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Attacke auf Gaza-Hilfsflotte: "Ich glaube, Israel hat auf diesem Schiff Mord begangen"

Es sind schwere Vorwürfe, die Henning Mankell gegenüber Israel ausspricht. Der durch die Kommissar Wallander-Reihe bekannte Krimiautor war Augenzeuge der Militäraktion, mit der Israel einen Hilfskonvoi für den Gazastreifen stoppen wollte. Bei der Aktion waren zehn Menschen getötet worden.

Bestsellerautor Henning Mankell ist zutiefst erschüttert über die israelische Militäraktion auf den Hilfskonvoi für den abgeriegelten Gazastreifen. "Ich glaube, Israel hat auf diesem Schiff Mord begangen", sagte Mankell am Donnerstag in Berlin kurz vor seiner Lesung zu seinem Kriminalroman "Der Feind im Schatten".

Mankell befand sich unter 700 Aktivisten, zu denen auch zwei deutsche Linke-Abgeordnete zählten. Sie waren an Bord eines der sechs Schiffe der Solidaritätsflotte, die am Montag von israelischen Streitkräften angegriffen wurde. Mankells erste Stationen der Lesereise in Zürich und Konstanz mussten aufgrund des Vorfalls ausfallen.

"Ich war da, in einem der Schiffe, die angegriffen wurden", erzählte der Krimiautor der Presse. Von einem der kleineren Schiffe, vielleicht aus einem Kilometer Entfernung, habe er beobachtet, wie das Passagierschiff mit den Verletzten und Toten gestürmt wurde. Erst zwei Tage später, als er mit der Lufthansa gen Heimat geflogen sei, habe er erfahren, dass zehn Menschen dabei getötet wurden.

Deutlich vor israelischem Gebiet

Er sei sicher, dass sie sich noch deutlich vor israelischem Gebiet aufhielten, als der Angriff erfolgte. "Es war vier Uhr morgens und Schüsse weckten die Besatzung", erzählte Mankell. Maskierte Soldaten mit Maschinengewehren hätten auch das Schiff geentert, auf dem er sich befand. Die Pro-Gaza-Aktivisten hätten in einer kleinen Gruppe zusammengesessen, während die Israelis das Schiff durchsuchten.

"Ein Waffenfund" von Rasierklingen und Messern zum Kartonaufschneiden habe als Grund ausgereicht, das Schiff zu beschlagnahmen und nach Israel zu verschleppen. "Wir wurden gekidnappt", entrüstete sich Mankell.

Elf Stunden hätten sie die Sonne nicht gesehen, weil sie festgehalten worden seien. Einzeln wurden sie dann vorgeladen, wie der Bestsellerautor sagte. Vorgeworfen worden sei ihnen, sie hätten Israel illegal betreten.

Zu acht Personen hätten sie dann in einem kleinen Raum ausgeharrt. Ein schwedischer Abgeordnete habe es letztendlich geschafft, Kontakt zu ihrer Botschaft einzufordern.

Mankell völlig ausgenommen

Die israelischen Soldaten stahlen dem schwedischen Schriftsteller alles, was er bei sich hatte: Handy, Kamera, Kreditkarte, Kleidung - sogar seine Socken, so dass er barfuß in den Flieger steigen musste, erzählte Mankell. Er habe zwar damit gerechnet, dass die Israelis die Schiffsmaschinen mit Waffeneinsatz außer Gefecht setzen würden. Der Tod der zehn Menschen mache ihn aber sehr traurig. "Das war das Dümmste, was sie hätten tun können", sagte Mankell. Er sei jetzt sehr müde: Er habe viel Gewalt und Aggression gesehen, aber auch viel Courage. Es sei ein kleiner Schritt vorwärts, dass der Vorfall so viele Reaktionen ausgelöst habe. Um sich für Hilfsgüter in den Gazastreifen einzusetzen und gegen die Blockade, würde er wieder an Bord gehen. "Ich habe nicht soviel Angst", sagte er.

Young-Sim Song, APN / APN