Irak noch irgendwo in der arabischen Welt. Selbst ohne diese Bilder aus Abu Ghreib hätten wir dieses Problem. Meines Erachtens wird es eine Generation oder länger dauern, ehe die Menschen ihre Einstellung zu den USA verändern. Mindestens.

Sie pflegen immer noch gute Kontakte ins Weiße Haus. Wie ist die Stimmung dort?

Sie sind erschüttert. Sie hatten einen leichten Start mit dem dreiwöchigen Feldzug. Danach kam eine Phase, in der sie begriffen, dass sie keinen vernünftigen Plan für die Besatzung hatten. Aber sie dachten immer noch, dass sie damit durchkommen könnten. Dann folgten die schlimmen Monate März und April, die Zahl der Toten stieg, und sie merkten, dass sie richtig in der Klemme steckten. Sie wussten, dass das Pentagon versagt hatte, genauso wie die CIA bei der Frage der Massenvernichtungswaffen versagt hatte. Und schließlich wurden die Bilder aus Abu Ghreib öffentlich. Jetzt herrscht im Weißen Haus ein Schockzustand. Ein Desaster folgt dem anderen. Es hört gar nicht auf. Und sie sagen zueinander: "Was, zur Hölle, passiert als Nächstes?"

Vermuten Sie das?

Ich weiß es. Das Weiße Haus sieht sich zum ersten Mal mit der Möglichkeit konfrontiert, dass Bush die Wahlen verliert. Sie hatten über diese Möglichkeit nie richtig nachgedacht. Jetzt müssen sie.

Wie viel Schuld trifft Bush selbst?

Wenn der Präsident sich nicht um Details und Fakten kümmert, wenn der Präsident religiös inspirierte Ziele hat, beeinträchtigt das seine Arbeit und die der Regierung. Ich glaube, dass Bush weder eine klare und realistische Vision hat noch eine Ahnung von Details.

Wohin kann diese Politik führen?

Wenn man nur auf den Irak starrt, dort einmarschiert und die Region damit noch unsicherer macht - was passiert dann außerhalb des Irak? Was passiert etwa, wenn der Fanatismus weiter ansteigt? Es ist doch vorstellbar, dass in fünf oder sechs Jahren das saudische Königshaus fallen könnte - ebenso wie der Schah im Iran 1979 fiel. Und genau wie der Schah von einem radikalen Gottesstaat abgelöst wurde, könnte das auch in Saudi-Arabien passieren. Oder Pakistan: Präsident Musharraf wäre ein paar Mal fast getötet worden. Wir wissen, dass Anhänger der Gotteskrieger dort im Militär und im Geheimdienst sitzen. Wir wissen auch, dass bin Laden viele Unterstützer in Pakistan hat. Was, wenn die derzeitige Militärregierung weggefegt und von einer radikalen ersetzt wird, die dann auch noch im Besitz von Atomwaffen wäre. Sind wir dann besser dran?

Über das Chaos im Irak ist Osama bin Laden fast in Vergessenheit geraten.

Ich bin gar nicht sicher, ob er sich noch im pakistanisch-afghanischen Grenzbereich aufhält. Unsere Truppen haben Afghanistan durchkämmt, und die Pakistanis haben das auf ihrer Seite gemacht. Und? Wir haben ihn immer noch nicht. Vielleicht ist er ganz woanders.

Vielleicht ist er schon längst in US-Gewahrsam und wird pünktlich vor den Wahlen der Welt vorgeführt.

Das glaube ich nicht, das wüssten wir. Amerikaner können Geheimnisse nicht für sich behalten.

Interview: Michael Streck und Jan Christoph Wiechmann / DPA
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(