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Pressestimmen

Gipfeltreffen von Trump und Kim: "Amerikas Präsident wurde zum Hanswurst gemacht"

Das zweite Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist krachend gescheitert - so die Bilanz vieler Kommentatoren. Was ist schiefgelaufen? Die Pressestimmen.

Donald Trump hatte eine miese Woche

Die Erwartungen waren groß. Doch nach dem zweiten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bleibt vor allem in Erinnerung: Der vorzeitige Abbruch der Gespräche, keine Einigung zwischen den beiden Staaten und widersprüchliche Schuldzuweisungen zum Scheitern ebendieser (lesen Sie hier mehr zu dem Thema).

"Der Abbruch des Gipfels war eine Art Notbremse in voller Fahrt.", meint etwa die "Rhein-Zeitung" aus Koblenz. "Aber auch Notbremsen sind gefährlich." Die "Volksstimme" aus Magdeburg findet: "Trump hat Kim schwer unterschätzt". Einig sind sich die meisten Kommentatoren in einem Punkt: "Der geplatzte Gipfel von Hanoi lässt US-Präsident Donald Trump und den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un als Verlierer in ihre Heimat zurückkehren", wie die "Frankfurter Rundschau" zusammenfasst. Die Pressestimmen.

Donald Trump trifft Kim Jong Un: So kommentiert die Presse ihr zweites Aufeinandertreffen

»"Volksstimme" (Magdeburg): "Amerikas Präsident wurde vom Diktator aus Nordkorea zum Hanswurst gemacht. Wann ist so etwas je einem US-Präsidenten passiert? Trump hat Kim schwer unterschätzt, genauso wie dessen Sachwalter China im Hintergrund. Im Nordkorea-Konflikt droht ein Rückfall in die Steinzeit. Kim und seine Clique denken nicht daran, sich nuklear zu entblößen. Die Atomraketen sind die Lebensversicherung des Regimes."

"Die Welt" (Berlin): "Hätte der Gipfel besser vorbereitet werden müssen, wie die halbe Welt ätzt? Ja, das hätte er. Hätte Donald Trump darauf verzichten müssen, Nordkoreas Tyrannen als 'Freund' zu bezeichnen? Besser wäre es gewesen. Zumal kein Mensch den Unterschied zwischen dem iranischen und dem nordkoreanischen Regime erkennt, wenn es um die Verletzung der Menschenrechte geht. Während Teheran für Trump aber die Hölle auf Erden bedeutet, ist Kim für den Präsidenten einer, dem er liebevoll die gepolsterte Hand schüttelt."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Die eine Friedensmission hat er nicht mal zu Ende gebracht, da redet Donald Trump schon von der nächsten. 'Es gibt eine Chance für Frieden zwischen Israel und den Palästinensern. Wir arbeiten hart an einem Friedensplan', sagte der US-Präsident nach dem erfolglosen Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Trump kann es einfach nicht lassen, sich an den eigenen Ambitionen zu berauschen. Dabei ist seine Außenpolitik voll unerfüllter Versprechen. Das zeigt sich nach der Abfuhr, die er von Kim bekommen hat, einmal mehr." 

"Rhein-Zeitung" (Koblenz): "Der Abbruch des Gipfels war eine Art Notbremse in voller Fahrt. Aber auch Notbremsen sind gefährlich. In diesem Fall werden der Zusammenbruch der Verhandlungen und eine gefährliche Eskalation auf der koreanischen Halbinsel riskiert. Schmerzhaft muss Trump lernen, dass es einfacher ist, mühsam ausgehandelte Abkommen anderer, etwa den Atomdeal mit dem Iran, zu sabotieren, statt selbst etwas auf die Beine zu stellen."

"Kölner Stadt-Anzeiger": "Außenpolitik ist in der Regel keine große Show. Nach Willkür zwischen Freunden und Feinden zu unterscheiden, mag bei Trumps TV-Auftritten für gute Quoten gesorgt haben - in der Weltpolitik ist es gefährlich. Sollten  die Gespräche zwischen Kim und Trump endgültig scheitern, sind  beide Länder weiter voneinander entfernt als zuvor."

"Frankfurter Rundschau": "Der geplatzte Gipfel von Hanoi lässt US-Präsident Donald Trump und den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un als Verlierer in ihre Heimat zurückkehren. Sie enttäuschten die zuvor geweckten Hoffnungen auf zumindest weitere kleine Schritte der Entspannung. Der damit verbundene Frust alleine sorgt in der Regel für Unruhe. Trotz gegenteiliger Beteuerungen gefährdet dies die jüngsten Fortschritte zwischen den koreanischen Staaten einerseits und die Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang."

"Handelsblatt" (Düsseldorf): "Ein Gipfel mit terminierter Abschlusszeremonie, der vorzeitig ohne Erklärung abgebrochen wurde, ist ein Reinfall. In Zeiten zunehmender Aufrüstung - einem gekündigten Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland über den Abbau nuklearer Mittelstreckensysteme (INF), einem wieder aufgeflammten Kaschmir-Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan und wachsenden Zweifeln über den Bestand des Atomabkommens mit Iran - wäre es ein gutes, ein wichtiges Zeichen gewesen, wenn eine Denuklearisierung Nordkoreas vorangeschritten wäre."

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fs / DPA / AFP