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Elfenbeinküste: Kein Ende des Machtkampfes in Sicht

An der Elfenbeinküste sind bei Zusammenstößen in der Großstadt Abidjan mindestens vier Menschen getötet worden. Die Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Oppositionsanhängern brachen am Dienstag bei Protesten gegen den umstrittenen Präsidenten Laurent Gbagbo aus.

In der Elfenbeinküste ist kein Ende im Machtkampf um das Präsidentenamt in Sicht. Das Lager des bisherigen Machthabers Laurent Gbagbo wies am Dienstag ein Angebot des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara für eine Machtteilung zurück. Bei neuerlichen Auseinandersetzungen kamen mindestens vier Menschen ums Leben.

Ouattara könnte mit Gbagbo zusammenarbeiten, sagte der von Ouattara ernannte UN-Botschafter Youssoufou Bamba dem britischen Sender BBC am Montag. Allerdings müsse Gbagbo seinen Anspruch auf die Macht aufgeben und Ouattara als "legitimen Präsidenten" anerkennen. Das wäre der "Ausgangspunkt". "Wenn Herr Gbagbo akzeptiert, können wir verhandeln", sagte Bamba, der die Bildung eines "großen, gemischten Kabinetts" aus beiden Lagern als eine Möglichkeit bezeichnete.

Der Parteichef von Gbagbos Ivorischer Volksfront (FPI), Pascal Affi N'Guessan, wies den Vorschlag zurück. "Das ist ein Ablenkungsmanöver", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Der Sieg Gbagbos gegen sei "nicht verhandelbar". Bamba reagierte gegenüber AFP mit der neuerlichen Androhung von Gewalt gegen Gbagbo und machte zugleich deutlich, dass ein Bürgerkrieg verhindert werden solle. Gewalt sei als "letztes Mittel" möglich. Es komme jedoch nur ein "zielgerichteter Angriff von Spezialkräften" auf Gbagbo infrage, sagte er.

Ouattara wird von der internationalen Gemeinschaft als Sieger der Präsidentschaftswahl vom 28. November anerkannt. Der seit zehn Jahren regierende Amtsinhaber Gbagbo beansprucht jedoch selbst den Wahlsieg und lässt trotz internationalen Drucks nicht von der Macht. Ouattara hält sich in einem von UN-Blauhelmen geschützten Hotel in Abidjan verschanzt. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen kamen seit der Wahl mindestens 200 Menschen ums Leben.

Die Afrikanische Union (AU) will Ende der Woche erneut zwischen den Rivalen vermitteln. Der AU-Gesandte und kenianische Regierungschef Raila Odinga werde am Donnerstag oder Freitag nach Abidjan reisen, sagte sein Sprecher. Bislang waren mehrere Vermittlungsversuche der AU und Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) erfolgslos.

Bei Schusswechseln wurden in Abidjan mindestens zwei Zivilisten getötet. Wie ein AFP-Reporter berichtete, lagen die beiden Opfer auf der Straße im Viertel Abobo, das als Bastion von Ouattara gilt. Aus dem Innenministerium hieß es, dass auch zwei Mitglieder der Sicherheitskräfte des Gbagbo-Lagers getötet worden seien. Anlass der Auseinandersetzung war offenbar eine am Nachmittag geplante Veranstaltung in der Nähe, bei welcher der Anführer von Gbagbos Jungen Patrioten, Charles Blé Goudé, auftreten sollte.

AFP/Reuters / Reuters