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Trump vs. Mueller Teil 2: Trump twittert sich die Finger wund - was macht den Präsidenten nur so nervös?

14 Mal hat Donald Trump am Mittwoch getwittert und dabei ungewöhnlich viele Posts weitergeleitet - darunter: Falschmeldungen und Pöbeleien. Hat der US-Präsident nichts Besseres zu tun? Oder ist er nervös, weil die letzten Tage nicht gut gelaufen sind?

US-Präsident Donald Trump

Donald Trump: nervös oder angefasst?

DPA

Donald Trump twittert viel und gerne und aus seiner Sicht hat er mindestens einen Grund dafür: Seine Botschaften erreichen ungefiltert Freund und Feind. Wobei es nicht so ist, als würden sich seine über die Medien wiedergegebenen Äußerungen groß von denen auf Twitter unterscheiden. Aber der Kurznachrichtendienst hat einen Vorteil: Es lassen sich mit der Retweet-Funktion fremde Meinungen als die eigenen ausgeben, ohne die Dinge selbst sagen zu müssen. Retweeten ist Trumps Sache zwar nur selten, aber wenn, dann kommen da Dinge zum Vorschein, die eines Präsidenten eher unwürdig sind.

Trump retweetet Rechtspropaganda

So auch am Mittwoch wieder: 14 Mal hat sich Trump auf seinem Lieblingskanal ausgetobt – sieben Posts davon waren Retweets, vier davon stammen von "Trump Train", einem Fan-Account. Die Macher verbreiten mit Vorliebe rechtslastige Populistenpropaganda, wie etwa eine polemische Fotomontage, die Trumps Gegner hinter Gittern zeigen. Darunter: Barack Obama und Bill Clinton, die frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, US-Sonderermittler Robert Mueller, Ex-FBI-Chef James Comey sowie seinen eigenen Vize-Justizminister Rod Rosenstein. Auf dem Bild steht: "Nun, da die illegalen Absprachen mit Russland eine erwiesene Lüge sind – wann beginnen die Prozesse wegen Hochverrats?"

Das Bild ist mehrfach perfide: Zum einen ist die Grundaussage falsch, denn in der Russland-Affäre wird weiter ermittelt. Dann lässt sich die Botschaft kaum anders als "Macht dieses Pack endlich dingfest" verstehen und erinnert damit an die geschmacklosen "Sperrt sie ein"-Rufe des Publikums bei Auftritten Donald Trumps. Gemeint ist damit seine Ex-Kontrahentin bei der Präsidentschaftswahl 2016, Hillary Clinton. Offensichtlich ist der Chef des Weißen Hauses ganz genau dieser Meinung – wollte nur diese harschen wie anmaßenden Kommentar nicht selbst in die Welt setzen.

Trumps Gewalttweet-Geschichte

Schon häufiger hat der US-Präsident mit fragwürdigen Inhalten für Empörung gesorgt. Im Juli 2017 leitete er ein Video weiter, auf dem er auf ein CNN-Logo einprügelt. Kurz danach verbreitete er ein Bild, auf dem ein Zug den US-Newssender "überfährt" und im Herbst des Jahres teilte er schließlich ein muslimfeindliches Video von britischen Rechtsextremen - letzteres hatte er nach Protesten wieder gelöscht.

Jetzt, ein knappes Jahr später, ringt Trump immer noch mit den gleichen Geistern, die ihn nicht loslassen: Hillary Clinton, Einwanderung, Russland-Affäre. Kurz vor dem Absetzen des neuen geschmacklosen Memes hatte sich Trump persönlich über die Untersuchungen ausgelassen – mit der für ihn üblichen Wortwahl: "hasserfüllte Mueller-Bande", "Fake News", "Hexenjagd". Das aber waren längst nicht die einzigen Themen, die den Präsidenten an diesem Twitter-Mittwoch umtrieben, wie die Liste zeigt:

  • Illegale Einwanderung: Auch hier bemüht er zwei Posts vom "Trump Train". In einem wird behauptet, dass Einwanderer ohne Papiere fast 3900 Dollar im Monat als Unterstützung bekommen würden. Diese Zahl, so merkt die Politikseite "Axios" an, sei eines dieser hartnäckigen Internetgerüchte. Tatsächlich hat ein Einwanderer-Paar nur Anspruch auf 420 Dollar pro Monat.
  • Mike Pence: Trump retweetet einen Post des Accounts "VP Fan", der vorgibt im Sinne des Vizepräsidenten Mike Pence zu sprechen. In diesem Fall heißt es dort: "Ich bin froh über jeden Tag, an dem Hillary Clinton nicht Präsidentin ist." Vermutlich wird das der echte Pence wohl auch sein, doch hinter diesem Absender verbirgt sich ein Satire-Account.
  • Hillary Clinton: In zwei Retweets verbreitet Trump den Eindruck, Hillary Clinton hätte vor laufenden Kameras gesagt, dass Schwarze alle gleich aussähen. Tatsächlich hat sie das auch – allerdings als ironischen Kommentar auf einen TV-Moderator, der zwei Afroamerikaner miteinander verwechselt hatte.

Schimpfen auf General Motors

Etwas ausführlicher schimpft Trump über die Ankündigung von General Motors, Fabriken zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen. Besonders dieses Thema trifft den Präsidenten, weil er immer wieder versprochen hatte, verloren gegangene Jobs im Auto- und Stahlsektor zurückzuholen. In diesem Zusammenhang denkt Trump nun laut über die Einführung von 25 Prozent-Zöllen auf Autoimporte nach – so, wie sie bereits für kleine Lkw gelten. Im gleichen Atemzug weist er daraufhin, dass Steel Dynamics eine neue Stahlfabrik plant, bei der 600 Jobs entstehen sollen.

Sieben Stunden, nachdem der mächtigste Mann der Welt seinem Ärger Luft gemacht hat, stimmt er versöhnliche Töne an: "Im Namen der First Lady Melania und der gesamtenTrump-Familie möchte ich allen fröhliche Weihnachten wünschen. Möge diese Weihnachtszeit ihren Herzen Frieden schenken und ihr Zuhause erwärmen. Ein Hoch auf ihr Wohl und Freude der Welt." Nach diesem Gruß lobt Trump flink noch das Buch seines ehemaligen Mitarbeiters Sebastian Gorka –um sich im letzten Amtstweet wieder über die Mueller-Ermittlungen zu ereifern.

Neuigkeiten von Mueller

Pöbeleien, Drohungen, Falschmeldungen: Nur drei Wochen nach den letzten Wahlen verschärft Donald Trump massiv den Ton – vermutlich auch, weil diese drei Wochen nicht sonderlich gut für ihn gelaufen waren. Die Wahlen waren zwar keine Vollkatastrophe, aber eben auch kein großer Erfolg. Dann versaut ihm ausgerechnet die US-Industrie-Legende General Motors seine größten Wahlkampfversprechen und nicht zuletzt steht in absehbarer Zeit der Bericht des US-Sonderermittlers an, aus dem immer mehr Details bekannt werden – und zwar keine, die dem Präsidenten gefallen dürften.

Lesen Sie hier: Was über die Ermittlungen in der Russland-Affäre bekannt geworden ist

Lesen Sie hier: Donald Trump schickt Obama und Clinton ins Gefängnis - via Fotomontage