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Meinung

Kampf gegen den IS: Getöteter IS-Führer: Trump verplappert sich - und ruiniert seinen eigenen Triumph

Donald Trump hätte nach der Tötung von IS-Anführer Al-Bagdadi endlich ein großer Held sein können. Aber er verplauderte sich und verriet zahlreiche Details, die den Kampf gegen Terroristen nun noch schwieriger machen könnten.

Im Video: Trump schildert die letzten Momente im Leben des Terror-Chefs Al-Bagdadi

Es hätte ein triumphaler Tag für Donald Trump werden können. Wie er da morgens in Washington vor die versammelte Presse trat und den Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi verkündete. Gestorben durch einen selbst ausgelösten Sprenggürtel, als ihn amerikanische Spezialeinheiten in Syrien gestellt hatten. Es hätte der definierende Moment seiner ersten Amtszeit werden können, gar ein Moment für die Geschichtsbücher. Groß für den Präsidenten, groß für das ganze Land, im besten Fall sogar einend für seine Nation.

Aber der vor Stolz und Arroganz nur so strotzende Trump schoss mal wieder deutlich übers Ziel hinaus. Nach seiner Eröffnungsrede, die er offensichtlich vom Teleprompter ablas, eröffnete er eine Fragerunde. Leider kam der politisch noch immer unerfahrene Trump dabei ins Plaudern und verriet ganz nebenbei viele Details, die die amerikanischen Geheimdienste gerne für sich behalten hätten. Da ähnlich geartete Einsätze nun in Zukunft schwieriger werden könnten. Und als wäre das noch nicht genug, so behauptete er dann auch noch einfach mal, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York hätten verhindert werden können - wenn man nur auf ihn gehört hätte.

Sechs Informationen, die besser geheim geblieben wären

Die amerikanischen Nachrichtenseite "vox.com" listet sechs Punkte auf, die besser geheim geblieben wären und nun vom amerikanischen Präsidenten persönlich in die Öffentlichkeit gebracht wurden:

  • "Zwei oder drei Versuche" seien unternommen worden in den vergangenen Wochen, um Bagdadi zu stellen, aber man habe sie abgebrochen, weil er immer unvorhersehbar den Ort gewechselt habe
  • Vor der Attacke wussten die USA, dass das Gebäude untertunnelt war und das Bagdadi versuchen könnte, so zu fliehen
  • US-Soldaten haben ein Loch in eine Tür gesprengt, um in das Gebäude zu kommen
  •  Die USA haben mehr DNA sichern können, als sie überhaupt brauchen
  • Die Soldaten haben zahlreiche Kämpfer an der Seite Bagdadis getötet
  • Es waren acht Helikopter, Schiffe und Flugzeuge im Einsatz und haben den Schlag gegen den IS-Führer unterstützt.

Und in der Tat für die USA, die sonst über solche Einsatz-Abläufe nahezu komplettes Stillschweigen bewahren, sind das erstaunlich viele Details. So kommentiert auch Michael Leiter, der von 2007 bis 2011 das "US National Counterterrorism Center" geleitet hat: "Ich glaube, der Präsident hat mehr gesagt als notwendig war und dieses Wissen könnte für unsere Gegner in Zukunft sehr hilfreich sein."

Auch das Trump während der Pressekonferenz vor laufenden Kameras verkündete, man habe zahlreiche Unterlagen über zukünftige Pläne der IS-Kämpfer sichergestellt, könnte den Erfolg der Aktion schmälern. Denn jetzt wissen die Terroristen sicher, dass sie ihr Vorgehen ändern müssen. Anders hätte man das neu erlangte Wissen auswerten und für Gegenaktionen nutzen können.

Donald Trump provoziert unnötig

Die Liste der "Enthüllungen" endet damit aber noch nicht. So berichtete Trump außerdem freudvoll davon, wann er in den sogenannten "Situation Room" gekommen sei. Wer wann von der Aktion wusste und wie im Detail Bagdadi, dessen Ehefrauen und Kinder gestorben seien. 

Auch Trumps Tonfall unterschied sich deutlich von dem seiner Vorgänger in solchen Momenten. Wählte Barack Obama bei Osama Bin Ladens Ergreifung noch eher zurückhaltende Töne, polterte der amtierende Präsident nun kräftig los. "Er schrie, jammerte und heulte", sagte Trump immer wieder. Und: Er "starb wie ein Hund. Wie ein Feigling." Eine unnötige und womöglich gefährliche Provokation, so sind sich inzwischen zahlreiche Sicherheitsexperten in den USA einig.

Ein weiterer Skandal verbarg sich im Auftritt Trumps. Vor solchen Einsätzen ist es üblich, dass der Kongress vorab informiert wird. Trump sagte aber, er habe die demokratische Sprecherin des Hauses, Nancy Pelosi, nicht in Kenntnis gesetzt. Weil er Sorge gehabt habe, der geplante Einsatz käme so verfrüht an die Öffentlichkeit. Allerdings hatte er zu diesem Zeitpunkt die russische Regierung längst über seine Pläne informiert.

Trump traut Russen mehr als Demokraten

Trump sagte damit eindeutig , dass er den Russen mehr traut als den Vertretern der demokratischen Parteien. Er glaubt, sie würden im Streben nach politischer Macht nicht einmal davor zurückschrecken, ein Staatsgeheimnis zu verraten. Dieses Verhalten sagt sehr viel darüber aus, wie Trump sich derzeit sieht. Und wie verfolgt er sich fühlt - nämlich umzingelt von Gegnern im eigenen Land. Es ist zu befürchten, dass sich die Paranoia des Präsidenten verstärken wird, je weiter das Amtsenthebungsverfahren voranschreitet. Das ist eine gefährliche Mischung.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er einen solchen Moment nicht zum Angeben nutzen würde. Natürlich bestand er darauf, dass der Tod Bagdadis größer und wichtiger sei als die Ergreifung Osama Bin Ladens 2011. Damals hatte Trump Obama vorgeworfen, dass der sich mit dem Tod des Terroristen öffentlich schmücken würde.

Aber sein eigenes Geschwätz von gestern hat Trump ja noch nie wirklich interessiert. So sagte er nun auch: "Das ist der Größte, den wir jemals gefasst haben." Kleiner kann ein Trump nicht. 

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Trump lügt - mal wieder

Endgültig absurd wurde es, als er kurz vor Ende der Pressekonferenz verkündete, dass er vor der Gefahr durch Osama Bin Laden lange vor allen anderen gewarnt habe - und dass man ihn, hätte man nur auf ihn gehört, vor den Terroranschlägen von New York hätte ergreifen können. Trump sagte: "Ich habe lange vor dem World Trade Center ein Buch veröffentlicht (...) in dem sage ich: "Da gibt es einen namens Osama Bin Laden. Ihr tötet ihn besser. Oder so etwas in der Art. Niemand kannte ihn bis dahin. (...) Niemand hörte auf mich."

Faktisch konnte auch niemand auf ihn hören, denn das stand so nicht in seinem Buch. Trump hat nie geschrieben, die USA hätten Bin Laden töten sollen. Er redet nur allgemein davon, dass es Gefahren für die USA durch Terroristen gäbe. 

Es ist schwer zu sagen, wie genau die Wertschätzung Trumps im eigenen Land gerade ist. Dafür sind die USA viel zu zerrissen. New York oder Los Angeles sind nicht repräsentativ. Aber dennoch gab es wenige Stunden nach der Pressekonferenz einen weiteren denkwürdigen Auftritt des Präsidenten. Am Abend erschien er mit seiner Frau Melania überraschend bei einem Baseball-Spiel in Washington. Als sein Name verkündet wurde und sein Bild auf der Videoleinwand erschien, buhten die Zuschauer zunächst und schrien dann vereint "Lock him up“" sperrt ihn ein. Der Ruf, den er im Wahlkampf gegen Hillary Clinton gebraucht hatte. Nun vielleicht ein Beleg dafür, dass sich die Stimmung im Land gerade gegen Trump wendet. Aber vielleicht hat Trump am Ende doch Recht mit dem Satz, dass er jemanden auf der Straße erschießen könnte - und es würde ihm nicht schaden.

tis