VG-Wort Pixel

Bürgerkrieg in Syrien Frankreich fordert neuen Vermittlungsversuch


Mit Sanktionen gegen Syrien: Angesichts der heftigen Kämpfe in Aleppo fordert Paris die nächste Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Die USA sehen die Schlacht um die Stadt als "Sargnagel Assads".

Frankreich verlangt wegen des anhaltenden Blutvergießens in Syrien eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats - und will dort den chinesischen und rusischen Widerstand gegen ernsthafte Strafmaßnahmen für Machthaber Baschar al-Assad brechen. Paris werde noch vor Ende der Woche den Antrag stellen, dass das Gremium möglichst auf Ministerebene zusammenkomme, sagte Außenminister Laurent Fabius dem Radiosender RTL.

Der Rat, in dem Frankreich am Mittwoch den Vorsitz übernimmt, müsse "alles unternehmen", um die Gewalt in Syrien zu stoppen, fügte Fabius mit Blick auf China und Russland hinzu, die Sanktionen gegen Assad seit Monaten blockieren.

Kriegsgegner streiten über Fortschritte

Über die Lage in der schwer umkämpften syrischen Millionenstadt Aleppo herrscht Unklarheit. Syrische Regierungstruppen wollen nach eigenen Angaben das südwestliche Stadtviertel Salaheddin eingenommen haben. Die Aufständischen bestritten dies vehement. Ein Panzerangriff sei zurückgeschlagen worden, berichteten Regimegegner.

Das Militär von Präsident Assad hatte am Samstag eine Großoffensive gegen die Stellungen der Aufständischen in Aleppo gestartet. Der Sturm der Regierungstruppenist nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Leon Panetta der "Sargnagel" für Staatschef Assad. Assad habe jegliche Legitimität verloren. Je mehr Gewalt er anwende, desto mehr stelle er sicher, dass "das Regime seinem Ende zugeht". Die Frage sei nicht mehr, ob Assad stürze, sondern wann, fügte der Pentagonchef hinzu.

200.000 Menschen fliehen aus Aleppo

Rund 200.000 Menschen sind nach Schätzungen von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond in den vergangenen Tagen vor den schweren Kämpfe aus Aleppo geflohen. Aber noch viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften sich in der Stadt aufhalten. "Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen", erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Sonntag in New York.

Sie forderte die die Regimetruppen von Präsident Baschar al Assad und die Aufständischen auf, Zivilisten zu verschonen und Helfern sicheren Zugang zu gewähren.

Nationalrat kündigt Bildung einer Übergangsregierung an

Unterdessen kündigte der oppositionelle Syrische Nationalrat Gespräche zur Bildung einer Übergangsregierung an. Ein erstes Treffen sei für diesen Dienstag in Kairo geplant, sagte Nationalratsmitglied Halit Hoca in Istanbul. Ziel sei es, außerhalb Syriens eine Regierung zu bilden in Opposition zu dem Regime von Assad.

Die Regimetruppen griffen die Stellungen der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) das ganze Wochenende über in mehreren Bezirken Aleppos an. Dabei kamen auch Raketenwerfer und von Hubschraubern abgesetzte Luftlandetruppen zum Einsatz. Das staatliche syrische Fernsehen sprach von einer großangelegten "Operation zur Säuberung Aleppos von bewaffneten terroristischen Gruppen".

FSA-Kommandos waren vor etwas mehr als einer Woche erstmals in Aleppo eingerückt. Die Geschäftsmetropole im Norden Syriens ist nur 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Aufständischen hatten mehrere Stadtbezirke, aber auch das Gebiet bis zur türkischen Grenze unter ihre Kontrolle gebracht. Wegen der strategischen Bedeutung der Großstadt liegt dem Regime in Damaskus viel daran, die Rebellen von dort zu vertreiben. In den vergangenen Tagen hatte es Tausende Soldaten aus anderen Landesteilen zusammengezogen und vor Aleppo in Stellung gebracht.

fw/jar/AFP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker