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Bürgerkrieg in Syrien USA und Türkei beraten über möglichen Eingriff


Die blutigen Auseinandersetzungen in Syrien gehen weiter: Während am Donnerstag über 50 Menschen getötet wurden, trafen sich Vertreter aus USA und Türkei, um eine mögliche Intervention zu planen.

Die Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den Revolutionsbrigaden haben sich am Donnerstag auf die Großstädte Damaskus und Aleppo konzentriert. Bis zum Mittag zählten die Regimegegner 55 Tote, darunter zehn Männer, deren Leichen im Damaszener Stadtviertel Kafr Susa gefunden wurden. Die Männer seien nicht im Kampf gefallen, sondern in Gefangenschaft getötet worden, hieß es aus Syrien.

Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad veröffentlichten zudem ein Video aus der Provinz Idlib. Es zeigt ihren Angaben zufolge mehrere Soldaten, die wie Assad der Minderheit der alawitischen Muslime angehören. Sie sollen von den Aufständischen an einer Straßensperre nahe der Ortschaft Kafr Nabl überwältigt worden sein.

Militärintervention scheint möglich

Währenddessen haben die Türkei und die USA die Arbeit an gemeinsamen Notfallplänen mit Blick auf eine mögliche Intervention in Syrien aufgenommen. Diplomaten, Militärs und Geheimdienstler beider Seiten kamen am Donnerstag in Ankara zum ersten Treffen dieser Art zusammen, wie aus dem türkischen Außenamt verlautete. Die Außenminister beider Länder, Ahmet Davutoglu und Hillary Clinton, hatten vor zehn Tagen in Istanbul den Beginn einer detaillierten "Operationsplanung" für Syrien angekündigt.

Ankara und Washington wollen damit einen Machtwechsel beschleunigen und Vorkehrungen für die Zeit nach einem Sturz der Regierung von Präsident Baschar al-Assad treffen. Bei dem Treffen in Ankara am Donnerstag ging es unter anderem um mögliche Reaktionen für den Fall, dass das syrische Regime die Chemiewaffen des Landes aus den Depots holt oder gar gegen die Opposition einsetzt. Die USA hatten dies als "rote Linie" bezeichnet, deren Überschreiten eine militärische Intervention auslösen könnte. Washington ist besorgt, dass Chemiewaffen radikalen Islamisten in die Hände fallen könnten.

Türkei will PKK in Syrien den Boden entziehen

Nach Presseberichten wollen die USA zusammen mit der Türkei auch Übergriffe der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit gegen Alewiten, Christen oder Juden in Syrien verhindern. Für die Türkei geht es in den Gesprächen unter anderem um die mögliche Einrichtung einer Schutzzone für Flüchtlinge auf syrischem Gebiet, falls sich der Zustrom von Menschen aus dem Nachbarland in die Türkei weiter verstärkt. Derzeit halten sich rund 70.000 Syrer in türkischen Auffanglagern auf; die Türkei hat angedeutet, dass sie nicht mehr als 100.000 Menschen versorgen kann.

Daneben will Ankara mit Washington auch über die Präsenz der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Norden Syriens sprechen. Die Türkei befürchtet, dass die Kurdenrebellen das Gebiet als Ausgangspunkt für Terrorakte auf türkischem Boden nutzen könnten. Die Regierung in Ankara hat Syrien vorgeworfen, der PKK einige Gegenden in Nordsyrien regelrecht überlassen zu haben. Die Türkei behält sich Militärschläge gegen die Kurdenrebellen im Nachbarland vor.

juho/DPA/AFP DPA

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