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Lage am Golf spitzt sich zu: Iran setzt britischen Tanker fest – jetzt mischt sich auch Deutschland in den Konflikt ein

In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Der Iran stoppt zwei britische Tanker, einer ist noch immer in der Kontrolle Teherans. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und auch Deutschland mischt sich in den Konflikt ein.

"Stena Impero": Iran: Festgesetzter Tanker war in Unfall mit Fischerboot verwickelt

Die Lage am Persischen Golf spitzt sich weiter zu: Der Iran hat in der Straße von Hormus einen britischen Tanker festgesetzt. London rät nun allen britischen Schiffen, das Gebiet vorerst zu meiden. Kapitäne sollten die Gewässer um die Straße von Hormus "vorläufig" nicht durchqueren, hieß es am Samstag. Auch Deutschland mischt sich nun in den Konflikt ein.

Die Bundesregierung hat den Iran zur "unverzüglichen" Freigabe des in der Meerenge von Hormus beschlagnahmten Tankers aufgefordert. Das Auswärtige Amt in Berlin rief den Iran am Samstag "nachdrücklich" auf, die "Stena Impero" und ihre Besatzung "unverzüglich freizugeben". "Eine weitere regionale Eskalation wäre sehr gefährlich", erklärte ein Ministeriumssprecher.

Iran spricht von Verstoß gegen "internationale maritime Regeln"

Die "Stena Impero" sei festgesetzt worden, weil sie gegen "internationale maritime Regeln" verstoßen habe, teilten die iranischen Revolutionsgarden am Freitag mit. Ein zweites Schiff wurde mehrere Stunden an der Weiterfahrt gehindert. Die britische Regierung warnte die Führung in Teheran vor "ernsthaften Konsequenzen", sollte sie nicht auch den anderen Tanker bald freigeben. Die USA - mit Großbritannien verbündet - kündigten derweil die Stationierung von Soldaten in Saudi-Arabien an.

Wie die iranischen Revolutionsgarden auf ihrer Website mitteilten, wurde der unter britischer Flagge fahrende Tanker auf Ersuchen der Hafen- und Schifffahrtsorganisation der Provinz Hormosgan beschlagnahmt. Er sei in einen Hafen gebracht und den Behörden übergeben worden. Nun würden ein rechtliches Verfahren und Ermittlungen eingeleitet.

"Angriff" gegen das Schiff

Der schwedische Eigner sprach von einem "Angriff" gegen das Schiff. Die "Stena Impero" sei in der Straße von Hormus in internationalen Gewässern "von nicht identifizierten kleinen Schiffen und einem Hubschrauber angegriffen" worden, teilte die Geschäftsführung von Stena Bulk und Northern Marine mit. "Wir sind derzeit nicht in der Lage, Kontakt mit dem Schiff aufzunehmen". 

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft.

In der Straße von Hormus wurde am Freitag außerdem ein Tanker der britischen Reederei Norbulk Shipping aufgehalten. Nach Angaben des Unternehmens war das unter liberianischer Flagge fahrende Schiff am frühen Abend von bewaffneten Sicherheitskräften gestoppt worden. Nach rund dreieinhalb Stunden hätten sie das Schiff wieder verlassen. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars befindet sich der Öltanker inzwischen außerhalb iranischer Hoheitsgewässer. 

Britischer Außenminister warnt vor "ernsthaften Konsequenzen"

Der britische Außenminister Jeremy Hunt nannte die Festsetzungen der Schiffe "inakzeptabel". Der Iran müsse mit "ernsthaften Konsequenzen" rechnen, wenn der Konflikt nicht schnell gelöst werde.

Wenige Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof von Gibraltar beschlossen, den iranischen Öltanker "Grace 1" für weitere 30 Tage festzusetzen. Die Behörden des britischen Überseegebiets verdächtigen den Iran, Syrien unter Verstoß gegen internationale Sanktionen mit Öl beliefern zu wollen.

Auch die USA verurteilten das Vorgehen des Iran in der Straße von Hormus am Freitag scharf. Washington kündigte an, die US-Militärpräsenz in der Golfregion weiter zu verstärken. Erstmals seit 2003 sollen wieder US-Truppen in Saudi-Arabien stationiert werden. Nach Angaben des Pentagon sollen die Streitkräfte die Interessen der USA in der Region schützen. Teherans Erzfeind Saudi-Arabien erklärte, Washington und Riad seien darum bemüht, ihre Zusammenarbeit "zur Verteidigung der Sicherheit und der Stabilität in der Region zu verstärken".

Seit dem Ausstieg Washingtons aus dem internationalen Atomabkommen mit Teheran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben sich die Spannungen in der Golfregion verschärft. Die USA hatten am Donnerstag erklärt, das Kriegsschiff "USS Boxer" habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Regierung und Armee in Teheran erklärten hingegen, es werde keine Drohne vermisst.

Straße von Hormus: US-Kriegsschiff schießt iranische Drohne ab

Ende Juni hatte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus fast zu einer militärischen Konfrontation geführt. US-Präsident Donald Trump stoppte nach eigenen Angaben erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff. Seit Anfang Mai gab es zudem mehrere Angriffe auf Tanker in der Region, für die Washington den Iran verantwortlich machte. Teheran wies jede Verantwortung zurück.

ikr / AFP / DPA