HOME

Regionalwahl: Katalonien: Wie geht es weiter? Warum das Ergebnis viele Fragen aufwirft

Die Neuwahl in Katalonien hat im Streit mit Spanien keine Lösung gebracht. Zwar haben die Separatisten gewonnen, obwohl sie weniger Stimmen erhielten, doch ihr Spitzenkandidat Puigdemont ist im Exil. Das Ergebnis wirft viele Fragen auf.

Die Wähler in Katalonien haben die spanische Zentralregierung abgestraft: Bei der Regionalwahl am Donnerstag gaben sie den katalanischen Nationalisten, die nach der Unabhängigkeitserklärung von Madrid entmachtet worden waren, erneut eine absolute Mehrheit im Parlament. Kataloniens abgesetzter Regierungschef Carles Puigdemont sprach im belgischen Exil von einer Niederlage der spanischen Zentralregierung: "Die Katalanische Republik hat über die Monarchie gesiegt."

Ein rascher Ausweg aus der spanischen Staatskrise ist nach diesem Ergebnis nicht absehbar. Im neuen katalanischen Regionalparlament gehen 70 von 135 Sitzen an jene drei Parteien, die für eine Abspaltung von Spanien eintreten. Bei der letzten Wahl 2015 hatten sie noch zwei Sitze mehr gehabt. Stärkste Kraft im Lager der Separatisten wurde die Partei des von Spanien als Staatsfeind betrachteten Puigdemont mit 34 Sitzen. Völlig unklar ist, wie eine neuerliche Regierungskoalition der Separatisten aussehen könnte: Ihre prominentesten Führer sind entweder im Gefängnis oder wie Puigdemont im Exil.

Pro-Spanier holen trotz Niederlage mehr Stimmen

Die größte Fraktion im Parlament von Barcelona wird künftig aber eine Partei stellen, die für den Verbleib im spanischen Staatsverbund eintritt: Die liberale Bürgerpartei Ciudadanos gewann mit ihrer charismatischen Spitzenkandidatin Ines Arrimadas 37 Sitze. Die pro-spanischen Parteien gewannen bei der Wahl mit rund 52 Prozent mehr Stimmen als die Unabhängigkeitsbefürworter, die auf knapp 48 Prozent kamen. Dass letztere dennoch die absolute Mehrheit im Parlament haben, liegt an Besonderheiten des Wahlrechts, das Stimmen aus ländlichen Regionen stärker gewichtet. Dort haben die Separatisten ihre Hochburg, während in Kataloniens großen Städten die pro-spanischen Parteien siegten. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 82 Prozent einen Rekord.

Ciudadanos ist strikt gegen eine Loslösung der Region von Spanien. Obwohl sie keine Chance zur Regierungsbildung hat, feierten die Anhänger der 36-jährigen Arrimadas in der Nacht den Erfolg der Partei und riefen immer wieder: "Wir sind Spanier!". Arrimadas jubelte: "Zum ersten Mal hat eine verfassungstreue Partei die Wahl gewonnen!" 

Puigdemont sprach dagegen in Brüssel von einer "Ohrfeige" für Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Der spanische Staat ist geschlagen. Rajoy und seine Verbündeten haben verloren", sagte Puigdemont. Er will sich am Freitagvormittag in Brüssel zu seinen weiteren Plänen äußern. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht ihm die Festnahme, da ein Haftbefehl wegen Rebellion und anderer Delikte gegen ihn vorliegt.

"Wir sind alle Katalonien"

Rajoys konservative Volkspartei wurde bei der Wahl besonders abgestraft: Sie verlor acht ihrer elf Parlamentsmandate. Die siegreiche Spitzenkandidatin der Cuidadanos, Arrimadas warnte die Separatisten in der Wahlnacht vor neuerlichen Alleingängen: "Die Nationalisten werden nie mehr im Namen von ganz Katalonien sprechen können. Wir sind alle Katalonien."

Wie sich das zerrüttete Verhältnis zwischen Barcelona und Madrid nach dem Wahlerfolg der von der Zentralregierung entmachteten Separatisten weiterentwickelt, war am Wahlabend völlig unklar. Beobachter gingen davon aus, dass die Separatisten zunächst keine weiteren Abspaltungsversuche planen, sondern auf Verhandlungen mit Madrid setzen.

Die EU-Kommission erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass sich ihre Haltung in der Katalonien-Frage "nicht ändern" werde. "Es handelt sich um eine Regionalwahl, und das haben wir nicht zu kommentieren", sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Die Kommission hatte wiederholt eine Einmischung in die Auseinandersetzung zwischen Madrid und Brüssel abgelehnt. Ende Oktober rief das Parlament in Barcelona dann die Unabhängigkeit und die "Katalanische Republik" aus. Madrid übernahm daraufhin die direkte Kontrolle über die halbautonome Region, setzte Regionalpräsident Carles Puigdemont und dessen Regierung ab und schrieb Neuwahlen aus. Puigdemont setzte sich nach Brüssel ab, um einer Verhaftung zu entgehen.


mad/AFP/DPA