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Trump vs. Biden Diese Modelle haben jede US-Wahl richtig vorhergesagt – so lauten ihre Prognosen für 2020


Wer wird nächster US-Präsident? Die Forscher Helmut Norpoth und Allan Lichtman haben mit ihren Wahlvorhersagen bislang immer richtig gelegen. Jetzt haben sie ihre Prognosen vorgelegt, wer im November die US-Wahl gewinnen wird.

Über die letzte US-Wahl hält sich hartnäckig die Legende, dass die damaligen Umfragen völlig danebenlagen. Das stimmt zwar nicht, geirrt hatten sich vor allem die zahleninterpretierenden Journalisten und Experten, vor allem aber sind Umfragen nur Stimmungsbilder und keine Prognosen. Letztere dagegen wagen seit vielen Jahren die Forscher Helmut Norpoth und Allan Lichtman, – und ihre beiden Modelle haben bislang den Wahlausgang fast aller US-Präsidentschaftwahlen korrekt vorhergesagt. Nun liegt ihr Ausblick für die anstehende Wahl am 3. November vor.

Die Art und Weise, wie Norpoth und Lichtman zu ihren Ergebnissen kommen, unterscheidet sich völlig vom Vorgehen der Demoskopen. Das "Primary-Modell" des in New York lehrenden Deutschen Norpoth zum Beispiel orientiert sich vereinfacht gesagt an den Ergebnissen der ersten Vorwahlen. Die zugrundeliegende Idee dabei: Der Kandidat, der die ersten Nominierungsabstimmungen deutlich für sich entscheiden kann, setzt sich auch bei der Präsidentschaftswahl durch.

US-Wahl Donald Trump Joe Biden
Es kann nur einen geben: Im November entscheidet sich, ob Donald Trump US-Präsident bleibt oder von Joe Biden abgelöst wird
© AFP

Wahl-Modelle ignorieren die Umfragen

Seit 1912, seit es in den USA das Vorwahlsystem gibt, lag das "Primary-Modell" in 25 von 27 Wahlen richtig. Ausnahmen waren das Jahr 1960, in dem John F. Kennedy mit nur 100.000 Stimmen Vorsprung gewonnen hatte und 2000, als der Demokrat Al Gore zwar die meisten Stimmen bekam, aber das gerichtliche Verbot einer Nachzählung in Florida George W. Bush zum Präsidenten machte. Für die letzte Abstimmung 2016 taxierte Norpoth die Siegeschancen von Donald Trump bereits im Februar des Jahres auf 87 Prozent. Und dieses Jahr?

Der Politikwissenschaftler sieht die Chance, dass der Amtsinhaber wiedergewählt wird, bei satten 91 Prozent. Seinen Berechnungen nach wird Trump 362 Wahlleute gewinnen. Im US-Wahlsystem werden sie von den Bundesstaaten entsendet und sie sind es, die letztlich das Staatsoberhaupt wählen. Für eine Mehrheit im Wahlleutegremium sind 270 Stimmen nötig – der US-Präsident wird Norpoth zufolge also mit einer deutlichen Mehrheit wiedergewählt. Barack Obama kam bei seiner Wiederwahl 2012 nur auf 332 Wahlleute, was bereits ein gutes Ergebnis war.

So viele Bundesstaaten gewinnt Joe Biden

Joe Biden, der sich zu Beginn der Vorwahlen ein enges Rennen mit Bernie Sanders geliefert hat, wird dem Modell zufolge im November also keine Chance haben. Gerade einmal 176 Wahlleute stehen laut Norpoth am Ende für ihn zu Buche. Auf Bundesstaaten heruntergerechnet würde das bedeuten, dass der Ex-Vizepräsident nur in demokratischen Hochburgen wie Kalifornien und New York gewinnen wird, in wichtigen Swing-States wie Ohio und Florida aber das Nachsehen haben wird.

Wie Helmut Norpoth hat auch der Washingtoner Historiker Allan Lichtman eine (fast) makellose Orakel-Bilanz. Er prognostiziert den Wahlausgang anhand eines Fragebogens mit 14 Thesen. Dieser fragt die grundsätzliche Stimmung im Land und Eigenschaften der Kandidaten ab, wie etwa: Wie charismatisch sind die Bewerber, gab es soziale Unruhen, ist die Wirtschaft eingebrochen, kann der Amtsinhaber außenpolitische Erfolge vorweisen? Lichtman hat diese Methode in den 1980er Jahren entwickelt und seitdem alle Wahlergebnisse richtig vorhergesehen. Im Jahr 2000 irrte er sich nur deswegen, weil mit George W. Bush ausnahmsweise ein Kandidat Staatsoberhaupt wurde, der nicht die meisten Stimmen, also den "Popular Vote", gewonnen hatte.

Donald Trump mit weniger Stimmen als Clinton

Seit der umstrittenen Wahl vor 20 Jahren hat sich Lichtman darauf verlegt, nur vorherzusagen, wer gewinnt und nicht wie. 2016 hatte der jetzige Präsident auch deutlich weniger Stimmen erhalten als Kontrahentin Hillary Clinton. Für Trump wagte der Historiker sogar noch eine weitere Prognose: Dass der Mann im Weißen Haus des Amtes enthoben werden würde. Er behielt recht. Zumindest das US-Repräsentantenhaus hat den US-Präsidenten impeacht, die zweite Kammer, der Senat, dagegen nicht, weswegen Trump weiter im Amt bleiben konnte.

Für die anstehende Wahl in drei Monaten hat Lichtman folgenden Gewinner auserkoren: Joe Biden. Sollte er, wie in der Vergangenheit, Recht behalten, dann wird Trump nach nur einer Amtszeit abgewählt. Es sei denn, so Lichtman in seinem Video, die Abstimmung selbst wird massiv beeinflusst, etwa durch "Wähler-Unterdrückung oder die Einmischung Russlands" – Dinge, die seine Methode nicht berücksichtige, so Lichtman.

Einer wird sich bei US-Wahl geirrt haben

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", lautet ein dänisches Zitat. Aber eines ist sicher: Ganz gleich, wer am Abend des 3. November jubeln wird, eines der beiden bislang treffsichersten US-Wahl-Orakel wird seinen ersten Irrtum begangenen haben.

Quellen: "New York Times", Primarymodel.com, US Election Atlas


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