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US-Abzug aus Syrien: Trump verrät seine Freunde, er beschenkt seine Feinde und am Ende lacht der Fürst der Finsternis

Das Jahr im Weißen Haus endet wie es begonnen hat: mit Donald Trumps chaotischen und einsamen Entscheidungen. Der Truppenabzug aus Syrien und Afghanistan wird den USA und den Verbündeten eher schaden. Nur der Architekt des Ganzen lacht sich ins Fäustchen.

Donald Trump und Steve Bannon

Donald Trump und Steve Bannon: der Meister und sein gelehriger Schüler

DPA

Ab und an packt es Donald Trump und dann haut er sich selbst mal so richtig auf die Schulter. Am 23. März 2016, es war noch im Wahlkampf, verkündete er zum Beispiel, dass niemand besser den Terrorismus bekämpfen könne als er. Einen Beweis blieb er lange schuldig. Nun aber zieht der US-Präsident nun die US-Truppen aus Syrien ab. Begründung: Der Islamische Staat sei besiegt. "Ich habe dem IS mehr Schaden zugefügt als jeder anderer Präsident vor mir auch nur annähernd", schreibt er selbstbewusst. Es ist die typische Trump-Reaktion. Erst bei Gegenwind blüht der US-Präsident richtig auf. Und der bläst ihm gerade richtig um die Ohren. Und auch aus der richtigen Richtung.

Einer der letzten Fachleute mag nicht mehr

Establishment, Transatlantiker, Europäer, die Nato, die Opposition - kaum eine ernstzunehmende Stimme aus den Bereichen Militär und Außenpolitik begrüßt Trumps einsame Abzugsentscheidung. Sein Verteidigungsminister – einer der letzten Fachleute mit Weitblick im Washingtoner Kabinett - stellt sein Amt zur Verfügung. Aus Protest oder aus Verzweiflung oder beides. Für Trump ist die Angelegenheit allerdings vollkommen klar. Er versteht nicht, warum US-Soldaten in fernen Ländern für ferne Länder kämpfen sollen. "America first" hatte er in Wahlkampf versprochen und nun liefert er eben – und wenn sich einer darüber freuen dürfte, dann Steve Bannon - Trumps alter Chefberater und Neo-Nationalismus-Architekt.

Donald Trump und Megan Mullally führen 2006 eine Nummer bei der Emmy-Verleihung auf.

Bannon, mittlerweile in Sachen Aufmischen der bestehenden Verhältnisse weltweit auf Klinkenputzertour unterwegs, mag zwar nicht mehr im Weißen Haus sitzen, doch seine Lehre vom Chaosstiften und vom Ende globalen Handels hat er erfolgreich in den US-Präsidenten gepflanzt. Er selbst nannte sich einmal Leninist: "Lenin wollte den Staat zerstören“, sagt er. "Das ist auch mein Ziel. Die Vernichtung des Establishments." "Disruptiver Populismus" nennt der frühere Journalist diese zerstörerische Methode, sein Traum: die Renaissance des Nationalismus. Und der US-Präsident arbeitet die dazu nötige To-do-Liste ab.

Alles, was anderen schadet, ist gut

Trump beklatschte lautstark den Brexit und nannte, da war er nicht einmal als US-Präsident vereidigt, die Nato "obsolet". Er sorgte für Eklats auf den G7- und G20-Treffen und stieg nach und nach aus internationalen Abkommen aus: begonnen mit Handelsverträgen, über den Pariser Klimavertrag bis zum Atomabkommen mit dem Iran. Den Vereinten Nationen streicht er Gelder, wo er nur kann. Jeden dieser Schritte hat Trump unter lauten Buhrufen gemacht, aber selbst vor dem Undenkbaren scheute er nicht zurück: ohne einen Friedensvertrag Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Der ehemalige Immobilienhai gefällt sich als globale Abrissbirne – selbst auf die Gefahr hin, dass er damit den USA mehr schadet als nützt – mittel- oder langfristig.

Ironischerweise ist es sein ihm verhasster Vorgänger, von dem Donald Trump lernen könnte, wie man US-Truppen in Übersee nicht abzieht. Auch Barack Obama hatte versprochen, Kriege zu beenden und holte ab 2011 die GIs aus dem Irak zurück nach Hause. Damit aber hatten die USA diesen unerwünschten Krieg, nicht einmal vernünftig zu Ende gebracht sondern abgebrochen. Dem Land hat die Entscheidung nicht besonders gut getan. Die Lage in Syrien ist natürlich ein andere, auch sind die Amerikaner dort gerade einmal mit ein paar Tausend Leuten vor Ort – dennoch wird der Abzug eine Lücke hinterlassen, die Sprengstoff birgt.

Und was passiert nun?

  • Die USA geben damit ohne Not ihre Präsenz in dem Teil des Nahen Ostens auf. Und ebenso am Hindukusch, denn auch die US-Soldaten in Afghanistan sollen zurück.
  • In Syrien überlässt Trump damit den Verbündeten des Assad-Regimes – also Russland und Iran – das Feld. Wladimir Putin und die Mullahs in Teheran wird das besonders freuen.
  • Damit aber lassen die USA den engen Verbündeten Israel im Stich, vor dessen Haustür sich nun der Erzfeind Iran ausbreiten kann.
  • Die syrischen Kurden, einer der verlässlichsten und effektivsten Partner der Amerikaner, überlässt Trump mit seinem Abzug den Türken, die nun freies Geleit zum Einmarsch in deren Gebiete hat.
  • Der ziemlich sichere Angriff des Nato-Partners Türkei auf die Kurden, die wiederum von Deutschland mit Waffen ausgestattet wurden, wird im Militärbündnis die Frage aufwerfen, wie man mit dieser Türkei umgehen soll.

Kurzum: Donald Trump verrät Freunde, kommt stattdessen den Gegnern wie Russland entgegen und schert sich nicht um das Chaos, das er anrichtet. Seine Fans werden ihn dafür feiern. Und natürlich Stephen Bannon, dem es vermutlich egal ist, wer die Welt in Brand setzt. Sie nennen ihn nicht umsonst den Fürst der Finsternis.

Quellen: "Der Spiegel", "Wiener Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten", "New York Times", "Handelsblatt", "Süddeutsche Zeitung", Donald Trump auf Twitter

tkr