Benazir Bhutto Lebensstationen einer machtbewussten Frau


Die in Rawalpindi ermordete pakistanische Ex-Regierungschefin war eine Frau, die die Mechanismen der Macht und der Machtkämpfe in ihrem Land von klein auf genau kannte - und nun doch darin umkam. Auch ihr Vater war einen gewaltsamen Tod gestorben.

Die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto ist bei einem Selbstmordattentat nach Angaben eines Parteisprechers getötet worden. "Um 18.16 Uhr ist sie verschieden", sagte Wasif Ali Khan, Mitglied von Bhuttos Partei, der sich in der Klinik von Rawalpindi aufhielt, wohin Bhutto nach dem Attentat gebracht worden war. Kurz nach der Explosion hatte es zunächst geheißen, Bhutto habe den Anschlag unverletzt überstanden. Bhutto war die erste Regierungschefin der islamischen Welt, musste aber unter heftigen Korruptionsvorwürfen wieder abtreten und das Land verlassen.

Geboren am 21. Juni 1953, trat Benazir Bhutto bald in die Fußstapfen ihres Vaters Zulfikar Ali Bhutto. Der Präsident und Ministerpräsident schickte seine älteste Tochter zum Studium von Politik und Verwaltung nach Oxford und Harvard. Sein Sturz durch einen Militärputsch im Jahr 1977 und seine folgende Hinrichtung waren prägende Erfahrungen für Benazir Bhutto. Unter der Herrschaft von General Zia ul Haq wurde sie mehrere Male verhaftet, ehe sie 1984 nach England ins Exil gehen konnte. Zwei Jahre später kehrte sie zurück und führte Massendemonstrationen für die Wiederherstellung der Zivilregierung an.

Die Wende kam 1988

Nach Zias Tod bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz bekam Benazir Bhutto das erste von drei Kindern, führte ihre Pakistanische Volkspartei (PPP) zum Wahlsieg und wurde die erste Ministerpräsidentin eines islamischen Staates. Schon bald aber geriet sie mit der militärischen Elite aneinander. Nach 20 Monaten wurde ihre erste Regierung unter Korruptionsvorwürfen entlassen. 1993 wurde Bhutto zwar wiedergewählt. Aber die Zeit der Schicksalsschläge war damit nicht zu Ende: 1996 wurde Benazirs Bruder Murtaza bei einer Schießerei mit der Polizei in Karachi getötet. Ihr jüngster Bruder Shahnawaz war bereits ein Jahrzehnt zuvor unter ungeklärten Umständen in Frankreich gestorben. Benazir warf Präsident Farooq Leghari vor, am Tod von Murtaza mitschuldig zu sei.

Bald darauf entließ dieser auch ihre zweite Regierung nach neuen Vorwürfen der Misswirtschaft. 1996 musste Bhutto ihrem Rivalen Nawaz Sharif den Vortritt lassen, und unter der neuen Regierung wurden die Ermittlungen wegen Korruption weiter vorangetrieben. Bhutto entschied sich zur Ausreise, kurz bevor sie ein Gericht im April 1999 schuldig sprach und ihr jede politische Betätigung untersagte. Das Urteil wurde später zwar aufgehoben, doch blieb Bhutto weiter im Exil. Ihre Rückkehr nach Pakistan bereitete sie in Gesprächen mit Militärmachthaber Pervez Musharraf vor. Und sie ist mit einer Kampfansage an die islamischen Extremisten gekommen, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan festgesetzt haben. "Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Dschihadisten, die Taliban und die Al Kaida am meisten fürchten", schrieb sie in ihrer Autobiographie. "Ich bin eine politische Führerin, die darum kämpft, Moderne, Kommunikation, Bildung und Technik nach Pakistan zu bringen."

AP AP

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