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EU-Austritt: Reaktionen in Zitaten: So kommentieren Politiker das Brexit-Chaos in Großbritannien

Nach dem beispiellosen Brexit-Chaos in Großbritannien sind auch Politiker um Fassung bemüht. Der Angst vor einem chaotischen Austritt der Briten aus der EU wächst. Reaktionen aus der Politik im Wortlaut.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat mit dem Nein des Parlaments zum Brexit-Deal eine in der Geschichte des britischen Parlaments beispiellose Niederlage erlitten. Die EU erwartet von ihr jetzt einen schnellen Plan B. Ausgewählte Zitate zur historischen Abstimmung am Dienstagabend:

"Das Unterhaus hat gesprochen und die Regierung wird zuhören."

"Jeder Tag, der vergeht, ohne dass dieses Problem gelöst wird, bedeutet mehr Unsicherheit, mehr Bitterkeit und mehr Groll."
(Premierministerin Theresa May am Dienstag im britischen Parlament nach der Ablehnung des Brexit-Abkommens, das sie mit Brüssel ausgehandelt hatte)

"Die Zeit ist fast abgelaufen."
(EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach der Abstimmung)

Merkel: "Schaden so gering wie möglich halten"

"Ich bedaure sehr, dass das britische Unterhaus dem Abkommen zum Austritt Großbritanniens eine Absage erteilt hat. Wir glauben, dass es jetzt an der britischen Seite ist - und die Premierministerin hat das ja auch angekündigt - uns zu sagen, wie es weitergeht. Wir wollen den Schaden - es wird in jedem Fall einen Schaden geben durch den Austritt Großbritanniens - so klein wie möglich halten. Deshalb werden wir natürlich versuchen, eine geordnete Lösung weiter zu finden. Aber wir sind auch vorbereitet, dass es eine solche geordnete Lösung nicht gibt."
(Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Statement am Mittwoch)

"Wir müssen jetzt auch einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn das Herz da wirklich schwer ist heute."
(CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Neujahrsempfang des Parlamentskreises Mittelstand in Berlin)

"Wir sind vorbereitet. Aber ein ungeregelter Brexit ist die schlechteste aller Möglichkeiten, für die EU, besonders aber für Großbritannien."
(Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) auf Twitter) 

"Wer hat den Mut, zu sagen, was die einzig positive Lösung ist"

"Wenn ein Deal unmöglich ist und niemand einen No-Deal will, wer wird den Mut haben zu sagen, wie die einzige positive Lösung aussieht?"
(EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter)

"Das macht allen Angst."
(Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur Möglichkeit eines ungeordneten Brexit)

"Ein geordneter Austritt bleibt in den nächsten Wochen unsere absolute Priorität"
(EU-Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier)

"Es wird jedenfalls keine Nachverhandlungen zum Austrittsabkommen geben."
(Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf Twitter)

"Die Zeit der politischen Spielchen ist vorbei"
(Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Ska Keller)

"Nach Mays krachender Niederlage sollte es Neuwahlen geben."
(Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht auf Twitter)

Brexit: Parlament hat versagt, Volk erneut befragen

"Das britische Parlament findet keinen Ausweg aus der Krise. Es ist daher an der Zeit, dass Großbritanniens Politiker wieder das Volk entscheiden lassen."
(Der SPD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Udo Bullmann, beim Redaktionsnetzwerk Deutschland)

"Wenn der parlamentarische Prozess erschöpft ist, erscheint es mir logisch, das Volk erneut zu befragen."
(Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, in den "Stuttgarter Nachrichten")

"Dieses Abkommen ist tot."
(Der frühere britische Außenminister Boris Johnson über das Abkommen zum EU-Austritt.)

"Deutsche Firmen haben Flexibilität häufig bewiesen"

"Ein chaotischer Brexit rückt in gefährliche Nähe."
(BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang)

"Deutsche Unternehmen haben immer wieder gezeigt, dass sie flexibel und schnell auf Schocks reagieren können."
(Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, zu den Konsequenzen für deutsche Unternehmen)

"Vermutlich reift in dieser Phase in Großbritannien die Einsicht, die Briten ein zweites Mal über den Brexit abstimmen zu lassen. Das halte ich für wahrscheinlicher als einen ungeordneten Brexit, der zu großen wirtschaftlichen Problemen führen würde."
(Chef-Volkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer)

dho / DPA / AFP