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G20-Gipfel in Mexiko: Obama lässt die Europäer hängen

Kein Gesprächsbedarf: US-Präsident Barack Obama hat ein Treffen mit Vertretern der Eurozone beim G20-Gipfel kurzfristig abgesagt. Auch sonst mussten sich die krisengeplagten Europäer einiges anhören.

Eines der wichtigsten Treffen zur Eurokrise beim G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos ist kurzfristig abgesagt worden. Anders als geplant kamen US-Präsident Barack Obama und die europäischen Gipfelteilnehmer am späten Montagabend (Ortszeit) nicht wie verabredet zusammen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur DPA von Vertretern aus mehreren Delegationen. Zur Begründung hieß es, es gebe keinen Gesprächsbedarf mehr.

Aus US-Regierungskreisen hieß es dagegen, das Abendessen habe lange gedauert, "so dass wir das Treffen mit der Eurozone abgesagt haben". Der Präsident habe die Gelegenheit für weitere Treffen am Rande des Gipfels. Ein Treffen zwischen Obama und Kanzlerin Angela Merkel allein fand wie geplant am Rande des Gipfels statt. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen waren sie sich einig, "dass weitere Schritte zur politischen Integration" in Europa notwendig seien.

Mehr Geld für den IWF

Unterdessen haben weitere Staaten im Tauziehen um die Aufstockung der Krisenmittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) konkrete Zusagen gemacht. Insgesamt seien bereits mehr als 450 Milliarden Dollar (rund 357 Milliarden Euro) an neuen Geldern zugesagt worden, erklärte IWF-Chefin Christine Lagarde am Rande des Gipfels. Unter anderem habe China 43 Milliarden Dollar versprochen. Indien und Russland kündigten ihrerseits in Los Cabos an, jeweils zehn Milliarden Dollar zur Verfügung stellen zu wollen.

Bei ihrer Zusammenkunft nahmen mehrere Vertreter der G20 die Staaten der Eurozone in die Pflicht, sich für ein Ende der Schuldenkrise endlich mehr anzustrengen. Im Entwurf der Abschlusserklärung des Gipfels versichern die Europäer, alles nur Nötige zu tun, um ihre Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Vorrangig sollen die Finanzmärkte beruhigt, Vertrauen zurückgewonnen und stetiges Wachstum geschaffen werden.

Reformen in der Eurozone angemahnt

Der Auftakt des zweitägigen Treffens der Staats- und Regierungschefs in dem Badeort an der Pazifikküste war geprägt von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die USA, China, Indien und Südkorea zeigten sich tief beunruhigt, dass die Schuldenkrise weiter schwelt und schlimmstenfalls die Weltwirtschaft bedroht. Bei allem Verständnis für die Lage der Europäer überwogen doch kritische Töne.

Stellvertretend rief Südkoreas Präsident Lee Myung Bak zu einschneidenden Reformen in Europa auf. Sie seien die einzige Lösung für die Schuldenprobleme - egal, wie schmerzhaft oder unpopulär sie auch seien, sagte er. Das Finanzsystem der Eurozone müsse von Grund auf überholt werden, um Gefahren für die Weltwirtschaft zu eliminieren. Im Ton konziliant, aber in der Sache hart gaben sich auch Chinas Staatschef Hu Jintao und Indiens Premier Manmohan Singh.

"Wir lassen uns von niemanden belehren"

Einseitige Schuldzuweisungen wies die deutsche Bundeskanzlerin entschieden zurück. Die Schuldenkrise sei eben nicht allein Problem der Europäer, auch andere Wirtschaftsmächte stünden in der Pflicht, sagte Merkel. "Hier wird jeder Kontinent seinen Beitrag leisten müssen." Schwer verärgert war EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: "Wir lassen uns hier von niemandem belehren." Die Krise sei nicht von Europa ausgelöst worden, sondern habe in den USA ihren Ausgang genommen.

Um der Kritik an ihrem Krisenmanagement zu begegnen, wollen die Euroländer in der Abschlusserklärung eine Garantie für die Stabilität der gemeinsamen Währung abgeben. "Die Mitglieder der Eurozone in der G20 werden alle notwendigen politischen Maßnahmen ergreifen, um die Integrität und Stabilität des Währungsraums zu sichern." Der Teufelskreis von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder und angeschlagenen Banken müsse durchbrochen werden, heißt es weiter. Die Länder der Eurozone wollen sich zudem für besser funktionierende Finanzmärkte einsetzen.

Die G20 fordern, dass die Euroländer mit der neuen Regierung in Griechenland zusammenarbeiten müssten, um das Land am Rande des Bankrotts auf Reformkurs und in der Währungsgemeinschaft zu halten. Die von Spanien geplante Banken-Rekapitalisierung im Umfang von bis 100 Milliarden Euro wird begrüßt.