VG-Wort Pixel

Schwacher Joe Biden Donald Trump will Rache und zurück ins Weiße Haus – seine Chancen stehen nicht schlecht

Schwacher Joe Biden: Donald Trump will Rache und zurück ins Weiße Haus – seine Chancen stehen nicht schlecht
© stern
Donald Trump arbeitet an seinem Comeback als US-Präsident. Ausgerechnet jetzt wirkt Nachfolger Joe Biden so schwach wie nie. Wer stoppt Trump?

Als wir in der Redaktion für die Titelseite Bilder von Donald Trump sichteten, überkam uns ein Reflex: Wir wollten ihn zum Schweigen bringen. Aufnahmen, die ein großes Pflaster über jenem Mund zeigten, der sonst "America First" grölt, standen hoch im Kurs – "wünschen wir uns das nicht alle?", flüsterte eine Kollegin.

Nur wird dieser Wunsch einer bleiben müssen. Donald Trump ist nicht fort, auch wenn er nun in einem pfirsichfarbenen Haus in Florida residiert statt im Weißen Haus in Washington. Er ist nicht verstummt, selbst wenn ihn der Kurznachrichtendienst Twitter blockiert. Und er ist für viele keineswegs unwählbar, nur weil gerade herauskam, dass dieser Mann nach der verlorenen Präsidentschaftswahl 2020 vor einem Putsch nicht zurückschreckte.

Donald Trump war niemals richtig weg. Er will Rache und seine erneute Kandidatur bald erklären. Zwar halten ihn manche in seiner Partei nicht für den idealen Bewerber. Sie setzen auf frische Hoffnungsträger wie den republikanischen Gouverneur von Florida, Ron DeSantis. Nur: Der beleidigt nicht ganz so laut, er ist nicht so offensichtlich selbstverliebt. Aber seine politischen Vorstellungen sind erstaunlich ähnlich. Selbst wenn Trump nicht mehr anträte, stünde Trumpismus auf dem Wahlzettel.

USA: Joe Biden wirkt schwach

Und die Demokraten? Joe Biden führt nicht einmal schlecht, er hat etwa den Westen gegen Russland in Stellung gebracht. Aber er ist 79 und sieht älter aus, er fällt vor laufenden Kameras vom Fahrrad, vermurkst seine Reden, und er bekommt die Inflation nicht unter Kontrolle und seine großen Vorhaben wie mehr Klimaschutz nicht durch den Kongress. Saudi­-Arabiens Kronprinzen, der den Journalisten Jamal Khashoggi wohl zersägen ließ und den Biden deswegen einen "Paria" genannt hatte, begrüßte er jetzt ganz vertraulich. Amerika braucht billiges Öl, also braucht Biden wieder Saudi­-Arabien. Wer sich eine moralisch zuverlässigere US­-Außenpolitik gewünscht hat: Good luck!

Trump wurde auch möglich, weil viele in den USA unterschätzt haben, wie sehr die Globalisierung unsere Gesellschaften in große Gewinner und bittere Verlierer gespalten hat. Auch Barack Obama, der als Sozialarbeiter begann, trieb diese weiter voran und lebt heute als vielfacher Millionär wie ein Globalisierungsweltstar. Als Obama seinen 60. Geburtstag beging, just als Amerika durch die Coronakrise tief zerrissen war, lud er so viele Superstars ein, dass ihn selbst eine wohlgesonnene "New York Times"-­Kolumnistin völlig abgehoben nannte.

Natürlich ist dies nicht mit den Bildern von Christian Lindners Hochzeit vergleichbar, zu der Friedrich Merz und Olaf Scholz kamen und die wir vorige Woche mit unserer Titelgeschichte kritisch begleiteten. Manche merkten danach an, Lindner habe doch nur in einer gehobenen Fischbude auf Sylt geheiratet, so etwas sei völlig normal. Mag sein. Aber wir alle in der Öffentlichkeit (Politiker genau wie Journalisten) müssen uns gerade in dieser "Zeitenwende" fragen, was jene, die sich richtig abgehängt fühlen, als normal empfinden – und bei allem Recht auf den eigenen Genuss ein wenig auf die Inszenierung achten. Um daran zu erinnern, haben wir diesen Titel gemacht, nicht, weil wir neidisch sind, und schon gar nicht, weil wir dem Bundesfinanzminister keine schöne Feier gönnen. Sehr viele von Ihnen haben sich damit auseinandergesetzt, viele zustimmend, viele kritisch. Wir waren also mittendrin. Und da ist der stern richtig aufgehoben.


Mehr zum Thema



Newsticker