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Buch "Verrat": Das Trump-Komplott

Der Journalist Luke Harding hat in seinem Buch "Verrat" eine Indizienkette zusammengetragen, die darauf hinausläuft, dass der Kreml tatsächlich kompromittierendes Material gegen Donald Trump besitzt. Und ihm ins Weiße Haus verhalf.

Wladimir Putin und Donald Trump stecken die Köpfe zusammen

Wladimir Putin (l.) und Donald Trump stecken die Köpfe zusammen (auf dem G20-Gipfel in Hamburg): Ein Buchautor hat Indizien zusammengetragen, die nahelegen, dass der Kreml Trump in der Hand hat.

Donald Trump wurde im November 2016 zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Aber auch ein Jahr später bleiben viele Fragen offen, wie er ins Weiße Haus kam – und ob ihm dabei nicht der Kreml geholfen hat. Trump weist die Vorwürfe, wie jüngst beim asiatisch-pazifischen Gipfel, brüsk zurück und nennt entsprechende Berichte notorisch "Fake news".

Die Zweifel wollen aber einfach nicht verschwinden. Und das wird wohl auch so bleiben. Der englische Journalist Luke Harding, 49, der für den "Guardian" in London arbeitet, hat nun ein Buch vorgelegt, das auf 360 Seiten die Indizien für ein russisches Komplott verdichtet, und aus dem der stern in seiner aktuellen Ausgabe die wichtigsten Passagen nachdruckt.

Trump hat nur für Putin liebedienerische Worte

Harding stützt sich dabei auch auf das Dossier seines Landsmanns Christopher Steele, eines ehemaligen Agenten des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6. Steele verfasste das Papier im vergangenen Jahr; es besteht aus 17 Berichten, die den Schluss nahelegen, dass die Russen kompromittierendes Material gegen Trump besitzen. Der investigative Reporter Harding begann das Dossier unmittelbar nach seiner Veröffentlichung auf eine Plausibilität zu untersuchen, sprach mit Steele und Dutzenden von Informanten. Und er kommt zu einem ähnlichen Befund. Im Interview mit dem stern sagt Harding: "Trump beleidigt die Deutschen und Kanzlerin Merkel. Er beleidigt Hollywood. Er beleidigt schwarze Football-Spieler, er beleidigt die eigenen Kollegen. Allein für Putin findet er nur liebedienerische Worte. Das ist jenseits von schräg. Und die beste Erklärung dafür ist, dass die Russen wirklich Material über ihn besitzen. Über schmutziges Geld und Sex oder beides…"

Der Sonderermittler Robert Mueller hat in den USA eine Reihe von Strafverfahren eingeleitet, darunter gegen Trumps früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort, den Harding in seiner Zeit als Russland-Korrespondent kennenlernte und als "sehr klugen und sehr amoralischen Geldwäscher" bezeichnet. Der Journalist geht davon aus, dass es zu weiteren Anklagen kommen wird und hält es darüber hinaus nicht für ausgeschlossen, dass auch Mueller von Trump gefeuert wird, falls der Mitglieder sein Familie anklagen sollte. Das hätte zwar, wie er sagt, "etwas 'Nixonhaftes', aber die Tragweite des Skandals hat längst Watergate-Ausmaße erreicht". Trump behaupte zwar, die Ermittlungen ließen ihn kalt. "Aber wenn das so ist, warum twittert er unablässig darüber? Ich glaube, dass die Flammen rund um das Weiße Haus bereits züngeln."

Kabinett von Donald Trump - bezeichnend

Allein die Zusammensetzung von Trumps Kabinett und Beraterstab spreche für sich: "Rex Tillerson, der Außenminister? Kein Diplomat, aber ein Freund von Putin. Der gefeuerte Sicherheitsberater Michael Flynn, der sich selbst General Mischa nannte und sogar Zugang hatte zum GRU, dem verschwiegensten der russischen Geheimdienste. Jeff Sessions, der Justizminister, der sich plötzlich an seine Treffen mit den Russen nicht mehr erinnern kann. Und zuletzt Wilbur Ross, der Handelsminister, der mit Putins Schwiegersohn Geschäfte macht. Immer noch! Das passiert vor unser aller Augen. Unglaublich."

Obama und Bush mit Haarknoten


Den Einwand, ob es nicht in der Tat zu unglaublich sei und ob Trump womöglich von den dubiosen Machenschaften seiner Entourage nichts wusste, lässt der Autor nicht gelten. "Das wäre eine ziemlich dumme Verteidigungsstrategie, die im Kern auf 'Ich bin zu doof, zu verstehen, was um mich herum passiert' hinausliefe." Trump habe im Übrigen nach seiner Wahl diverse "russische Standpunkte übernommen und etwa die Nato-Partner stärker in die Pflicht genommen". Er habe sogar das Parteiprogramm der Republikaner in Sachen Ukraine runtergedimmt. Allein die Sanktionen gegen Russland konnte er nicht aufheben, "nach den russischen Hackerangriffen ging das einfach nicht".

Autor wurde 2011 aus Russland ausgewiesen

Luke Harding lebte mit seiner Familie von 2007 bis zu seiner Ausweisung 2011 selbst in Moskau und war wiederholt Opfer von Einbrüchen des russischen Geheimdienstes FSB. "Wenn sie schon einen Journalisten überwachen", sagt er, "werden sie selbstredend auch Trump überwacht haben in der Präsidenten-Suite des Ritz-Carlton."

Lesen Sie Auszüge aus "Verrat" und das Gespräch mit Luke Harding in der aktuellen Ausgabe des stern.