HOME

Wirbelsturm bedroht US-Ostküste: Trump behauptet, seine Hurrikan-Warnung war korrekt – obwohl die Wetterbehörde widerspricht

Während Hurrikan "Dorian" die Bahamas fest im Griff hat und die US-Ostküste weiter bedroht, versucht US-Präsident Donald Trump eine falsche Sturmwarnung als richtig darzustellen.

13.000 Häuser zerstört: Bahamas: Mindestens fünf Tote durch Hurrikan "Dorian"

Hurrikan "Dorian" wütet über den Bahamas und bedroht die Ostküste der USA – und Donald Trump leistet sich in der Notlage einen Fehltritt nach dem anderen: Am Samstag besuchte der US-Präsident mehrere Stunden lang seinen eigenen Golfclub in Potomac Falls im Bundessstaat Virginia, obwohl er sich in der Zeit eigentlich um die Vorbereitungen auf das Eintreffen des Wirbelsturms kümmern wollte, und dafür sogar extra eine lange geplante Polen-Reise abgesagt hatte. Am Sonntag sorgte Trump mit Aussagen über die Einstufung des Hurrikans in die Kategorie fünf für Irritationen. Und jetzt attackierte er einen Journalisten des US-Senders ABC, weil dieser darüber berichtet hatte, dass der Präsident fälschlicherweise auch Alabama als von "Dorian" bedrohten Bundesstaat genannt hatte – und wiederholte dabei seine Falschbehauptung.

Donald Trump beharrt auf seiner falschen Aussage

"Was für ein fauler Hurrikanbericht von Reporter-Leichtgewicht @jonkarl von @ABCWorldNews", twitterte Trump am Montagabend an den Chefkorrespondenten des Senders gerichtet. "Ich habe gestern bei der Katastrophenschutzbehörde Fema nahegelegt, dass neben Florida, Georgia, South Carolina und North Carolina sogar Alabama ins Spiel kommen könnte, was STIMMTE."

ABC habe eine große Sache daraus gemacht, obwohl es, "unter bestimmten ursprünglichen Szenarien tatsächlich richtig war, dass Alabama etwas Schaden hätte abbekommen können", beharrte der US-Präsident auf seiner Aussage. "Immer gut, vorbereitet zu sein! Aber die Fake News sind nur am Herabwürdigen und Schlechtmachen interessiert. Haben nicht meinen ganzen Satz oder meine Aussage eingespielt. Böse Menschen!"

Trump hatte am Sonntag für Verwunderung gesorgt, als er auf Twitter erklärte, Florida, South Carolina, North Carolina, Georgia und Alabama würden "höchstwahrscheinlich (viel) härter getroffen als erwartet". Sofort nachdem der Präsident seinen Tweet verbreitet hatte, korrigierten ihn lokale Meteorologen wie James Spann: "Alabama wird in keiner Weise von Dorian beeinflusst werden", widersprach Spann, der laut dem US-Sender CNN jahrelange Erfahrung mit Wetterprognosen in Alabama hat und für seine Berichterstattung über Tornadoausbrüche großen Respekt genießt. Nach einer besorgten Twitter-Nachfrage aus Alabama versicherte der Meteorologe in einem zweiten Tweet: "Ich habe kein Interesse an Politik. Dorian wird Alabama in keiner Weise beeinflussen. Das ist keine politische Aussage."

Trumps eigene Behörde widerspricht öffentlich

Etwa 20 Minuten nach Trumps Tweet antworte auch der Nationale Wetterdienst auf dessen Behauptung. "Alabama wird KEINE Auswirkungen von #Dorian sehen", twitterte die Behörde. "Wir wiederholen, in Alabama werden keine Auswirkungen des Hurrikans #Dorian zu spüren sein." Die Sturmfront werde dafür zu weit im Osten bleiben.

Ungefähr zur selben Zeit sprach Trump auf dem Rasen des Weißen Hauses in Washington mit Reportern über den Wirbelsturm und sagte hier ebenfalls, dass "Alabama ein Stück abbekommen wird", wie CNN berichtet. Eine Stunde später wiederholte er diese Aussage bei seinem Treffen mit der Fema: "Dorian" könne "ein kleines Stück von einem großartigen Ort erwischen: Er heißt Alabama", erklärte der Präsident. Alabama könne mindestens einige sehr starke Winde und mehr als das abbekommen. "Das kam leider gerade zur Sprache."

Die US-Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration bestätigte Reportern dagegen, dass es keine Vorhersage gegeben habe, laut der Alabama von dem Hurrikan betroffen sein würde.

Wie Trump auf seine Falschbehauptung über den Verlauf des Hurrikans kommt, ist unklar. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, teilte CNN dazu mit, beim Briefing am Samstag sei dem Präsidenten gesagt worden, dass der Fokus nicht auf der Verlaufslinie des Hurrikans liegen dürfe und dass, egal wo Dorian letztendlich auf Land treffe, die "Ausdehnung des Windfeldes" groß sei und es immer noch "viel Unsicherheit" gäbe. Seine Kommentare hätten einfach nur diese Punkte angeführt, und angesichts der Nähe von Alabama zu Florida sei dies auch sinnvoll gewesenn

Florida und Alabama teilen sich in der Tat eine Grenze, dennoch ist Alabama an seiner östlichsten Stelle etwa 400 Kilometer von der Ostküste Floridas entfernt. Der Wind hatte dagegen laut CNN am Sonntag gut 72 Kilometer von "Dorians" Zentrum entfernt noch Hurrikan-Stärke, in 225 Kilometer Entfernung aber nur noch die Kraft eines Tropensturms. Zu keiner Zeit hatten Meteorolgen demnach vorhergesagt, dass Winde in Hurrikan-Stärke irgendeinen Teil von Alabama erreichen könnten.

Quellen: CNN, "The Hill", National Weather Service auf Twitter, Donald Trump auf TwitterJames Spann auf Twitter

mad