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Glosse

US-Präsident: Donald Trump, weltgrößter Experte in ... fast allem!

Wenn sich irgendwo in der Welt Probleme auftun, hilft Donald Trump gern mit Ratschlägen aus, so wie zuletzt beim Brand von Notre-Dame. Nicht selten sorgen die Tipps des Allroundexperten allerdings für kräftiges Stirnrunzeln.

Ein Mann mit Köpfchen? US-Präsident Donald Trump

Ist da was? US-Präsident Donald Trump

AFP

Donald Trump hat ein "sehr, sehr großes Gehirn". Das wissen wir spätestens seit seiner legendären Pressekonferenz am Rande der UN-Vollversammlung vergangenen September in New York. Und der US-Präsident wird nicht müde, sein außergewöhnliches Oberstübchen einzusetzen, um andere Menschen mit cleveren Tipps dabei zu unterstützen, ihre Arbeit, ihr Leben oder am besten gleich die ganze Welt ein bisschen besser zu machen.

Zuletzt stellte Trump während des Brandes der Pariser Kathedrale Notre-Dame der französischen Feuerwehr sein Expertenwissen zur Verfügung. Von Bord des Regierungsfliegers Air Force One, mit dem er gerade in den US-Bundesstaat Minnesota unterwegs war, twitterte der weise 72-Jährige, es sei furchtbar, das gewaltige Feuer in der Kathedrale zu sehen. Vielleicht könnten Löschflugzeuge eingesetzt werden, um den Brand zu bekämpfen, empfahl er mit dem mahnenden Hinweis: "Es muss schnell gehandelt werden!".

Frankreichs Zivilschutz hielt Trumps Ratschlag zwar für völligen Blödsinn und stellte ebenfalls via Twitter klar, dass der Abwurf von tonnenschweren Wassermassen über dem Feuer das gesamte 850 Jahre alte Gebäude in Trümmer legen könnte. Den Präsidenten dürfte das aber kaum davon abhalten, der Menschheit weiterhin mit seinem ungewöhnlich umfassenden Fachwissen aus der Patsche helfen zu wollen. Zu lange schon pflegt er diese Tradition, wie ein Rückblick von AFP zeigt. Die französische Nachrichtenagentur hat einige Bereiche zusammengestellt, auf denen der frühere Immobilienmogul, TV-Show-Gastgeber und Schönheitswettbewerb-Veranstalter sich in den letzten Jahren noch so als Experte ausgewiesen hat.

Öffentlichkeitsarbeit/PR

Nach den Abstürzen von Boeing-737-Max-Passagierflugzeugen macht Trump sich Sorgen um den Ruf des amerikanischen Luft- und Raumfahrtkonzerns. Seine Lösung: Der 737-Flieger braucht einen neuen Namen.

"Was weiß ich über Branding, vielleicht nichts (aber ich wurde Präsident!), aber wenn ich Boeing wäre, würde ich die Boeing 737 Max in Ordnung bringen, einige zusätzliche großartige Funktionen hinzufügen und das Flugzeug mit einem neuen Namen versehen", twitterte Trump Anfang der Woche. "Kein Produkt hat so gelitten wie dieses. Aber noch mal, was zum Teufel weiß ich schon?"

Erneuerbare Energien

Unter Berufung auf allgemein widerlegte oder unbewiesene Theorien verkündete Trump im März, dass Windenergie mit den Schwankungen des Windaufkommens nicht klarkommen könne - und schlecht für die Menschen sei.

"Wenn er nicht bläst, kannst du das Fernsehen für diese Nacht vergessen", sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung und imitierte ein Paar, das sich bei der Stromversorgung auf Windenergie verlässt: "'Liebling, ich will fernsehen'. 'Es tut mir leid! Der Wind weht nicht.'"

Dann prahlte der US-Präsident: "Ich weiß viel über Wind."

Und ein paar Wochen später warnte das Universalgenie vor dem Geräuschpegel von Windkraftanlagen: "Der Lärm verursacht Krebs."

Trump der Technik-Guru

Nach seiner Analyse der Boeing-737-Max-Abstürze präsentierte Trump das Ergebnis seiner Gedankengänge: "Flugzeuge werden viel zu komplex, um zu fliegen", twitterte der Präsident. Man brauche keine Piloten mehr, sondern Informatiker. "Ich sehe es immer wieder bei vielen Produkten. Immer einen unnötigen Schritt weiter gehen wollen, wenn alt und einfacher oft viel besser ist."

Bei einer Kabinettssitzung im Januar klärte der Präsident seine Minister zudem über seine Drohnen-Expertise auf:

"Ich weiß mehr über Drohnen als jeder andere."

Und das trifft natürlich auch auf Mauern zu:

"Es gibt nichts anderes, das funktionieren wird, und das ist seit Jahrtausenden so", twitterte Trump vergangen Dezember über sein Lieblingsprojekt an der Grenze zu Mexiko. "Ich kenne Technik besser als jeder andere, & Technologie."

Angeborene Intelligenz

Trump weiß aber nicht nur sehr viel über anderes und andere, sondern auch über sich selbst:

"Mein Onkel war ein großartiger Professor und Wissenschaftler und Ingenieur, Dr. John Trump am MIT [Massachusetts Institute of Technology, Anm. d. Red.]; gute Gene, sehr gute Gene, Ok, sehr intelligent", sagte er im Juli 2016 in einer Rede. "Wenn ich als liberaler Demokrat antreten würde, würden sie sagen, dass ich einer der klügsten Menschen auf der ganzen Welt bin - das ist wahr!"

Mieserable Experten-Konkurrenz

Als  höchster Experte der USA misstraut der Präsident naturgemäß "gewöhnlichen" Experten - wie denen, die seine Vorgänger im Weißen Haus beraten haben:

"Wissen Sie, ich wollte das schon immer sagen - ich habe das noch nie zuvor gesagt bei all unserem Gerede", enthüllte Trump während des Wahlkampfes 2016 in einer Ansprache, "all diese Experten ... Die Experten sind schrecklich."

Auch die militärischen Führer der USA, die sich seit Jahren mit den Terroristen des selbsternannten Islamischen Staates herumschlagen, haben im Vergleich mit dem Oberexperten keine Ahnung: "Ich weiß mehr über ISIS als die Generäle", prahlte Trump im November 2015 bei einer Kundgebung.

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