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Kabinettsmitglieder: Donald Trump kann auch Frauen

Bislang spielten Frauen bei Donald Trump nur im Hintergrund eine Rolle, Spitzenposten wurden nur mit Männern besetzt. Jetzt hat er die ersten Frauen ins Regierungsteam berufen und sie passen perfekt in sein personelles Beuteschema.

Donald Trump Betsy DeVos

Psst, ich habe nichts gegen Frauen: Donald Trump mit seiner ersten Ministerin Betsy DeVos

Ein paar Tage lang sah es so aus, als würde sich Donald Trump nur mit älteren, weißen Männern umgeben. Sein Chefberater: der 62-jährige Rechtsaußen Stephen Bannon. Sein Justizminister: der 69-Jährige, erzkonservative Jeff Sessions. Sein Sicherheitsberater, sein Stabschef, der neue Chef: ebenfalls Männer im besten Alter und darüber. Nun hat der kommende US-Präsident die ersten Frauen an seine Seite geholt. Nach der Nominierung von Nikki Haley, 44, als UN-Botschafterin der USA, wird Betsy DeVos im Trump-Kabinett das Ressort Bildung übernehmen.

Konservativ ist das, was Donald Trump will

Die 58-Jährige passt perfekt ins bisherige Personalprofil Trumps : Sie ist vor allem konservativ und gilt als fleißige Hinter-den-Kulissen-Arbeiterin, wie ein Beobachter aus dem heimischen Michigan einmal über sie sagte. Und was dem Immobilienmilliardär auch gefallen dürfte: Sie ist nicht nur Erbin eines erheblichen Vermögens (ihr Vater war ein schwerreicher Industrieller), zusammen mit ihrem Ehemann und der gemeinsamen Stiftung investiert sie seit Jahrzehnten in Technikunternehmen; unter anderem in Wasserfilterhersteller- und Windenergiebetreiber. Das Vermögen der Familie soll im Milliardenbereich liegen.

Was dem US-Präsidenten ebenfalls gefallen haben dürfte, ist der privatwirtschaftliche Angang, mit dem Betsy DeVos das Bildungssystem reformieren will. "Sie wird die Bürokratie brechen, die unsere Kinder zurückhält", sagte Trump bei ihrer Vorstellung. Ziel sei es, eine "Bildung auf Weltniveau" anzubieten und den Eltern mehr Spielraum bei der Wahl der Schule für ihre Kinder zu geben. Unter anderem will sie erreichen, Eltern etwa durch Steuererleichterungen einen Anreiz zu geben, Kinder von wenig effizienten staatlichen Schulen auf privat geleitete Einrichtungen umzumelden. Für Entsetzen sorgen die Pläne bei der US-Lehrergewerkschaft NEA: DeVos habe es sich zum Ziel gemacht, das staatliche Schulsystem "zu privatisieren und zu unterminieren", heißt es dort.

UN-Botschafterin ist eine Tea-Party-Frau

Ganz offenbar hat Donald Trump bei der Besetzung von Schlüsselposten doch nicht nur weiße Männer auf dem Zettel, wie einige Kritiker bereits mutmaßten, sondern vor allem Köpfe mit konservativer Gesinnung. Auch die bisher zweite, weibliche Personalie passt in das Muster. Nikki Haley, Republikanerin und Tochter von indischen Einwanderern, wurde zweimal zur Gouverneurin von South Carolina gewählt. Unterstützt von Sarah Palin und der ultrarechten "Tea-Party"-Bewegung. Sie lehnt Abtreibungen genauso ab wie Homo-Ehen und die Einschränkung des Waffenrechts.

Obwohl der künftige US-Präsident im Wahlkampf immer wieder mit frauenfeindlichen Sprüchen aufgefallen war, haben vor allem zwei Frauen maßgeblich zu seinem Wahlerfolg beigetragen: Tochter Ivanka und Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway. Ivanka überstrahlte mit ihrem charmanten und professionellen Auftreten die oft grobschrötigen Auftritte ihres Vaters, während Conway den Präsidentschaftskandidaten einnordete und seine schlimmsten Patzer ausbügelte. Nach außen hin aber erweckte Trump stets den Eindruck, dass seine Welt eine Männerwelt ist. Was vor allem männliche Wähler zu schätzen wussten: Der Frauenanteil unter seinen Wählern betrug nur 41 Prozent.

Frauen auch bei Obama in der Minderheit

Ministerinnen waren und sind übrigens auch in den Kabinetten von Noch-Präsident Barack Obama in der Minderheit. Nur jeder dritte Ressortchef ist oder war weiblich. In Deutschland beträgt das Mann-Frau-Verhältnis auf Bundesebene rund vier zu eins. In Kanada jedoch, unter dem schillernden Premier Justin Trudeau, besteht die Hälfte des Kabinetts aus Frauen.