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Nach Angriff auf Hilfskonvoi: Aktivisten planen neue Hilfslieferungen nach Gaza

Die Organisation "Free Gaza" lässt sich von der israelischen Attacke nicht abschrecken und plant bereits den nächsten Hilfskonvoi in den abgeriegelten Gaza-Streifen. Derweil hat die Hamas die Annahme der von Israel überbrachten Hilfslieferungen abgelehnt.

Nach dem israelischen Militäreinsatz gegen den Gaza-Hilfskonvoi sind in der Nacht zum Donnerstag fast 500 der noch festgehaltenen Aktivisten in die Türkei und nach Griechenland ausgeflogen worden. Türkische Flugzeuge brachten 466 der Freigelassenen - unter ihnen sechs Deutsche und vor allem Türken - nach Istanbul. An Bord waren auch die Leichen der neun bei dem Zwischenfall erschossenen Männer. In Athen trafen in der Nacht 35 freigelassene Gaza-Aktivisten ein. Die islamisch-türkische Hilfsorganisation IHH kündigte inzwischen an, sie wolle die Blockade des Gazastreifens mit neuen Hilfsflotillen brechen.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, dass gegen die Verantwortlichen des israelischen Angriffs auf die Gaza-Hilfsflotte Strafanzeige gestellt werde. "Wir werden das nicht auf sich beruhen lassen", sagte Erdogan am Donnerstag. Er begrüßte, dass mit der starken internationalen Reaktion auf den Angriff auch das Leid der Palästinenser im Gazastreifen wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt worden sei.

Die neun bei dem israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte getöteten Männer wurden inzwischen identifiziert. Acht von ihnen stammen aus der Türkei, einer sei türkischstämmiger US-Bürger. Dies sei das Ergebnis von Untersuchungen in Istanbul, teilten die Behörden mit.

Aktivisten kämpfen weiter gegen Embargo

Die Hilfsorganisation IHH kündigte unterdessen neue Konvois gegen die israelische Seeblockade an. "Wir machen weiter, bis das Embargo aufgehoben ist", sagte IHH-Vorsitzender Bülent Yildrim nach seiner Abschiebung aus Israel. Seine Organisation wolle die ganze Welt an noch größeren Konvois beteiligen, die von Land und See aus geplant seien.

US-Vizepräsident Joe Biden unterstrich das Recht Israels, die Gaza-Flotille auf mögliche Waffen und andere unerlaubte Güter zu überprüfen. "Israel hat das Recht zu wissen, ob Waffen eingeschmuggelt werden", sagte Biden in einem Fernsehinterview. Schließlich befinde sich Israel "im Krieg" mit der radikal-islamischen Palästinenser-Organisation Hamas.

Israel will keine internationale Untersuchung

Führende US-Regierungsbeamte erklärten der "New York Times", dass die Regierung von Präsident Barack Obama die Seeblockade des Gaza-Streifens als "unhaltbar" betrachte. Zudem dränge Washington auf eine neue Politik, mit der mehr Güter in den verarmten Gazastreifen gelangen könnten. "Der Gazastreifen ist in der arabischen Welt zum Symbol dafür geworden, wie Israel die Palästinenser behandelt, und wir müssen das ändern", wurde ein Regierungsbeamter zitiert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Israel auf, die Gaza-Blockade mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Sie "ist kontraproduktiv, nicht nachhaltig und unrecht", sagte Ban am Mittwochabend in New York.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat sich gegen eine internationale Untersuchung des blutigen Angriffs der Gaza-"Solidaritätsflotte" ausgesprochen. "Wir sind erwachsen genug, um damit selbst klarzukommen", sagte der ultra-rechte Minister dem israelischen Rundfunk am Donnerstag. "Wir brauchen hier keinen Vormund." Er sprach sich für eine interne Untersuchung der Vorfälle mit Hilfe angesehener israelischer Juristen aus.

Hamas verweigert Annahme der Hilfslieferungen

Im Gazastreifen verweigerte die Hamas die Annahme der Güter, die Israel von den Schiffen der "Solidaritätsflotte" abgeladen und auf Lastwagen verfrachtet hatte. Während mehrere Lastwagen mit Medikamenten, Nahrungsmitteln, Rollstühlen und Kinderspielzeug am Grenzübergang Kerem Schalom zwischen Israel und dem Palästinensergebiet auf Abfertigung warteten, stellte Hamas-Wohlfahrtsminister Ahmed al-Kurd für die Annahme mehrere Bedingungen. Unter anderem müsse Israel zunächst alle Gefangenen von der Gaza "Solidaritätsflotte" freilassen, forderte Al-Kurd. Nach israelischen Angaben sind bereits alle Häftlinge frei, bis auf drei Gefangene, die wegen "verfahrenstechnischer Probleme" noch in Israel seien.

Derweil fuhren von Ägypten aus Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen. Nach Angaben von Beobachtern waren am Grenzübergang Rafah auf der Sinai-Halbinsel am Mittwoch insgesamt 25 Lastwagen abgefertigt worden. Präsident Husni Mubarak hatte den von ägyptischer Seite seit 2007 geschlossenen Grenzübergang nach dem Angriff auf den Hilfskonvoi geöffnet.

DPA/AFP / DPA