Bangkok nach den Unruhen Feuerwehr entdeckt zehn Leichen in Kaufhaus


In einem ausgebrannten Warenhaus in Bangkok hat die Feuerwehr zehn Leichen gefunden. Über die Todesursache herrscht Unklarheit. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva ruft derweil zur Versöhnung auf.

Schrecklicher Fund in der ausgebrannten Ruine des Central-World-Einkaufszentrums in Bangkok: Nach Medienberichten wurden dort am Freitag zehn Leichen entdeckt. Frustrierte Rothemden hatten das Gebäude am Mittwoch aus Protest gegen die Militäraktion in Brand gesteckt. Es war ausgebrannt und eingestürzt. Die Feuerwehr machte keine Angaben über die Todesursache. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der jüngsten Unruhen vor einer Woche liegt jetzt bei über 60. Mehr als 100 Rothemden sind unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen worden. Ein Gericht lehnte Kautionsanträge ab, berichtete die Zeitung "Nation".

Polizei und Armee fanden bei den Aufräumarbeiten in dem geräumten Lager der Demonstranten jede Menge Waffen, darunter Granaten und Maschinengewehre. Im Four Seasons Hotel seien mit Sprengstoff versehene Gaskanister gefunden worden, berichtete die "Bangkok Post" unter Berufung auf einen Militärsprecher.

Zwei Tage nach der Militäroffensive gegen die Regierungsgegner setzt der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva unterdessen auf Versöhnung. Sämtliche Vorgänge seit Beginn der teils blutigen Proteste Mitte März einschließlich der Rolle der Sicherheitskräfte würden unabhängig untersucht und transparent gemacht, sagte Abhisit am Freitag in einer Fernsehansprache. Er bezeichnete die jüngste Gewalt als "eine der schlimmsten Episoden, die Thailand je erlebt hat."

Abhisit schweigt zu möglichen Neuwahlen

Abhisit sagte, die Regierung werde Pläne vorlegen, um Demokratie und Gerechtigkeit unter Beteiligung aller Gesellschaftsschichten sicherzustellen. Er machte aber keine Angaben zu etwaigen Neuwahlen, wie die Rothemden sie gefordert hatten. "Es liegen riesige Herausforderungen vor uns, besonders die Überwindung der tiefen Gräben, die sich in unserem Land aufgetan haben."

Nach wochenlangen Protesten mit der Besetzung eines wichtigen Geschäftsviertels war die Armee am Mittwoch gegen die Demonstranten vorgerückt. Die Anführer der oppositionellen Rothemden ergaben sich. Enttäuschte Rothemden zogen daraufhin randalierend durch die Straßen und setzten mindestens 35 Gebäude in Brand.

Aus Sorge vor weiteren Ausschreitungen halten die Behörden eine nächtliche Ausgangssperre aufrecht, die Aufräumarbeiten gehen derweil weiter. Das seit Ostern besetzte Ratchaprasong-Geschäftsviertel ist für die Öffentlichkeit noch geschlossen, die deutsche Botschaft will am Montag ihre Pforten wieder für den Publikumsverkehr öffnen.

DPA DPA

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