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Designierter Ministerpräsident in Spanien: Rajoy will es machen wie Real Madrid

Nun hat er es doch geschafft: Im dritten Anlauf wurde Mariano Rajoy zum Ministerpräsidenten Spaniens gewählt. Wer ist der Mann, der das Land wieder in "Europas Topliga" führen will?

Von Birgit Jennen, Madrid

Er mag es gemütlich: Gerade zur Vorweihnachtszeit zieht sich Mariano Rajoy gern mit einem Glas Whisky und einer Zigarre zurück und schaltet den Fernsehapparat an. Wenn dann noch - wie am Sonntag vor den Parlamentswahlen - sein Lieblingsklub Real Madrid zu sehen ist, ist es ein perfekter Abend. Selbst auf dem Platz zu stehen, so hat Rajoy einmal gesagt, das liege ihm nicht. Nach seinem Wahlsieg wird der 56-Jährige jedoch gar nicht anders können. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird der Konservative den Platz betreten, als Spaniens neuer Ministerpräsident.

Doch damit dürfte es erst einmal ungemütlich für ihn werden. Tausende empörte jugendliche Indignados haben in den vergangenen Tagen in der Hauptstadt gegen die Politik demonstriert. Gewerkschaften, Immigranten und Lehrer gehen ebenfalls immer öfter auf die Straße. Die Finanzmärkte haben Spanien ohnehin schon länger im Visier. Ökonomen prognostizieren gar eine Rezession. Kaum ein Experte oder Politiker, der derzeit Optimismus verbreitet. Kaum ein Bürger, so wirkt es, der zuversichtlich ist. Jüngst fragte eine Wählerin Rajoy: "Mariano. Wirst du uns wieder glücklich machen?" Er antwortete: "Ich werde es von jetzt an versuchen."

Spanien steht an einer Kreuzung der Geschichte

Dafür hat er sich viel vorgenommen: Er will das Land erneuern, die Rekordarbeitslosigkeit von 21 Prozent senken, Spaniens Unternehmen zur Weltspitze führen und wieder für "AAA"-Ratings sorgen. Die Rezepte dafür präsentiert er gleich mit. Der Arbeits- und Finanzmarkt muss reformiert, die Staatsfinanzen müssen konsolidiert werden. "Wir stehen an einer wichtigen Kreuzung in unserer Geschichte", schreibt der Jurist in seiner Autobiografie. "Wir können entweder den (wirtschaftlichen) Puls wiedergewinnen, oder wir werden uns wiederfinden als ein Land, das marginalisiert und irrelevant ist."

Das hört sich gut an, ist aber keinesfalls neu: Sparen und Strukturreformen hat schon die Vorgängerregierung versucht. Sein eigentliches Programm ist daher er selbst: Mariano Rajoy - der Krisenmanager: "Um riskante oder schwierige Situationen zu überwinden, braucht man Nerven, Kraft, man muss Opfer und Leistung erbringen und Ausdauer und Hartnäckigkeit beweisen", erklärt Rajoy. Jene Werte, die Spanien in die Topliga des europäischen Profisports geführt hätten. Jene Werte, mit denen der Vater zweier Söhne in den kommenden vier Jahren das Land aus der Krise und in Europas Topliga führen will.

Eigentlich war er schon abgemeldet

Dabei ist seine Führungsfähigkeit selbst in der eigenen Partei eher umstritten. Zweimal wurde er von den Konservativen in die Parlamentwahlen geschickt, 2004 und 2008. Zweimal hat er sie gegen den Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero verloren. 2008 begann dann innerhalb seiner Partei eine regelrechte Hetzkampagne: Die Regierungschefin der autonomen Region von Madrid stellte seine Führungsfähigkeit infrage. Auch sein einstiger Ziehvater José María Aznar stellte sich gegen ihn.

Von da an galt Rajoy als angeschlagen. Statt Führungsfähigkeit halfen ihm politische Seilschaften durch die Krise. Die Kritik an seiner Führung aber verstummt nie: Rajoy zeige sich gern "normal", schrieb der Kolumnist Jaime González von der konservativen Tageszeitung "ABC". Dies erlaube Rajoy, "normale Maßnahmen zu ergreifen, um Spanien in ein normales Land zu verwandeln". Aber diese Normalität berge ein großes Risiko: "die Gefahr der Mittelmäßigkeit". Parteifreunde halten dagegen: "Viele sagen, er hat nicht den Mut oder die Stärke, um Spaniens Probleme zu regeln", so der Generalsekretär eines konservativen Thinktanks. "Aber er hat die Fähigkeit, Leute zu überraschen." Das kann er ihnen nun zeigen.

FTD
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