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ANTI-TERROR-KRIEG: Nächstes Angriffsziel: Somalia

Die USA wollen ihren Kampf gegen den Terrorismus offenbar auf Somalia ausweiten. Die Frage sei nicht mehr, ob dort eingegriffen werde, sondern nur noch wann und mit welchen Mitteln.

Der von den USA geführte internationale Kampf gegen den Terrorismus und die Organisation El Kaida soll nach Angaben aus gut unterrichteten Kreisen auch auf Somalia ausgeweitet werden. Die Frage sei nicht mehr, ob dort eingegriffen werde, sondern nur noch wann und mit welchen Mitteln, hieß es am späten Dienstagabend in Brüssel nach einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister. Es sei ein Irrtum zu glauben, die Bekämpfung des Terrorismus sei auf den Einsatz in Afghanistan beschränkt.

NATO in geringem Umfang beteiligt

Die NATO selbst ist nur in geringem Umfang an den derzeitigen Militäreinsätzen beteiligt. Sie ersetzt Flugzeuge und Schiffe, die die USA für die Operationen in Afghanistan benötigt. Bei einer Sitzung des Nordatlantikrates hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Dienstag aber seine Kollegen aus dem Bündnis über die Entwicklung unterrichtet.

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York ging am Dienstag das Tauziehen um die Stationierung einer internationalen Schutztruppe in Afghanistan weiter. Vier Tage vor der Amtsübernahme der neuen Übergangsregierung in Kabul konnten sich die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates nicht auf konkrete Regeln für die Truppe verständigen. Auch in der afghanischen Nordallianz gibt es offenbar Meinungsverschiedenheiten über den Umfang und Auftrag der Schutztruppe.

Gegensätzliche Auffassungen

In diplomatischen Kreisen im New Yorker UN-Hauptquartier hieß es, inzwischen erscheine es »sogar fraglich, ob es ein UN-Mandat noch vor dem 22. Dezember«, dem Amtsantritt der Übergangsregierung in Kabul, geben werde. Vor allem hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen der internationalen Truppe und den US-Streitkräften im Anti-Terror-Krieg bestünden weiterhin gegensätzliche Auffassungen.

»Großbritannien strebt praktisch die Unterstellung der Schutztruppe unter das Afghanistan-Kommando der Amerikaner in Miami an«, sagte ein Diplomat. Aus französischen UN-Kreisen verlautete, dass Paris dies ablehne. Auch Deutschland, das allerdings nicht im Sicherheitsrat vertreten ist, will nicht, dass die Amerikaner mit Hilfe des vorgesehenen britischen Kommandos die Schutztruppe dirigieren können.

Der künftige Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, traf am Dienstagabend in Rom mit dem afghanischen Ex-König Sahir Schah zusammen. Einzelheiten des Gesprächs wurden nicht bekannt. Das italienische Fernsehen berichtete, Karsai habe seine politische Verbundenheit mit dem 87-jährigen Ex-Monarchen betont.

Weitere Video-Aufzeichnungen gefunden

Unterdessen wurde bekannt, dass US-Truppen in Afghanistan weitere Videoaufzeichnungen von Osama bin Laden gefunden haben. Wie US- Präsident George W. Bush vor Führern des US-Kongresses mitteilte, würden die Bänder derzeit von Spezialisten untersucht. Ob sie weitere Hinweise auf die Rolle Bin Ladens als mutmaßlicher Drahtzieher der Teroranschlägen vom 11. September in New York und Washington enthielten, sei aber noch nicht bekannt.

Nach Angaben des stellvertretenden US-Generalstabschefs Peter Pace wurde in mehreren Stützpunkten der El Kaida auch Bauanleitungen für konventionelle und biologische Bomben sichergestellt. Allerdings gebe es keine Hinweise, dass die Terroristen diese Waffen tatsächlich gebaut haben, sagte Pace. Bislang seien in Afghanistan rund 50 Objekte der El Kaida untersucht worden.

Die andauernde Suche nach Osama bin Laden in der Bergregion Tora Bora im Osten Afghanistans beschrieb Pace als langwierig und schwierig. In dem Gebiet gebe es viele Täler, jedes mehrere Kilometer lang. Und in jedem Tal gebe es wiederum mehrere hundert Höhlen, die alle untersucht werden müssten, sagte Pace.