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"Entschuldigung für Nazismus" Deutsche Botschaft verurteilt chilenische Zeitung für Artikel über Hermann Göring

Hermann Göring bei seiner Anhörung während der Nürnberger Prozesse am 21.11.1945
Hermann Göring wurde bei den Nürnberger Kriegsverbrecher Prozessen zum Tode verurteilt. Von seinen Schandtaten war im Artikel des "Mercurio" nichts zu lesen.
© Uncredited / DPA
Er war Chef der Luftwaffe, Nummer 2 im NS-Staat und verurteilter Kriegsverbrecher. All das hat eine chilenische Zeitung offenbar vergessen und zeichnet ein anderes Bild von Hermann Göring. Viele Stellen zeigten sich schockiert.

Die deutsche Botschaft in Chile hat die größte rechtskonservative Zeitung des Landes für einen Artikel über den Kriegsverbrecher Hermann Göring verurteilt. Das Blatt "El Mercurio" veröffentlichte in seiner Sonntagsausgabe zum 75. Todestag Görings ein illustriertes Stück über den ehemaligen Chef der Luftwaffe im Dritten Reich und zeichnete seinen Werdegang nach. Die Überschrift des Artikels lautete: "Hermann Göring – der Nachfolger Hitlers". 

Deutsche Botschaft reagiert mit klaren Worten

Auffällig war, dass Görings Kriegsverbrechen und seine Funktion im NS-Regime kaum Beachtung fanden. Viel mehr fokussierte sich der Artikel auf seine Verdienste und seine "erfolgreiche" militärische Laufbahn. 

Die deutsche Botschaft in Chile reagierte mit klaren Worten auf den Artikel. Auf Twitter schrieb sie: "Es ist nicht üblich, dass die Botschaft Zeitungsartikel öffentlich kommentiert. Wir wollen es nur ganz deutlich machen: Diese Figur, H. Göring, hat Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und war eine der Säulen des NS-Regimes." 

Es ließe nicht den geringsten Spielraum, seine schändliche Rolle im Nazi-Regime und im Holocaust moralisch und politisch zu rechtfertigen oder zu minimieren – und noch viel weniger rechtlich. 

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, bezeichnete die Organisation der jüdischen Gemeinde in Chile den Artikel als "inakzeptabel" und als "Entschuldigung für den Nazismus". 

Den Vorwurf eines "direkten Affronts" gegen die Opfer des Holocaust beantwortete die Zeitung mit einem kurzen Biref, in dem sie "zutiefst bedaure", dass der Artikel als ein solcher interpretiert worden sein.

"El Mercurio" ist noch immer wichtiges Leitmedium in Chile

"El Mercurio" hat eine bewegte Geschichte. Es ist die älteste Zeitung der Welt in spanischer Sprache und gilt auch heute noch als wichtigstes Leitmedium in Chile. Sie wurde 1827 gegründet und vertritt seitdem eine ausgesprochen konservative Haltung.

Laut "Deutschlandfunk Kultur" war dies besonders während der sozialistischen Regierung von Salvador Allende in Chile zwischen 1970 und 1973 deutlich. 

Schon in Mai druckte die Zeitung ein Nazi-Porträt

Entsprechend positiv habe die Zeitung über den faschistischen Putsch von Augusto Pinochet und das anschließende Militärregime berichtet. Im Nachhinein wurde deutlich, dass "El Mercurio" große finanzielle Unterstützung des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA erhalten hatte. Die CIA erwähnte die Zeitung sogar in einem Memorandum und betonte, sie habe eine große Rolle in der Vorbereitung auf Pinochets Militärputsch 1973 gespielt.

Schon im Mai diesen Jahres hatte die Zeitung ein Nachruf auf eine Nazi-Größe veröffentlicht. Unter der Überschrift "Die Friedensmission des Nazis Rudolf Hess" (La “misión de paz” del nazi Rudolf Hess ) porträtierte das Blatt den verurteilten Nationalsozialisten Rudolf Hess.  

Quellen: The Guardian, Tweet Deutsche Botschaft, Deutschlandfunk Kultur, El Mercurio


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