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Russland-Ermittlungen: "Er fühlt die unversöhnliche Macht der Schwerkraft" - wie Trumps Woche wieder im Chaos endete

Donald Trump wollte es seinen Kritikern zeigen und versöhnliche Signale nach Europa schicken. Doch am Ende der Woche dominiert ein ganz anderes Thema seinen Alltag.

Melania und Donald Trump: Schlechte Laune im Weißen Haus

Melania und Donald Trump: Schlechte Laune im Weißen Haus

AFP

Eigentlich hatte er sich vorgenommen, es allen zu zeigen. Er wollte endlich einmal ein positives Signal an seine Kritiker in den Reihen der Republikaner senden, die ihm vorwarfen, zu hart mit den Verbündeten in Europa umzugehen. Also gab er sich beim Treffen mit Jean-Claude Juncker Mitte der Woche versöhnlich, schickte milde Worte gen Osten über den Atlantik und beruhigte damit für kurze Zeit EU-Politiker und Skeptiker in den USA gleichermaßen. Es hätte also eine schöne Woche für Donald Trump werden können, eine an deren Ende er in Ruhe Golf spielen gehen kann. Doch es kam anders.

Das Wochenende ist da und Donald Trump steht unter Druck. Die Russland-Affäre mal wieder. Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen hat sich gemeldet, sagt, Trump habe nicht nur vom Treffen seines Sohnes Trump junior mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja im Vorfeld der Wahlen 2016 gewusst, nein, er habe es sogar genehmigt. Trump weist das zwar zurück, doch er weiß genau, welch zentrale Rolle das Treffen für eine mögliche Wahlkampfeinmischung bedeutet. US-Medien wie CNN berichten, Trump sei am Freitag grimmig gewesen, sei schlecht gelaunt durchs Weiße Haus getapert.

"Die unversöhnliche Macht der Schwerkraft"

Cohen soll bereit sein, gegenüber Sonderermittler Mueller auszusagen, berichteten die Fernsehsender CNN und NBC News. Der Anwalt will demnach bei einem entsprechenden Gespräch zwischen Trump und seinem Sohn dabei gewesen sein. Laut CNN fehlen Cohen allerdings die Beweise, wie etwa Tonaufnahmen von diesem angeblichen Gespräch.

Die "Washington Post" kommentierte bereits: "Trump fühlt die unversöhnliche Macht der Schwerkraft" - und spielt darauf an, dass Trump sich aus seinem Geflecht aus Lügen nicht befreien könne. Die Zeitung blickt vor allem auf den mittleren Westen der USA und die Wähler dort. Nur 28 Prozent in Michigan sollen der Meinung sein, dass Trump es verdient habe, wiedergewählt zu werden. 30 Prozent seien es in Minnesota, 31 Prozent in Wisconsin. Die Midterm-Wahlen im November werden zeigen, wie es wirklich um Trumps Chancen zur Wiederwahl steht.

Donald Trump: Schweigegeld auf verschiedenen Wegen

Neben Cohens Anschuldigungen droht Trump allerdings auch juristischer Ärger von anderer Seite. Stormy Daniels' Anwalt Michael Avenatti führte ins Feld, er vertrete noch drei weitere Frauen, die für ihr Schweigen über angebliche sexuelle Beziehungen zu Trump bezahlt worden seien. "Allen Schweigegeld auf verschiedenen Wegen gezahlt", twitterte Avenatti.

In der vergangenen Woche war bereits der Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Trump und Cohen publiziert worden, in dem es um eine mögliche Schweigegeldzahlung an das frühere "Playboy"-Model Karen McDougal ging. Cohen hatte das Gespräch heimlich aufgezeichnet.

"The Trump of the Week": Wollte Trump wirklich $150.000 bezahlen, um seine Affäre mit einem Playmate zu verbergen?

Auch Cohen steht unter Druck

Cohen steht nun unter massivem juristischen Druck. Gegen ihn wird wegen möglicher illegaler Geschäftspraktiken ermittelt. Dabei soll es laut Medienberichten unter anderem um möglicherweise illegale Schweigegeldzahlungen wie jene an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gehen. Sie will 2006 ein Sexabenteuer mit Trump gehabt haben. Cohen zahlte ihr kurz vor der Wahl 2016 eine Summe von 130.000 Dollar (nach heutigen Wert 112.000 Euro), damit sie darüber schwieg.

Cohen arbeitete rund zehn Jahre lang für Trump und galt als dessen "Ausputzer" - also als der Mann, der hinter den Kulissen unangenehme Angelegenheiten bereinigte. Die Ermittlungen gegen den früheren Trump-Anwalt werden von New Yorker Bundesanwälten geführt, laufen also separat zu den Untersuchungen Muellers. Doch, und das ist das, was Trump die größten Sorgen bereiten dürfte: Auch der Sonderermittler zeigt vehement Interesse an Cohens Insiderwissen über Trump. 

mit / AFP