US-Präsident kickte selbst
Donald Trumps verborgene Fußballjugend

Donald Trump im Jahr 2018 mit Fußball in der Hand
Ein seltenes Bild: Donald Trump im Jahr 2018 mit Fußball in der Hand. Überreicht wurde er ihm hier von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, Gastgeber der damaligen WM
© Chris McGrath

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Heute nutzt US-Präsident Donald Trump das Big Business Fußball schamlos aus. Früher stand er als Spieler auf dem Platz – Seite an Seite mit Teamkollegen aus Lateinamerika.

Donald Trump liebt das Rampenlicht. Er nutzt jede Möglichkeit, eine Bühne zu bekommen. Wortwörtlich: Bei der Fifa-Klub-Weltmeisterschaft in den USA im Sommer 2025 blieb er inmitten der Spieler des FC Chelsea einfach auf der Bühne stehen, als sie den Titelgewinn feierten. Eine bizarre Szene.

Ähnlich bizarr war ein von Trump gepostetes KI-Video mit Cristiano Ronaldo, der im vergangenen November im Weißen Haus zu Gast war. Der Clip zeigt den US-Präsidenten und den Weltfußballer, wie sie gemeinsam im Oval Office kicken. Natürlich alles Fake, die Nutzer auf Instagram honorierten es aber mit unglaublichen fünf Millionen Likes.

Fußball ist perfekt geeignet, um Trumps Geltungsbedürfnis zu stillen; die beliebteste Sportart der Welt verschafft ihm Aufmerksamkeit. Nicht umsonst umgibt der US-Präsident sich regelmäßig mit Weltstars wie Ronaldo und Messi, mit nationalen und internationalen Fußballteams.

Reece James feiert mit seiner Mannschaft und Donald Trump den Sieg auf einer Bühne
Chelsea-Spieler feiern den Gewinn der Klub-WM. Finden Sie Donald Trump auf dem Bild? Fifa-Präsident Gianni Infantino (2.v.r.) versucht noch, ihn von der Bühne zu holen
© Hector Vivas / FIFA / Getty Images

Ist der Fußball für Donald Trump nur ein Business?

Fifa-Präsident Gianni Infantino und Trump sind ohnehin Best Buddys. Infantino überreichte Trump im Dezember 2025 den eigens für ihn erfundenen Friedenspreis des Fußball-Weltverbands. Weniger als drei Monate später griffen die USA unter Trump gemeinsam mit Israel den Iran an.

Trotz seiner Verbindungen in der Fußball-Branche sieht man den US-Präsidenten häufiger Golfbälle durch die Gegend schlagen als Fußbälle treten. Zum Golfspielen benötigt er wohlgemerkt keine KI-Videos. So könnte der Eindruck entstehen, dass Trump das Business Fußball nur ausnutzt, mit der Sportart selbst aber wenig am Hut hat. 

Doch das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Der US-Präsident kickte früher tatsächlich selbst in einer Mannschaft – zu einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten weit entfernt von einer Fußball-WM im eigenen Land waren.

Zeit im „Soccer“-Team der Militärschule

Donald Trumps Zeit als Fußballspieler begann 1963, im Jahr der Ermordung von Präsident John F. Kennedy; die Vereinigten Staaten befanden sich mitten im Vietnamkrieg und im Kalten Krieg mit der Sowjetunion. Zwei Ereignisse, die die Geschichte des Landes prägen sollten. Auch im Sport tat sich einiges: War Baseball bis dato noch der unangefochtene Nationalsport, erlebte American Football in den 1960ern einen rasanten Aufstieg.

„Soccer“, wie die Amerikaner den Fußball bis heute nennen, spielte damals nur eine untergeordnete Rolle. An Relevanz gewann der Sport erst später, vor allem durch die WM 1994 in den USA und die Gründung der Major League Soccer (MLS) im Jahr danach. Als Trump erstmals ein Fußballfeld betrat, gab es also noch wenige nationale Ligen.

Eine von ihnen war die Dutchess County Scholastic League, ein Zusammenschluss von Schulen im Hudson Valley und Umgebung. Dort trat auch die Mannschaft der New York Military Academy (NYMA) an. Donald Trump kam 1959 als 13-Jähriger auf die Militärschule und machte 1964 seinen Abschluss. Er spielte Baseball, American Football und schloss sich im Herbst 1963 auch dem Fußballteam an.

Ein Mannschaftsfoto aus der Zeit zeigt den jungen Trump (unten, 4. v. l.):

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Auf dem Feld mit Latinos

Berichte über Trumps Sportlerkarriere an der NYMA aus Jahrbüchern und Zeitungen weichen stark voneinander ab. Einige stellen ihn als einen herausragenden Athleten dar, andere zeichnen das Bild eines Mobbers.

Ehemaligen Kadetten zufolge sei es an der Schule üblich gewesen, sich gegenseitig zu beleidigen. Trumps ehemaliger Mitspieler Alfred Harrison berichtet dem „Guardian“, der heutige US-Präsident habe stets Spitznamen verteilt. Harrison habe er „Schultern“ genannt – aufgrund seiner rundlichen Schultern.

Dennoch galt die NYMA als „sicherer Hafen“ für Familien aus Süd- und Zentralamerika mit Verbindungen zum Militär. Viele junge Männer aus diesen Familien waren im Fußballteam. Trump spielte also Seite an Seite mit Menschen aus Kolumbien, Venezuela, Mexiko, Argentinien und Peru. Er war praktisch der einzige weiße Amerikaner im Team, heißt es im „Guardian“ weiter.

Seine Aufgabe war es, „den Ball wegzuschlagen“

Der heutige US-Präsident ist in Spielberichten aus der Zeit als Außenverteidiger oder Mittelfeldspieler gelistet. „Er hatte die Aufgabe, das Tor zu verteidigen und den Ball wegzuschlagen. Angesichts seiner geringen Erfahrung im Fußball hat er sich offenbar gut geschlagen“, erzählt Paul Curtin, ehemaliger Mitspieler Trumps und Sohn des Coaches.

Donald Trump als junger Mensch
Donald Trump im Jahrbuch der New York Military Academy, 1964 (Archivbild)
© Seth Poppel / Handout / Planetpix / Action Press

Trump spielte also als durchschnittlicher Fußballer in einer Mannschaft mit Mitspielern aus verschiedenen Nationen. Eigentlich schweißt das zusammen. Das macht den Fußball aus: zusammen gewinnen und verlieren, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe. Aus seiner Zeit an der NYMA scheint Trump aber mehr den Drill der Militärschule als den Gemeinschaftsgedanken verinnerlicht zu haben.

Zumindest lässt sich das aus der Politik ableiten, die er als US-Präsident verfolgt. Trump fährt einen harten Einwanderungskurs in den Vereinigten Staaten und hetzt mit teils rassistischen Beleidigungen gegen Menschen aus Nationen, aus denen seine ehemaligen Mitspieler kamen.

WM im Vorfeld politisch aufgeladen

Würde Trump seinen Titel als Friedenspräsident ernst nehmen, hätte er eigentlich gute Voraussetzungen, mit seinem Land eine Fußball-WM auszurichten. Am Rande der Klub-WM im vergangenen Jahr überraschte er mit Fußballwissen, als er dem Sender Dazn von Pelé als dem Lieblingsspieler seiner Jugend erzählte.

Zudem bemühte er sich um fußballerische Völkerverständigung mit den Briten: „Das ist ‚Football‘, wir nennen es hier in den USA ‚Soccer‘, aber in Wirklichkeit ist es ‚Football‘. Es macht keinen Sinn, dass wir ‚Soccer‘ sagen“, sagte er im Rahmen der Auslosung der WM-Gruppen in Washington D.C.

Trump war im Amt, als die USA im Jahr 2018 zusammen mit Kanada und Mexiko die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gewannen. Und er wird Präsident sein, wenn sie am 11. Juni startet. Nach Russland 2018 und Katar 2022 ist die WM im Vorfeld wieder einmal politisch aufgeladen – der Iran hat sein WM-Quartier bereits von den USA nach Mexiko verlegt.

Es wird sich zeigen, ob Trump das Turnier als Bühne für seinen Größenwahn nutzt – oder ob er den Geist des Spiels doch noch (wieder)entdeckt: ein Ball, 22 Spieler und eine Idee von Gemeinschaft, die größer ist als jede Inszenierung.

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