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Unangenehme Botschaften Genf empfing Putin mit einem lächelnden Nawalny und unbequemen Fragen

Genf: Wladimir Putin kommt zum Treffen mit Joe Biden an.
Wladimir Putin kommt zum Treffen mit Joe Biden an. In Genf haben die Bewohner ein paar unangenehme Botschaften an ihn platziert. 
© Sergei Bobylev / Picture Alliance
Kein anderes Thema ist für Wladimir Putin so unangenehm wie Alexej Nawalny. Alle Versuche, Antworten zum Schicksal des Oppositionspolitikers zu bekommen, scheitern an Ausflüchten. Die Genfer finden dennoch kreative Wege, den Kreml-Chef an seinen Erzfeind zu erinnern. 

In Genf herrscht Ausnahmezustand. US-Präsident Joe Biden und Russlands Staatschef Wladimir Putin halten hier ihren ersten gemeinsamen Gipfel ab. Für den Kreml-Chef ist es die erste Auslandsreise seit März 2020. Damals verabschiedete er sich in die Selbstisolation, um dem Coronavirus zu entgehen.

Obwohl Putin vorgibt, sich längst geimpft zu haben, meidet er bis heute öffentliche Auftritte. Jeder der ihn sehen will, muss vorher in eine zweiwöchige Quarantäne – wie erst vor kurzem ein Journalisten-Team des US-Senders NBC, dem Putin ein Interview gegeben hat. Für Biden macht der Kreml-Chef nun eine Ausnahme.

Doch auch wenn die Regierung der Schweiz sich freut, nach langer Zeit wieder der Weltpolitik eine Bühne bieten zu können, sind nicht alle Genfer begeistert von der Visite des russischen Präsidenten. Sie nutzen die Gelegenheit, um Haltung zu zeigen. Am Tag des Gipfels tauchten in Genf Werbetafeln auf, die Putin eine sehr unbequeme Frage stellen: "Nawalny wurde mit Nowitschok vergiftet. Und es gibt immer noch keine Ermittlungen? Wie kann das sein, Präsident Putin?", heißt es auf den Plakaten im Zentrum der Stadt.

Bereits vor einigen Tagen tauchte in derselben Straße ein Graffiti von Nawalny auf – das eins zu eins jenem gleicht, dass die Putin-Regierung unter viel Aufsehen in Sankt Petersburg übermalen ließ. "Held unserer Zeit", heißt zu der Abbildung des lächelnden Oppositionspolitikers. 

Graffiti von Alexej Nawalny in Genf
Graffiti von Alexej Nawalny in Genf
© MARTIAL TREZZINI / Picture Alliance

Für Wladimir Putin bleibt Alexej Nawalny sein Voldemort

Kein anderes Thema ist Putin momentan so unbequem wie das Schicksal seines Erzfeindes Alexej Nawalny. Bis heute hat er kein einziges Mal seinen Namen in den Mund genommen. In einem 90-minütigen Interview mit NBC, das am Montag veröffentlicht wurde, behauptete Putin auf mehrere Nachfragen, der Oppositionspolitiker sei nicht weiter wichtig. Er werde auch nicht schlechter behandelt als andere Gefangene, meinte der Kreml-Chef und wies erneut zurück, hinter dem Mordanschlag auf Nawalny zu stecken: "Wir haben keine solche Gewohnheit, jemanden zu ermorden." 

Dass die Liste jener, die im Auftrag des Kremls vergiftet worden sein sollen, ellenlang ist, ignorierte Putin lächelnd. Für das russische Publikum wurde der entsprechende Ausschnitt vom Staatsfernsehen gleich komplett herausgeschnitten. 


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